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07.12.2010

Arbeitstherapie im Wandel der Zeit

Marion Oppold blickt zurück - aber auch nach vorne


Die Arbeitstherapie habe sich in den zurückliegenden zehn Jahren sehr verändert. "Heute", sagt Arbeitstherapeutin Marion Oppold, "steht die berufliche Wiedereingliederung im Vordergrund."

Zehn Jahre Höchsten – Marion Oppold blickt zurück auf eine spannende wie herausfordernde Zeit. Ein nächster Höhepunkt steht für die Arbeitstherapeutin und ihre Kollegen der Fachklinik Höchsten bereits vor der Türe: nach dem Umzug das Ankommen in der neuen Klinik in Bad Saulgau. Marion Oppold freut sich darauf – und auf die großen Fenster in ihrem zukünftigen Arbeitsraum. Die Sonne scheint in das Büro von Marion Oppold. Es ist einer dieser Tage, an dem sich der 830 Meter hohe Höchsten von seiner charmanten wie unvergesslichen Seite präsentiert. Unten im Tal hängt der Nebel fest, hoch oben auf dem Höchsten verwöhnt schönstes Herbstwetter die Seele. „Die Aussicht“, erzählt Marion Oppold, „werde ich sicher vermissen.“ Zehn Jahre fuhr sie unten vom Tal hoch zu ihrem Arbeitsplatz in der Fachklinik Höchsten, wo Jahr für Jahr rund 350 Frauen mit Abhängigkeitserkrankungen eine medizinische Rehabilitation durchlaufen. Ihr Aufgabengebiet ist die Arbeitstherapie. Noch genauer: die Batik und die Buchbinderei in der Klinik. Hier werden Fotobücher, Tagebücher oder Bilder hergestellt.

Bis zu zwanzig Frauen kommen täglich zu ihr. Morgens um acht stehen bereits die ersten vor der Türe. Nachdem Marion Oppold schon alles für den Tag vorbereitet hat, machen sich die Patientinnen unter ihrer Anleitung an die Arbeit. Ihre Gruppe ist eine halboffene, das heißt, Patientinnen kommen, andere verlassen die Gruppe nach Therapieende. Für sie immer wieder eine Herausforderung, neue Charaktere in die Gruppe zu integrieren.

Die Arbeitstherapie in der Suchtrehabilitation hat sich in den vergangenen zehn Jahren sehr verändert. „Die berufliche Wiedereingliederung steht im Vordergrund“, berichtet sie. Hier lege der Kostenträger, die Deutsche Rentenversicherung, zunehmend Wert darauf. Zwei Schlagworte, die ihre Arbeit prägen: Leistungsfähigkeit und Belastungsfähigkeit. Hinzu kommen verstärkt externe Praktika. Heute müssten die Patientinnen schon vier Stunden am Stück, unter realer Belastung, arbeiten.

Auch das Berichtswesen, erzählt Marion Oppold, habe sich verändert und immer mehr professionalisiert. Parallel haben sich die Therapiezeiten kontinuierlich verkürzt (aktuell bei Alkoholpatientinnen von 16 auf 15 Wochen) und die Gruppen vergrößert (bei Marion Oppold von 16 auf 20 Patientinnen). „Heute“, betont sie, “müssen wir noch genauer hinschauen, wo die Probleme liegen.“ Zeit wurde zum knappen Gut, auch in der Reha. Die Patientinnen seien zudem inzwischen kränker. Das heißt, Sekundärdiagnosen wie körperliche und seelische Einschränkungen nehmen zu.

Bei allen Veränderungen sieht Marion Oppold aber auch die Erfolge ihrer Arbeit. „Wenn eine Patientin, die zu Beginn ihrer Reha ein extrem geringes Selbstvertrauen hatte, nach Wochen der Therapie zu mir kommt und sagt, ich bin trotzdem was wert, dann freut mich das sehr“, sagt sie. Einen Erfolgsindikator ihrer Arbeit hat die Arbeitstherapeutin in ihrer Wertschätzung gegenüber den Patientinnen ausgemacht. Eine herausfordernde Arbeit.

Nach zehn Jahren hat Marion Oppold Strategien der Erholung und Abgrenzung zu ihrer Tätigkeit gefunden. Zuerst ein Ritual: Sie dreht das Schild an ihrer Türe um, dies signalisiere das Arbeitsende. Zuhause dann werde noch maximal eine halbe Stunde über Arbeit geredet und „dann ist es gut“. Und wenn sie im Chor singt oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, tritt die Arbeit endgültig in den Hintergrund.

Harald Dubyk

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