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20.05.2011 - Wilhelmsdorf

„Jetzt können wir uns ausprobieren.“

Franz Mayer ist seit 2003 Vorsitzender des Förderkreises


„Das ist jede Menge Arbeit, die wir aber auch gerne tun“, sagt Franz Mayer, der Vorsitzende des Förderkreises.

In fünf Jahrzehnten hat sich die Arbeit des Förderkreises der Suchtkrankenhilfe stetig weiter entwickelt. Franz Mayer leitet seit 2003 den Förderkreis mit einem Team von Ehrenamtlichen. Mit ihm und über den Förderkreis hat sich Harald Dubyk unterhalten.

Herr Mayer, seit den 60er Jahren unterstützt der Förderkreis der Suchtkrankenhilfe die Arbeit mit suchtkranken Menschen. Welche Bedeutung hat der Förderkreis für Sie als langjähriger Vorsitzender und ehemaliger Patient der Fachklinik Ringgenhof?
Franz Mayer (überlegt): Im Grund genommen ist der Förderkreis ein Teil der Nachsorge. Er stellt die Verbindung zur behandelnden Klinik her, bietet Solidarität. Die Fachliche Geschäftsführerin der Suchthilfe der Zieglerschen, Dr. Ursula Fennen, hat vor Kurzem gesagt: „Ohne den Förderkreis würde ein wesentlicher Teil der Nachsorge fehlen.“

Was zeichnet den Förderkreis aus?
Franz Mayer: Er ist einmalig in Deutschland! Und er besteht seit über 48 Jahren. In dieser Zeit haben wir rund 3 Millionen Euro an Spenden gesammelt. Hier drückt sich die tiefe Verbundenheit und Solidarität vieler ehemaliger Patientinnen und Patienten mit dem Ort und den Menschen, an dem und durch die sie ihrem Leben eine Wende geben konnten, aus. Der Förderkreis hat über 4000 Mitglieder, Freunde und Förderer. Diese Zahlen sprechen für sich.

Der Förderkreis ist aus der Patientenschaft der traditionellen Kliniken Ringgenhof und Höchsten entstanden. Die Suchthilfe der Zieglerschen hat inzwischen fünf Standorte. Wie unterstützt der Förderkreis die Arbeit der neueren Häuser?
Franz Mayer: Es war von Anfang an klar, dass wir alle Kliniken in ihrer Arbeit unterstützen. Leider haben wir keinen einzigen Patienten aus dem Rehabilitationszentrum am Bussen für unsere Arbeit gewinnen können. Aus den Tagesrehabilitationen jedoch schon. Aber wir üben gegenüber dieser Klinik und ihren Patienten natürlich Solidarität. Dafür werben wir auch in unserer Broschüre. Im Übrigen haben wir in den vergangenen Jahren eine intensive Mitgliederbewerbung durchgeführt. Und wir schreiben jedes Mitglied persönlich an. So halten wir unsere Mitglieder bei der Stange.

Seit 48 Jahren arbeitet der Förderkreis. Wie hat sich die Mitgliederstruktur in diesen fast fünf Jahrzehnten entwickelt?
Franz Mayer: Die meisten Mitglieder haben wir in den 70er und 80er Jahren gewonnen. Früher war die Therapiezeit erheblich länger. Entsprechend größer war auch die Identifikation mit der Klinik und dadurch mit dem Therapieort. Wenn diese Mitglieder altersbedingt wegbrechen, haben wir natürlich ein großes Problem. In 2010 konnten wir über 70 neue Mitglieder gewinnen. Es wird also erheblich schwieriger, Patienten für unsere Arbeit zu begeistern.

Der Vorsitz und damit das Führen des Förderkreises ist ein Ehrenamt. Sie haben einmal gesagt, man müsse schon Rentner sein, um diese Zeit aufbringen zu können.
Franz Mayer: In der Tat. Es ist ein enormer Aufwand, den Verein zu leiten. Und wir als Vorstand müssen heute deutlich mehr unternehmen, um den Verein am Laufen zu halten. Wir haben inzwischen auf dem Gelände der Fachklinik Ringgenhof eine eigene Geschäftsstelle, werben mit einem Internetauftritt für unsere Arbeit, schreiben auf eigenem Briefpapier und geben uns demnächst eine neue Satzung als eingetragener Verein. Ich sitze bis zu 60 Stunden im Monat im Büro. Als Förderkreis sind wir zudem in viele Projekte eingebunden, wie zum Beispiel Kapellenbau in Bad Saulgau, Newsletter oder die Betreuung und Nutzung der Kapellen auf dem Höchsten. Und wir stellen in allen Kliniken bis zu viermal im Jahr die Arbeit des Förderkreises vor. Das ist jede Menge Arbeit, die wir aber auch gerne tun!

Harald Dubyk

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