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06.10.2011 - Ulm

Suchtexperten erläutern das Familienproblem Alkohol

Die Tagesrehabilitation Ulm lud zum diesjährigen Beratungsstellentag ein


Dr. Annett Höse, ärztlich-therapeutische Leiterin der Tagesrehabilitation Ulm, begrüßte über 60 Gäste beim diesjährigen Beratungsstellentag.

Rund 60 Teilnehmer zählte der diesjährige Beratungsstellentag der Tagesrehabilitation Ulm. Das Thema „Familienproblem Alkohol“ lockte viele Vertreter von Suchtberatungsstellen, Personalverantwortliche und betriebliche Suchthelfer von Unternehmen aus der Region Ulm/Alb-Donau in die Wilhelmstraße 22. Je nach Erhebung gibt es in Deutschland bis zu 3,5 Millionen alkoholabhängige Menschen. Dazu kommen noch diejenigen, die in problematischer Weise trinken und somit als hochgefährdet zu betrachten sind. Und wenn man noch die Menschen hinzu zählt, die als Angehörige von einer Alkoholabhängigkeit betroffen sind – im Schnitt sind das drei Personen - so ergibt sich eine stattliche Zahl von mindestens zwölf Millionen Menschen, die direkt oder mittelbar mit Alkoholismus konfrontiert sind.

„Neben unseren Erfahrungen im praktischen Suchttherapiealltag waren es solche Zahlen, die uns dazu bewogen haben, den diesjährigen Beratungsstellentag unter das Motto „Familienproblem Alkohol“ zu stellen“, sagte Dr. Annett Höse, die ärztlich-therapeutische Leiterin der Tagesrehabilitation Ulm, eine Rheaeinrichtung der Suchthilfe der Zieglerschen mit Sitz in Wilhelmsdorf (Landkreis Ravensburg). Hier werden bis zu 24 Frauen und Männer mit einer Suchterkrankung ganztägig-ambulant behandelt. Das heißt, die Patienten kommen morgens und gehen abends wieder nach Hause, sechs Mal die Woche, in der Regel über einen Behandlungszeitraum von zwölf Wochen.

Alkohol und Familie, die Auswirkung von Sucht auf Angehörige – diesen Zusammenhang erläuterten die Suchtexperten ihren Zuhörern. Dr. Ursula Fennen, Fachliche Geschäftsführerin der Suchthilfe der Zieglerschen, stellte biografische Wiederholungsmuster in der Partnerwahl und damit das Wesen der so genannten Co-Abhängigkeit vor. „Ich gerate immer an den Falschen“ lautete der Titel ihres Vortrags. Doris Knak, Diplom-Psychologin und Bezugstherapeutin in der Tagesrehabilitation Ulm, durchleuchtete das Familienproblem Alkohol unter dem Aspekt einer ansteckenden Krankheit. Ist das so? Zumindest bringt die Sucht eines Menschen seine Angehörigen und Kinder stark unter Druck, beeinflusst deren Leben in erheblicher Weise und steckt diese im übertragenen Sinne mit seiner Sucht an. Vertreter der Psychosozialen Beratungsstelle der Caritas und Diakonie, die ebenfalls in der Wilhelmstraße 22 ihren Sitz hat und eng mit der Tagesrehabilitation zusammenarbeitet, stellten ihren Beratungsalltag. Sie präsentierten ihre Präventionsangebote für Familien und vor allem für Kinder. Die anschließende Diskussion unter den Teilnehmern verdeutlichte die Betroffenheit und damit den Zugang zum Thema „Familienproblem Alkohol“.

Harald Dubyk

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