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31.05.2011

Pädagoge Koller: Ein Fest des Lebens

Regionales Suchthilfenetzwerk Bodensee-Oberschwaben feiert Fünfjähriges


Sozialdezernentin Diana E. Raedler, Sozialdezernentin des Landkreises Ravensburg, begrüßte die Gäste zur Feier anlässlich des fünfjährigen Bestehens des regionalen Suchthilfenetzwerks Bodensee-Oberschwaben.

Im Frühjahr 2006 ist das regionale Suchthilfenetzwerk Bodensee-Oberschwaben gegründet worden. Nun wurde dessen fünfter Geburtstag gefeiert. In den Ravensburger Schwörsaal luden die Mitglieder des Suchthilfenetzwerks zum Fünfjährigen und präsentierten einen „Leckerbissen“: einen Vortrag mit Gerald Koller, österreichischer Pädagoge, zum Thema „Feiern – aber richtig! Was ist gute Festkultur?“ Rund 120 Gäste kamen an diesem Abend in den Schwörsaal nach Ravensburg. Fachleute, aber auch Interessierte, die sich über das regionale Suchthilfenetzwerk Bodensee-Oberschwaben informieren wollten, an dem auch die Suchthilfe der Zieglerschen beteiligt ist. Sie wollten aber auch den Vortrag von Gerald Koller hören, welche Gedanken über das Feiern von Festen vorstellen würde. Begrüßt wurde er von den beiden Sozialdezernenten der Landkreise Ravensburg und Bodenseekreis, Diana E. Raedler und Andreas Köster.

Gerald Koller nahm im Anschluss seine Zuhörerschaft auf eine Reise in die Festkultur mit. Das Festefeiern sei janusköpfig, sagte der 53-Jährige. Feste seien stets Höhepunkte des Lebens. Damit dies auch so bleibe, müssen wir, trug Koller vor, „unsere Jugendlichen zu einer Festkultur begleiten“. Diese Festkultur weise vier Richtungen auf: Vielfalt, Rhythmus, ein Gefühl des Miteinanders und zuletzt einen Bezug zum Alltag. Vor allem der Alltag sei häufig ein Spiegelbild der Festkultur. Gerald Koller: „Wenn unser Alltag beschissen ist, wie sieht dann unsere Festkultur aus? Feste sind keine Flucht!“

Das zum Festen auch der Exzess gehöre, sei normal. Aber natürlich nicht nur. Koller spricht sich gegen eine Bewahrungspädagogik aus und plädiert für eine Pädagogik des Bewährens. Die Jugendlichen müssten sich ausprobieren, gleichgültig dürften die Erwachsenen aber keineswegs sein. Wegschauen geht nicht! Eltern müssten sich für die Bedürfnisse und den Alltag ihrer Kinder interessieren, sie begleiten, ganz im Sinne einer Bewährung für das Leben. Dann würden Jugendliche, ebenso später im Erwachsenenalter, eine Vielfalt des Festens und Ausspannens erlernen.

Gerald Koller beschrieb in seinem Vortrag die zunehmende Schnelligkeit des Lebens. Die Welt von heute, so sagen nationalökonomische Studien, sei heute 35 Mal schneller als noch zu Beginn der 60er Jahre. Dies wirke sich auch auf das Feiern von Festen aus. „Je schneller das Leben, je mehr Reize, umso mehr trinken die Leute“, betonte Koller. Sein Credo: Feste sind mehr als reiner Konsum! Schon die Einladung zu einem Fest spiegle die Kultur wieder. So könnten sich die Gäste zum Beispiel bei der Vorbereitung des Festes mit einbringen. So könne, sagte Gerald Koller, ein Fest des Lebens entstehen. Die Zuhörer dankten es ihm an diesem Abend mit langem Applaus.

Harald Dubyk

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