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28.11.2011 - Bad Saulgau

Ein Jahr Fachklinik Höchsten in Bad Saulgau

Alltagsnähe der Klinik kommt bei Patientinnen gut an


"Es hat sich bestätigt, hier in Bad Saulgau willkommen zu sein", sagt Dietmar Huland, Therapeutischer Leiter der Fachklinik Höchsten.

Am 27. November 2010 war es soweit. Nach fast zweijähriger Bauzeit bezogen die damaligen Patientinnen die neue Fachklinik Höchsten in Bad Saulgau. Ein Jahr ist seitdem vergangen. Die Rehaklinik für suchtkranke Frauen der Suchthilfe der Zieglerschen ist am neuen Standort gut angekommen. „Bad Saulgau war eine gute Entscheidung", sagt Dietmar Huland, Therapeutischer Leiter und mit seiner ärztlichen Kollegin Veronika Holdau verantwortlich für die Fachklinik Höchsten. Während Huland den alten Höchsten im Deggenhausertal noch gut kannte, begann seine Kollegin bereits am neuen Standort. Er musste loslassen, und er konnte gut loslassen und das Neue annehmen. „Es hat sich bestätigt, hier in Bad Saulgau willkommen zu sein", freut er sich heute. Viele Kontakte in und zur Stadt sowie ein hohes Maß an Vernetzung zu benachbarten Kliniken und anderen Institutionen und Betrieben belegen dies.

Die anfängliche Unsicherheit der Bad Saulgauer Bevölkerung war rasch gewichen. Hierzu trug auch der Tag der offenen Türe eine Woche vor dem Umzug bei. Das Interesse war enorm. Wer kommt da in die beschauliche Kurstadt? Und was heißt das: medizinische Rehabilitation für suchtkranke Frauen? Rund 4000 Besucher informierten sich damals und gewannen einen Einblick von Gebäude, Arbeit und den Zieglerschen als traditionsreichen Träger vieler Angebote im Sozial- und Gesundheitswesen. Der Besuch des damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus zur Einweihung im Februar dokumentierte die Bedeutung der Fachklinik Höchsten auch für die politische Elite im Land. „Die neue und moderne Fachklinik ist eine Aufwertung für das Kur- und Gesundheitswesen in Bad Saulgau sowie gleichzeitig eine Stärkung und ein wertvolles Aushängeschild der medizinischen und suchttherapeutischen Versorgung in Baden-Württemberg", lobte Mappus damals.

Über 80 Patientinnen werden hier behandelt. Ihre Süchte sind vielseitig: Alkohol, Drogen, Medikamente, aber auch Essstörungen und psychische Beeinträchtigungen. Seit dem Umzug vor einem Jahr haben bereits über 300 ihre Reha in Bad Saulgau begonnen, ebenso so viele haben sie hier auch erfolgreich beendet. Sie kommen aus ganz Deutschland. In den regelmäßig durchgeführten Patientenbefragungen als Teil des internen Qualitätsmanagementsystems wird vor allem die Alltagsnähe der Klinik lobend erwähnt. Die Fachklinik Höchsten liegt im Kurgebiet in unmittelbarer Nähe zur Stadt. Dies war über fünf Jahrzehnte auf dem 830 Meter hohen Höchsten über dem Deggenhausertal anders: Die nächste Stadt war weit und die Winter lang, der öffentliche Personennahverkehr ländlich rudimentär und somit auch die Anbindung an externe Praktikumsbetriebe während der Reha suboptimal. Neben dem alten und neuen Kliniknamen erinnert auch ein großes Panoramabild vom Höchsten im Speisesaal der Patientinnen an die Zeit vor 2010. Und so grüßt täglich der alte Höchsten die Patientinnen von heute, die diesen Ort und diese Zeit nur noch aus Erzählungen kennen.

Aber auch die Unterbringung in der Klinik, die durch moderne Einzelzimmer mit eigener Nasszelle und einer ansprechenden, modernen Architektur überzeugt, trägt nach Auskunft der Patientinnen sehr zur Wohlfühl-Atmosphäre bei. Nicht unerheblich für den Reha-Erfolg. In der alten Klinik waren Mehrbettzimmer und Etagenduschen die Regel - ein Zustand, der sich heute in der Reha kaum vertreten lässt und von Patienten und Kostenträgern nicht mehr akzeptiert wird.

Rund 70 Arbeitsplätze bietet die Fachklinik Höchsten. Damit trägt die Klinik mit dazu bei, dass Bad Saulgau für hoch qualifizierte Fachkräfte im Gesundheitswesen ein attraktiver Arbeits- und Lebensort mitten im ländlich geprägten Oberschwaben bleibt. Dass dies die Zieglerschen auch so sehen, beweist deren Behindertenhilfe, die demnächst mit Angeboten und Arbeitsplätzen in Bad Saulgau ankommt. Für die Zieglerschen ist Bad Saulgau wahrlich ein Ort zum Wohlfühlen.

Harald Dubyk

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