Euer Herz erschrecke nicht

Angedachtes von Heiko Bräuning
Jesus Christus spricht: »Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich.« Joh. 14, 1

Diese Sätze aus dem Johannes-Evangelium sind die Jahreslosung für das Jahr 2010. Bevor ich dazu etwas sage, möchte ich von Dudu erzählen. Dudu lebt in Jerusalem. Zwei Jungs hat er großgezogen. Der eine hat sich mit 21 Jahren das Leben genommen. Der zweite starb ebenfalls vor kurzem an einer Krankheit. Beide Kinder wurden ihm genommen. Was denken Sie, was Dudu heute macht? Und was meinen Sie, was Dudu mit der Jahreslosung zu tun hat? Und was hat das mit uns zu tun?

Ich erzähle gleich weiter.

Doch zuerst ein kleiner Exkurs, um diesen Satz von Jesus besser zu verstehen. Es gibt in der jüdischen Tradition ein interessantes Denken: Gott hat zuerst das Große geschaffen. Die Idee. Und dann erst die Einzelheiten, die Details. Das wird am schönsten deutlich in der Schöpfungsgeschichte. Am ersten Schöpfungstag schafft Gott Licht. Erst am dritten Tag schafft er die dazugehörigen Leuchtstoffmittel: nämlich die Sonne, den Mond, die Sterne. Wäre es nicht logischer gewesen, zuerst die Lampe zu schaffen, und dann hätte man das Licht anschalten können? Nein, sagt die Tora, zuerst muss die Idee da sein vom Licht und dann kommen daraufhin die Details. Heißt für uns: Hinter den vielen  Einzelheiten des Lebens steht eine große Idee.

In dieser Denktradition steht Jesus, wenn er uns einlädt, dass unser Herz nicht erschrecken soll inmitten der vielen  Einzelheiten. Es ist als ob er sagen will: Verliere dich nicht in den Details, sondern nimm das Große war. Verzettel dich nicht im Kleinen, sondern entdecke die Idee hinter deinem Leben. Hinter deinem Leben steht eine großartige Idee. Weihnachten ist die Zeit, in der Gott uns seine Idee erklärt: Jesus Christus bringt die bedingungslose Wertschätzung Gottes in unseren Alltag mit den vielen Einzelheiten und Details. Und diese Wertschätzung heißt: dein Leben ist durchdacht. Es ist nichts zufällig, nichts sinnlos.

Denken Sie an Dudu. Er hat sich lange überlegt, was sein Leben noch für einen Sinn hat, nachdem ihm beide Söhne weggestorben sind. Dudu steht heute jeden Tag in Jerusalem auf dem Hauptbahnhof. Beobachtet die Menschen, betet
für sie und: er segnet sie. Er ist eine Institution geworden: Junge und Alte halten an, wenden sich an den alten, in  der Zwischenzeit 75-Jährigen und wollen von ihm getröstet, ermutigt, gesegnet werden. Er selber hat in der schwersten Lebenskrise Trost bekommen, hat angefangen, nicht im Detail steckenzubleiben, sondern alles in einem großen Ganzen zu sehen. Dabei hat er für sich den Sinn des Lebens entdeckt: was er selber gefunden hat an Trost, Hilfe, Gottvertrauen, versucht er anderen weiterzugeben.

Weihnachten hilft uns, inmitten all unserer Kleinigkeiten den großen Zusammenhang wieder zu entdecken: Gott kommt in unsere kleine Welt, in der wir uns so oft verzetteln und verlieren. Weihnachtliche Wünsche in diesem Zusammenhang für 2010 wären: dass wir uns nicht verzetteln im Kleinen. Dass wir uns nicht erschrecken vor mancherlei. Dass wir nicht den Überblick verlieren inmitten der vielen Einzelheiten. Dass wir die großen Zusammenhänge entdecken. Den großen Sinn hinter allem. Das wir in allem unser Gottvertrauen stärken oder wieder finden. Stimmen Sie mit mir ein in das Lied zur Jahreslosung? Es ist ganz einfach!