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20.05.2011

Psychoedukationsgruppe hilft Patienten

Ringgenhof: Besonderes Therapieangebot bei Diagnose Sucht und Psychose


Die Psychoedukationsgruppe in der Fachklinik Ringgenhof steht grundsätzlich allen betreffenden Patienten offen.

Seit einiger Zeit gibt es eine Gruppe Psychoedukation für Psychosekranke in der Fachklinik Ringgenhof in Wilhelmsdorf. Sie ist fester Bestandteil der Therapie für Patienten mit Komorbidität Sucht / Psychose. Axel Plewe, Stationsarzt der DD-Station, und sein Kollege Dr. Pren Barlecaj, leiten diese Gruppe.

Diagnose Schizophrenie - was bedeutet das eigentlich für mich? Wie gestaltet sich die Behandlung, wie die Prognose der Erkrankung? Was sind mögliche Gründe für ihr Auftreten? Warum kommt sie gerade jetzt zum Ausbruch? Gibt es Zusammenhänge zu meiner Sucht? - Das sind nur einige der Fragen, die sich unsere Patienten mit Psychose-Erkrankung regelmäßig stellen, häufig bedrückt sie die zunächst bestehende Unsicherheit über die Natur ihrer psychischen Störung ganz erheblich und führt zu hohem Leidensdruck.

Bleibt dieser Zustand unverändert bestehen, so sind mangelnde Einsicht, resignative Grundeinstellung und schließlich fehlende Behandlungsmotivation die beinah unausweichlichen Folgen. Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelte sich in der Tradition einer aufgeklärten, humanen Psychiatrie bereits seit Längerem, verstärkt jedoch seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts das Bestreben, durch gezielte Aufklärung den Patienten selbst aktiv in die Psychose-Therapie einzubeziehen. Hierbei soll es vor allem darum gehen, ganz wesentlich das Vertrauen der Erkrankten in die eigenen Möglichkeiten bei der Mitwirkung an einer erfolgreichen Behandlung zu stärken. Besondere Bedeutung gewinnt nun in diesem Zusammenhang der Begriff der „Psychoedukation“, der im Wesentlichen nichts anderes meint als eben die „professionell angeleitete Durchführung von Patienten- und Angehörigengruppen zur Wissensvermittlung im Rahmen eines übergeordneten psychotherapeutischen Behandlungskonzeptes“ (Falloon).

In Deutschland verbinden sich die Bemühungen um Entwicklung und Einführung geeigneter Konzepte vor allem mit dem Namen des Münchner Psychiaters Dr. Josef Bäuml. Dieser hat nicht nur einen ausgezeichneten Patienten- und Angehörigen-Ratgeber zum Thema verfasst, sondern kann nunmehr auch Forschungsergebnisse präsentieren, die sich sehen lassen können: So zeigte sich in einer großen Psychoedukationsstudie, dass Patienten, die an Psychoedukativen Gruppen teilgenommen hatten, im Zeitraum von sieben Jahren nur 75 Tage, Patienten ohne Psychoedukation jedoch ganze 225 Tage erneut in einem Krankenhaus verbringen mussten. Resultate, die überzeugen und geeignet sind, alle zu motivieren, die mit der Behandlung von Psychosen befasst sind.

Die Psychoedukations-Gruppe auf dem Ringgenhof, die aus inhaltlichen und organisatorischen Gründen vornehmlich der Station für komorbide Patienten mit Doppeldiagnose Sucht/Psychose zugeordnet ist, steht selbstverständlich allen betreffenden Patienten des Hauses zur Verfügung. Auf der Grundlage auch eigener, ausgesprochen positiver Vorerfahrungen mit psychoedukativen Gruppen bestand schon länger die Absicht, ein entsprechendes Angebot in der Fachklinik Ringgenhof verlässlich zu installieren.

Axel Plewe, Stationsarzt DD-Station, Fachklinik Ringgenhof

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