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07.12.2010 - Oggelsbeuren

Belastungserprobung Küche

Seit April 2008 sorgt Thomas Darasz nicht nur für gutes Essen


"Das macht sie stolz und so 'kriege' ich sie auch.": Thomas Darasz, Küchenleiter im Rehabilitationszentrum am Bussen.
Foto: Rolf Schultes

Ein besonderer Tag. Erstmals kommen heute die Patienten der Sucht und Psychose-Station in den Arbeitstherapiebereich Küche des Rehabilitationszentrums am Bussen in Oggelsbeuren (Landkreis Biberach). Erwartet werden sie von Thomas Darasz. Der 35-Jährige ist seit April 2008 Küchenleiter der Klinik und hier nicht nur für gutes Essen verantwortlich, sondern auch arbeitstherapeutisch tätig. „Am ersten Tag sind sie alle nervös“, sagt Thomas Darasz, „denn sie wissen ja nicht, was auf sie zukommt.“ So geht es heute auch den sechs Männern, die derzeit im Rehabilitationszentrum am Bussen eine mehrmonatige medizinische Rehabilitation machen. Sie alle sind an Sucht und Psychose erkrankt, umgangssprachlich auch Doppeldiagnose genannt. Das die sechs heute besonders aufgeregt sind, liegt auch daran, dass sie nun das erste Mal als Gruppe im Arbeitstherapiebereich Küche auftreten und in den kommenden Wochen gemeinsam mit Thomas Darasz für das Essen in der Klinik verantwortlich sind. Denn sie wissen aus eigener Erfahrung: Therapie kann auch durch den Magen gehen.
Um 10 Uhr geht’s für die Patienten los. Die Küche ist der Bereich der Oggelsbeurer Arbeitstherapie, den in der Regel alle Patienten durchlaufen, sofern keine gesundheitlichen oder hygienischen Gründe dagegen sprechen. Bereits um sechs Uhr steht Thomas Darasz in der Küche und bereitet den Küchentag vor. „Damit’s schneller geht“, erklärt er. Denn natürlich steht auch er unter Zeitdruck. Mittags muss das Essen auf den Tischen stehen.
Je nach Fähigkeiten und Vorerfahrung bringen sich die Patienten ein. Nicht wenige machen eigene Vorschläge, die sich dann tatsächlich auf dem Speiseplan wiederfinden. „Das ist dann das Erfolgserlebnis“, berichtet Thomas Darasz, „denn die Patienten sollen nicht nur das Gefühl haben, hier gespült zu haben.“ Zum Beispiel Pizza. Der Koch bereitet ein Musterblech vor, nach dem die Patienten anschließend die anderen zubereiten. „Das macht sie stolz und so 'kriege' ich sie dann auch“, sagt Thomas Darasz. Er weiß zu gut, dass Küche und Kochen nicht jeder Manns Sache ist.
In den Wochen, in denen die Patienten in der Küche sind, müssen sie als Gruppe funktionieren. Auch ein wichtiges Therapieziel. Viele kennen das produktive Erlebnis Gruppe überhaupt nicht. Wolfgang Meyer, der an diesem Tag gemeinsam mit Thomas Darasz auf die Patienten der Sucht-und Psychose-Station wartet, bestätigt diese wertvolle Erfahrung. „Als Belastungserprobung ist das eine sehr gute Sache“, sagt der Bezugstherapeut. Hier bekomme man als Therapeut sehr viel über die Interaktion der Patienten mit. Und das, so Meyer, sei ein wichtiger Baustein in einer erfolgreichen Therapie von suchtkranken Männern.

Zur Person: Thomas Darasz (35) ist gelernter Küchenmeister und Diätkoch. Derzeit absolviert er eine Ausbildung zur geprüften Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung. Zwölf Jahre war Darasz in Laupheim, zuletzt Verpflegungsgruppenführer (Küchenleiter), bei der Bundeswehr, drei Monate davon bei einem Auslandseinsatz in Kroatien. Anschließend arbeitete der Vater zweier Kinder als Betriebsleiter zweier Bundeswehrküchen in Donauwörth/Dillingen. Bevor Thomas Darasz übrigens frühmorgens in der Küche steht, hat er bereits eine sportliche Einheit hinter sich: Er trainiert täglich im Fitnessraum der Klinik.

Harald Dubyk

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