Gottes Geist weht, wo er will

Angedachtes von Bettina Rahn.
■ Warum eigentlich feiern wir Pfingsten? Selbstverständlich wissen Sie ganz genau, was Pfingsten bedeutet. Und falls nicht, geht es Ihnen nicht anders als vielen deutschen Bundesbürgern. Der Begriff Pfingsten ist jedermann geläufig und „Montag“ ist frei – das wissen auch alle. Und sie wissen auch warum: weil nämlich Pfingsten ist. Bei den Details geraten viele von uns allerdings ins Schwimmen. Eine Medienumfrage ermittelte, dass 73 Prozent der Deutschen keine Ahnung haben, was an Pfingsten gefeiert wird. Aber das lässt sich glücklicherweise ganz schnell ändern: An Pfingsten wird die Entsendung des Heiligen Geistes an die Apostel und damit der „Geburtstag der Kirche“ gefeiert. Der Ursprung für Pfingsten war das jüdische Wochenfest, das zum Abschluss der Getreideernte gefeiert wurde. Pfingsten, dessen Name sich aus dem Griechischen („Pentakoste“) ableitet und das Fest am 50. Tag nach Ostern bezeichnet, ist einer der höchsten christlichen Feiertage.

In der Apostelgeschichte im Neuen Testament ist nachzulesen, dass sich an diesem Festtag vor etwa 2000 Jahren Jesu Vorhersage erfüllte: Die Apostel bekamen den Heiligen Geist eingehaucht. „Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie [die Apostel] waren. Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden ließ sich eine Flammenzunge nieder. Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen Gott eingab.“

Dass die Jünger plötzlich alle Sprachen der Welt sprechen konnten, bedeutete, dass wirklich jeder sie verstehen konnte. Der Glaube an Jesus verbreitete sich, und die erste christliche Gemeinde entstand.

Dieses Bild, das da beschrieben steht und das das Kommen des Geistes beschreibt, ist nicht so leicht zu veranschaulichen. Aber es ist nicht weniger wichtig. Das Kommen des Geistes symbolisiert eine neue Kraft – und zeigt den Menschen, dass Gott sie stärken möchte. Die Vorstellung dessen, was der Geist Gottes im Menschen bewirken kann, ist etwas ganz Großartiges – man denke nur an die vielen weltlichen, politischen, ökologischen oder religiösen Auseinandersetzungen unserer Tage! Sie beschäftigen uns, im Kleinen wie im Großen, in der Politik, in den Medien, aber auch im Alltag. Und sie alle gelten in Wahrheit der Frage nach dem richtigen Geist! Oft ist uns gar nicht bewusst, dass es darum geht, die Geister zu scheiden! An Pfingsten können wir uns das bewusst machen. Es geht um den Geist des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung. Es geht um den Geist des Friedens, der aller Gewalt entgegentritt und Zwietracht überwindet.

Wir brauchen diesen Geist, damit wir nicht in Kleinmut, wechselseitiger Abgrenzung und Alltagssorgen versinken. Das Pfingstfest lehrt, dass die Offenheit der Menschen für Gott das Verstehen untereinander ermöglicht. In der Bibel heißt es darum: Gottes Geist weht, wo er will.