Gedanken zum Advent

Angedachtes von Marie Knödler
■ Schon bald feiern wir Weihnachten, die Adventszeit hat bereits begonnen. Meine Kinder fragten kürzlich, ob wir schon unser Zuhause schmücken und gleich den Weihnachtsbaum besorgen könnten. Denn sie freuen sich sehr. Und, um ganz ehrlich zu sein, auch bei mir ist die Vorfreude groß im Advent.

Der Advent ist eine ganz eigene Zeit, verbunden mit der Vorstellung von Behaglichkeit und Gemütlichkeit. Diese Zeit ist mit großen Erwartungen besetzt: Man möchte am Abend mit einer Tasse warmem Tee Zeit zum Nachdenken haben; man möchte Plätzchen backen und Engel im Schnee abdrucken. Wir erleben die Aufregung am Nikolausabend und fröhliche Gottesdienste. Jeden Sonntag zünden wir eine neue Kerze am Adventskranz an, singen und musizieren viel, besuchen Adventsmärkte, besorgen mit Liebe ausgesuchte Geschenke und genießen die allgemein freudige Stimmung.

Es gibt viel Schönes in der Adventszeit. Zugleich ist da aber auch der Druck: die Fenster müssen vor dem Dekorieren geputzt werden. Mit Kindern Plätzchen zu backen ist zwar toll – aber ohne sie geht es doch sehr viel schneller. Alles muss noch für Weihnachten vorbereitet werden und dabei möchte ich es noch jedem recht machen.

Und dann bleibt da noch die Frage: Was bedeutet mir diese besondere Zeit, diese Adventszeit eigentlich noch?

Große freudvolle Erwartung gebündelt mit Leistungsdruck? Das kann es definitiv nicht sein. Eine Antwort könnten wir bei Maria suchen. Und sie würde bei fast jeder Schwangeren ähnlich klingen.

1. Ich richte den Blick nach innen, bin in mich gekehrt. Was bewegt mich? Was bewegt sich in mir? Mag ich das oder nicht? Wo ist es mir unbehaglich? Was tut mir gut? Was stärkt mich und gibt mir Frieden? Aus den Antworten auf diese Fragen kann ich Prioritäten setzen. Ich wähle aus, was für das kommende Jahr wichtig sein wird und was getrost beiseite bleiben kann.

2. Ich richte den Blick nach außen. Aus meiner bewussten inneren Haltung wendet sich meinem Blick nach außen. Wie begegne ich Menschen? Wie gefühlvoll oder wie nüchtern würden Jesus oder Maria heute unsere Situation betrachten? Gibt es eine Verheißung, eine Botschaft, die ich jemandem, der mir nahesteht, weitergeben möchte? Oder geht es darum, einfach nur einen Moment zu teilen?

3. »Entschleunigen!« Wenn Mütter sich an ihre Schwangerschaften erinnern, bleibt unter anderem die immer größer werdende Langsamkeit im Gedächtnis. Da mussten wir Pausen machen und insgesamt langsamer werden. Klar, alles soll vorbereitet sein. Jeder Kinderfrage möchten wir die angemessene Aufmerksamkeit schenken. Die Frage ist jetzt, da die Zeit knapp wird: Was ist wirklich wichtig? Wie viel Materielles brauche ich, damit meine Wünsche in Bezug auf Gott und meine Mitmenschen nicht nur Wünsche bleiben?

Anders formuliert: Wie kann ich Raum in meinem Leben für Gottes Nähe schaffen? Denn er kommt, er ist schon da.


Die Autorin
Ich heiße Marie Knödler und arbeite seit dem 1. September mit einer halben Stelle und für zwei Jahre bei den Zieglerschen als ordinierte Pfarrerin aus der französischen Schweiz (Neuchâtel) und Angestellte bei der württembergischen Landeskirche. Ich wohne in Ravensburg mit meinem Mann Tilman, der Pfarrer in der Stadtkirche ist, und unseren Kindern Claire (8), Gabriel (6) und Debora (4). Mein Auftrag bei den Zieglerschen hat vor allem zwei Schwerpunkte: Im Referat Theologie und Seelsorge darf ich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleiten mit Gesprächen, Gottesdiensten und weiteren Angeboten. In der Behindertenhilfe darf ich mich für ein gutes Einleben von Menschen mit Behinderung in ihre neue Kirchengemeinde engagieren. Somit geht es auch um gute Kontaktpflege und positive Zusammenarbeit zwischen den Kirchengemeinden und den Zieglerschen. Ich freue mich sehr über die Chancen, die mein Auftrag mir bietet.