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13.01.2011

Hoffnungsträger für suchtkranke Menschen

Johann Doblinger ist tot


Johann Doblinger während eines Besuchs im November 2009 bei Maria Keller, Sekretärin der Geschäftsführung der Suchthilfe.

Johann Doblinger ist tot. Er starb am 10. Januar 2011 im Alter von 76 Jahren in Esenhausen, Landkreis Ravensburg. Mit Johann Doblinger verliert die ehrenamtliche Suchtarbeit in Baden-Württemberg einen ihrer herausragenden Mitstreiter. 2008 erhielt er für seine Verdienste das Bundesverdienstkreuz. Ein Nachruf.
Der Tod von Johann Doblinger hinterlässt eine große Lücke. Nicht nur in seiner Familie und bei Freunden. Über vier Jahrzehnte engagierte sich Johann Doblinger für suchtkranke Menschen. Er war einer der Wegbereiter in der ehrenamtlichen Suchtarbeit. 1967 gründete er in Esslingen eine Selbsthilfegruppe, den ersten Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe. Weitere folgten. So rief er 1977 den Freundeskreis in Wilhelmsdorf ins Leben. Darüber hinaus engagierte er sich über viele Jahre auf der Landesebene der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe.

2008, als Johann Doblinger für seinen unermüdlichen Einsatz für suchtkranke Menschen von der baden-württembergischen Sozialministerin Dr. Monika Stolz das Bundesverdienstkreuz überreicht bekam, nannte ihn die Vorsitzende des württembergischen Landesverbandes der Freundeskreise, Hildegrad Arnold, eine „Erfolgsstory“, die für viele Menschen eine Hoffnungsgeschichte sein möge.

Johann Doblinger trat am 19.12. 1966 seine Therapie im Fachkrankenhaus Ringgenhof, einer Rehabilitationsklinik für suchtkranke Männer der Suchthilfe der Zieglerschen, an. Seine angegriffene Gesundheit nach Jahren des Trinkens, aber auch der Druck seiner Familie und des Arbeitgebers, bewogen ihn, diesen schweren Schritt zu gehen. Für ihn war es letztendlich ein Schritt in ein neues Leben mit Zukunft. Zehn Jahre später, am 1. Januar 1977, begann Johann Doblinger seinen Dienst als Aufnahmetherapeut im Fachkrankenhaus Ringgenhof. Damit schloss sich für ihn der Kreis. 1998 ging er in den Ruhestand. Im Förderkreis der Suchtkrankenhilfe war er weiterhin tätig. 18 Jahre lang arbeitete er in der Redaktion des „Ringboten“ mit, der viermal im Jahr erscheinenden Zeitschrift der Suchthilfe der Zieglerschen und des Förderkreises der Suchtkrankenhilfe.

Fritz Rollbühler, langjähriger Leiter der Diakonischen Beratungsstelle in Stuttgart, schrieb vor einigen Jahren über Johann Doblinger: „Der fast leidenschaftliche Einsatz für Suchtkranke und ihre Angehörige nötigte mir bei Johann Doblinger höchsten Respekt und Bewunderung ab. Er hat seine persönliche Erfahrung als Suchtkranker in beispielhafter Weise zum Anlass genommen, zu einem segensreichen Helfer für andere zu werden.“

Harald Dubyk

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