Gott ist auch Kenianer

Angedachtes von Bettina Rahn
■ Was wissen Sie über Kenia? Dass es irgendwo in Afrika liegt? Dass man faszinierende Safaris durch Nationalparks mit Löwen, Giraffen, Zebras und Elefanten unternehmen kann? Dass man Kiswahili spricht? Dass die politische Lage angespannt ist?

Seit ein paar Monaten weiß ich mehr über Kenia. Über dieses mittelgroße Land im Osten Afrikas, das an Äthiopien, Somalia, Sudan, Uganda, Tansania und den Indischen Ozean grenzt. Kenia ist kleiner als die Bundesrepublik und wird von rund 40 Millionen Menschen aus mehr als 40 Volksstämmen bewohnt. Jeder Stamm hat seine eigene Sprache, die Verständigung funktioniert über Kiswahili. Nur 20 Prozent der Gesamtfläche Kenias sind landwirtschaftlich nutzbar, trotzdem müssen fast 80 Prozent der Menschen ihr Geld mit Landwirtschaft verdienen. Exportiert werden vor allem Kaffee und Tee sowie die Rohstoffe Kobalt und Salz. Auch zu Deutschland gibt es einen Bezug, wenn auch einen unrühmlichen: 1885 wurde Kenia von Deutschen kolonialisiert. Drei Jahre später kamen dann die Briten ins Land, die Amtssprache Kenias ist bis heute Englisch.

Woher ich das alles weiß? Und warum ich hier davon erzähle? Ganz einfach. Weil ich Menschen aus Kenia hier in Wilhelmsdorf begegnet bin. Und mit ihnen begegnete ich Gott.

Acht junge Frauen und ein junger Mann aus Kenia absolvieren derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Behindertenhilfe der Zieglerschen Anstalten. Gemeinsam mit ihnen haben wir gearbeitet – und gemeinsam mit ihnen haben wir gefeiert. Zum Beispiel an jenem Abend Ende Januar, als Meredith, Damaris und ihre Mitstreiter kenianische Gerichte zubereiteten. An diesen Abend haben wir gegessen, getanzt und gesungen. „Ee Mungu Nguvu Yetu“, sangen wir, „O Gott aller Kreaturen“. Seit 1963 ist das Kenias Nationalhymne, seit der Zeit also, als Kenia unabhängig wurde. Damals suchte die Regierung ein geeignetes Lied für das junge, freie Land. Die Wahl fiel auf „Ee Mungu Nguvu Yetu“. Ein Lied, mit dem die Mütter ihre Kinder trösten und beruhigen. Das sie ihnen zum Einschlafen vorsingen.

An diesem Abend erklang die kenianische Hymne „Ee Mungu Nguvu Yetu“ in Wilhelmsdorf. Das Lied bewegt. Sein Klang ist berührend. Der Text ist ein Gebet zu Gott.

Es passte in unsere Situation.

O GOTT ALLER KREATUREN*
Segne dieses unser Land und die Nation.
Gerechtigkeit sei uns Schild und Schutz
Mögen wir in Einigkeit leben
Friede und Freiheit
Möge in unseren Grenzen herrschen.

Lass einen und alle
mit starkem, wahrhaftigem Herzen leben.
Dienst an unserem Heimatland Kenia
sei unser Bestreben.
Diese herrliche Erbschaft
lasst uns fest verteidigen.

Lass uns alle einstimmig
und vor der Welt vereinigt sein,
dass wir gemeinsam unsere Nation
und die Größe Kenias aufbauen mögen
Die Frucht unserer Arbeit
möge uns täglich mit Dankbarkeit erfüllen.


*Der Text wurde ins Deutsche übersetzt von Meredith Nyapuni und Damaris Wambui aus Kenia, die ihr FSJ im Rotachheim absolvierten. Unser Foto zeigt einen Jungen mit kenanischer Flagge.