"Jeder Mensch ist ein Engel mit nur einem Flügel..."

Erfahrungen der Gemeinschaft von Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung un der evangelischen Kirchengemeinde Eschach.

Angedachtes von Pfarrer Friedemann Manz
■ Lukas-Gemeindezentrum Ravensburg-Oberhofen, Sonntag morgen, 10.35 Uhr: Sonnenlicht und Orgelklänge durchfluten den Raum. Peter wippt mit  großen Bewegungen des Oberkörpers im Rhythmus der Musik. Er ist zusammen mit zwei weiteren BewohnerInnen und einem Mitarbeiter der Eschacher Außenwohngruppe der Haslachmühle gekommen. Außer ihnen sind Ältere und Jüngere, Kinder und Konfirmanden da. Drei Frauen aus der  Arche-Wohngemeinschaft in Obereschach sind ebenfalls gekommen. Sie alle erleben die Gemeinschaft im Gottesdienst und beim anschließenden Kirchcafé bei einem Glas Saft oder einer Tasse Kaffee.

Die Bewohner der Außenwohngruppe spüren: Hier sind sie willkommen. Die anderen Gottesdienstbesucher erleben: Im Gottesdienst sind wir eine Gemeinde, ob wir auf den Holzstühlen sitzen oder im Rollstuhl, ob wir mehr oder weniger verstehen von dem, was die Pfarrerin sagt.

Wir brauchen einander: Die Bewohner der Außenwohngruppe brauchen die anderen Gemeindemitglieder: als freundliche Nachbarn, als Mitarbeiterinnen in der Wohngruppe, als ihnen zugewandte Menschen auf der Straße oder im Lukas-Gemeindezentrum.

Und die anderen brauchen sie: Um zu spüren, dass der Intellekt nicht alles ist. Um zu erleben: Man kann auch ohne Worte kommunizieren, ein Lächeln bei der Begrüßung oder beim Abschied sagt mehr als eine Floskel. Um das unmittelbare Zeigen von Gefühlen und Begeisterung, z.B. beim Hören von Musik, wiederzuentdecken.

Der bisherige Höhepunkt des gemeinsamen Gottesdienst-Feierns war der Gottesdienst im letzten Juni, der von den beiden Pfarrern aus Eschach und der Haslachmühle vorbereitet und geleitet wurde. Bewohner der Außenwohngruppe und der Haslachmühle spielten in einem Rollenspiel die Geschichte vom armen Lazarus, über die dann im Anschluss gepredigt wurde. Sänger und Instrumentalisten der Haslachmühle gestalteten den Gottesdienst musikalisch. Und im Anschluss an den Gottesdienst waren alle zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen.

Besonders eindrücklich für die Gottesdienst-Besucher-Innen waren die Gebete mit ganz elementaren Bitten und Dankaussagen, die von den Menschen mit Behinderung in Gebärdensprache vorgetragen und dann übersetzt wurden. Dieses Jahr werden wir gemeinsam den Gottesdienst zum Dorffest vorbereiten und gestalten, der im Juli auf dem Dorfplatz in Oberhofen gefeiert wird. Wir freu'n uns schon drauf!