Titelbild

10.10.2011

Der Letzte seiner Art

Benny Riegger war der letzte Zivi in der Suchthilfe der Zieglerschen


Benny Riegger hinter dem Steuer. Am 31. August verließ er als letzter Zivi der Suchthilfe der Zieglerschen den Ringgenhof. Mit ihm endete eine Ära.

Am 31. August 2011 ging in der Suchthilfe der Zieglerschen eine Ära zu Ende. An diesem Tag verließ Benny Riegger seinen Arbeitsplatz in der Fachklinik Ringgenhof. Der 21-Jährige war der letzte Zivi in der Suchthilfe. Nach dem Aus für den Zivildienst in Deutschland werden in Zukunft nur noch so genannte „Bufdis“ ihren Bundesfreiwilligendienst versehen. Am 1. September fing bereits der erste Bufdi in der Suchthilfe seinen Dienst an. Für Benny Riegger war es eine lehrreiche Zeit. „Ich habe hier viel gelernt. Auch über die Patienten und deren Sucht“, erzählt der junge Mann. Der Zivildienst habe ihn auf jeden Fall weiter gebracht. Eigentlich findet er es schade, dass der Zivildienst in Deutschland nun Geschichte sei. „Wäre es freiwillig gewesen, hätte ich diesen Dienst vermutlich nicht absolviert“, sagt er. Der 21-Jährige ist noch nicht recht davon überzeugt, dass sich der Bundesfreiwilligendienst etabliert. Obgleich die ersten Budfis bereits in den Zieglerschen angekommen sind.

Als Benny Riegger den Wehrdienst verweigerte, mussten die Zivis noch für neun Monate einrücken, das Ende des Zivildienstes war noch nicht in Sicht. Dann ging bekanntlich alles sehr schnell. Als er am 1. August 2010 seinen Dienst antrat, war die Dienstdauer bereits auf sechs Monate verkürzt. Benny Riegger verlängerte seinen Zivildienst um ein weiteres halbes Jahr, den letzten Monat war er als Angestellter für die Suchthilfe tätig. Kurz darauf folgte das Ende für den Zivildienst. Seit Oktober 2010 wurden Zivis nur noch auf eigenen Wunsch einberufen, das vormalige Bundesamt für Zivildienst wandelte sich zum Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

Der gebürtige Riedhauser war in seiner Zeit auf dem Ringgenhof für den Fahrdienst zuständig, erfasste statistische Daten für die Klinik, legte Patientenakten an und half in der Hausmeisterei aus. Auf den Ringgenhof aufmerksam wurde er bereits zu Schulzeiten. Immer wieder sah er die Männer von der Klinik die Riedhauser Straße entlang nach Wilhelmsdorf laufen. In der Klinikverwaltung fragte er dann an, ob er hier seinen Zivildienst antreten könne. Benny Riegger und der Ringgenhof wurden sich rasch handelseinig. Seine fast schon historische Zeit als letzter Zivi in der Suchthilfe der Zieglerschen konnte beginnen.

Zu den Patienten hatte er meistens einen guten Draht. Aber auch Lehrgeld musste er bezahlen. So war einmal ein Patient, den er in Ravensburg abholen musste, verschwunden. Er wurde dabei rückfällig. „Das hätte ich jetzt nicht erwartet. Ich dachte, ich hätte zu ihm einen guten Draht gehabt“, erinnert er sich ein wenig enttäuscht. Die positiven Erfahrungen überwiegen jedoch. Im Oktober beginnt Benny Riegger, der im Studienkolleg St. Johann in Blönried (Landkreis Ravensburg) sein Abitur machte, an der Hochschule Ravensburg-Weingarten sein Studium der Angewandten Informatik. Was danach kommt, weiß er noch nicht. Aber an seine Zeit auf dem Rinngenhof wird er noch lange zurückdenken, sagt er.

Harald Dubyk

Zurück