Ist Reden Gold?

Angedachtes von Annette Scherer.
■ »Reden ist Silber, Schweigen ist Gold«, heißt es in einem alten Sprichwort. Aber: Stimmt diese Weisheit wirklich? Oder müsste es manchmal nicht vielmehr heißen: »Schweigen ist Silber, Reden ist Gold«?

Ich habe dazu eine interessante Geschichte entdeckt: »Eine Frau und ihr Mann bestellen ihren Garten. Sie graben um und säen ein, was sie im Herbst ernten wollen. Ein Beet ließen sie brach liegen. Da säte der Mann heimlich noch Salat aus, um seiner Frau damit eine Freude zu machen. Am nächsten Tag denkt auch die Frau an das leere Beet und legt heimlich Bohnen aus, weil ihr Mann die so gerne isst. Immer wieder gehen nun die Ehepartner zum Beet, der eine ohne den anderen. Jeder von den beiden jätet nun, was er für Unkraut hält. Die Frau jätet den Salat, der Mann die sprossenden Bohnen. Am Ende haben sie sich vergeblich gemüht, weil der eine die Saat des anderen zunichte machte.«

(Aus: Axel Kühner, Eine gute Minute, 365 Impulse zum Leben, 9. Aufl. 2009, Aussaat Verlag Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH)

Was ist geschehen? Jeder wollte dem anderen eigentlich Gutes tun, ihm eine Freude bereiten. Dennoch kamen die schönen Ideen und die heimlich durchgeführten Taten bei den Zielpersonen, die beschenkt werden sollten, nie an. Zum Wachsen einer Frucht ist es nie gekommen. Die Mühe der beiden war vergeblich, weil die Kommunikation zwischen ihnen fehlte. Sie arbeiteten aneinander vorbei, weil das Reden miteinander unterblieben war.

»Die Pläne werden zunichte, wo man nicht miteinander berät«. Dieser Tipp aus der Bibel findet sich bereits in den Sprüchen, Kapitel 15 Vers 22.

Wie oft bleibt unser Reden miteinander im Alltag auf der Strecke? Nicht nur in der Ehe und in der Familie, sondern auch im Kollegen-, Bekannten- und Freundeskreis. Sogar in unseren Kirchen. Dabei geht es nicht um die flotte Frage: »Wie geht’s?« auf deren Beantwortung oft schon gar nicht mehr gewartet wird. Nein, es geht hier um einen lebendigen Austausch, ohne den es kein fruchtbares Miteinander geben kann.

Ein unbekannter Verfasser fasste es so in Worte:

Manchmal sagt man …
einem Menschen viel zu selten,
wie wichtig es ist, dass es ihn gibt,
einem Menschen viel zu selten
wie gut es manchmal tut, ihn zu sehen.
Manchmal sagt man
einem Menschen viel zu selten,
wie tröstlich sein Lächeln ist.
Manchmal sagt man
einem Menschen viel zu selten,
wie wohltuend seine Nähe ist.
Manchmal sagt man
einem Menschen viel zu selten,
wie viel ärmer man ohne ihn wäre.
Manchmal sagt man
einem Menschen viel zu selten,
dass er ein Geschenk des Himmels ist.