16.12.2011 - Ulm
Vom Exzess auf die Laufstrecke
Ehemailiger Patient der Tagesreha Ulm läuft die Marathon-Distanz

Nachdem er fast 50 Kilogramm an Gewicht abnahm, ist Kurt Köhler (57) im September den Ulmer Einstein-Marathon in 5 Stunden und 26 Sekunden gelaufen.
Sport hatte Kurt Köhler immer schon betrieben. Früher waren das Sportschießen und Bodybuilding. Nach der Reha begann er mit dem Laufen. Die ersten Schritte führten ihn an der Donau entlang. 6,2 Kilometer lang war seine erste Trainingsstrecke. „Ich dachte, ich überlebe es nicht", erinnert er sich. Zu Beginn hatte er 1,5 Stunden für diese Strecke benötigt. Heute schafft er sie in 35 Minuten. Das Training und sein neues Lebensgefühl bildeten sich bald in seinem körperlichen Erscheinungsbild ab. Kurt Köhler verlor 48 Kilogramm an Gewicht. Sein Umfeld staunte nicht schlecht. Und der erste große Meilenstein sollte bald folgen: 30 Kilometer am Stück laufen. Das Ziel, die Marathon-Distanz von 42,195 Kilometern zu schaffen, rückte in greifbare Nähe.
Am 6. Mai startete Kurt Köhler das erste Mal bei einem Lauf. Den Ulmer Stadtlauf absolvierte er erfolgreich, obgleich er sich gleich zu Beginn den Mittelfuß brach. Er trainierte weiter. Mit dem gebrochenen Mittelfuß bestritt er vier Monate später den Einstein-Marathon in Ulm. Den viel zitierten, imaginären Mann mit dem Hammer, der schon so manchen Läufer bei Kilometer 30 und mehr aus dem Rennen warf, hatte er nicht gesehen. Kurt Köhler lief sich in ein so genanntes „Runners high".
Neue Ziele hat er sich bereits gesetzt. Am 6. Juni ist Ulmer Laufnacht. 100 Kilometer stehen auf dem Programm. Inzwischen trainiert er dreimal die Woche, 15 bis 20 Kilometer, immer an der Donau entlang. Heute weiß Kurt Köhler, dass das Laufen für ihn eine Suchtverlagerung ist.
Auch sonst hat sich in Kurt Köhlers Leben einiges verändert. Beim ehemaligen Fußball-Bundesligisten und heutigen Oberligisten SSV Ulm 1846 arbeitet er in der Geschäftsstelle. Zudem ist er Stadionverantwortlicher und damit bei Fußballspielen für die Sicherheit im Donaustadion verantwortlich. Daneben liest er viel und entdeckt Ulm als Stadt erstmals. Auch ein Ergebnis seiner Reha. Heute verspürt Kurt Köhler keine Sehnsucht mehr nach Alkohol und spricht von zufriedener Abstinenz. Eines ist für ihn dabei besonders wichtig: „Dass ich nicht mehr ausschaue wie ein Monster und nicht mehr besoffen umher wanke."
Harald Dubyk

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