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23.09.2011

Arnold Stadler unterstützt Kapellenprojekt

Büchnerpreis-Träger liest am 24. September in Wilhelsmdorf


Arnold Stadler, aus Rast bei Meßkirch stammender Schriftsteller, liest am 24. September in der Kirche am Weg in Wilhelmsdorf zu Gunsten der Kapelle am Siebenkreuzerweg in Bad Saulgau.

Die Liste liest sich beeindruckend. Arnold Stadler hat in seinem bisherigen Leben als Schriftsteller viele namhafte Literaturpreise erhalten. Zuletzt den Johann-Peter-Hebel-Preis oder, bereits 1999, den Georg-Büchner-Preis. Der gebürtige Meßkircher liest am 24. September in der Kirche am Weg in Wilhelmsdorf zu Gunsten der Kapelle am Siebenkreuzerweg in Bad Saulgau, welche die Suchthilfe der Zieglerschen im Zuge des Neubaus ihrer Fachklinik Höchsten bauen. Beginn ist um 19 Uhr. Arnold Stadler lebt und arbeitet viele Wochen im Jahr in Berlin oder im niedersächsischen Wendland. Sein schwäbisches Idiom jedoch verrät eine tiefe Beziehung zu seiner Heimat. Seit seiner Jugend bewohnt der 57-Jährige ein eigenes Haus in dem Örtchen Rast bei Sauldorf im Landkreis Sigmaringen. Auch hier ist er literarisch tätig, denn schreiben, sagt er, könne man überall. Ein Gespräch mit ihm über sein Schaffen führt immer wieder auf die schwäbische Scholle. „Südschwäbisch“ nennt er diesen Landstrich, in dem er aufwuchs und immer noch gerne lebt. Scheinbar geografische Begriffe wie „badisch“ oder „württembergisch“ seien politischer Natur. Allenfalls sei er ein badischer Schwabe. Der Schwabe, der muss schon sein.

Am 11. September 2001 war Arnold Stadler zu einer Lesung am Comer See unterwegs. Dort erfuhr er von den Anschlägen auf das World-Trade-Center in New York und sah dort im Fernsehen zum ersten Mal die Bilder von den brennenden und dann einstürzenden Zwillingstürmen. In der Zeit nach den Terroranschlägen begann Stadler Texte aus dem Alten und Neuen Testament, dem Koran und aus der Literatur zu lesen. Diese fasste er in einem Buch zusammen, das den Titel „Tohuwabohu“ trägt. Darin findet der Leser Heiliges und Profanes, gelesen und wieder gelesen von Arnold Stadler nach dem 11. September 2001 und darüber hinaus. Jetzt, da sich die Tragödie von Ground Zero zum zehnten Mal jährt, liest Arnold Stadler wieder in und aus diesem Buch.

So auch am 24. September in der Kirche am Weg in der Fachklinik Ringgenhof in Wilhelmsdorf, anlässlich einer Benefizveranstaltung für die Kapelle am Siebenkreuzerweg in Bad Saulgau, deren Bau ausschließlich mit Spenden finanziert wird. Darüber hinaus liest er an diesem Abend aus „Einmal auf der Welt. Und dann so“, eine überarbeitete Trilogie seiner Romane „Ich war einmal“, „Feuerland“ und „Mein Hund, meine Sau, mein Leben“.

Die Welt war vor zehn Jahren sehr in Unordnung. Das ist sie heute wohl auch noch, und eigentlich war sie es schon immer. „Ein Blick auf die heilige Schrift zeigt, dass es schon von Anfang an rauh herging auf dieser Welt, die doch die einzige ist“, schreibt Arnold Stadler. Tohuwabohu eben, wüst und wirr, größtmögliche Unordnung. Auch unter den abhängigkeitskranken Patientinnen der Fachklinik Höchsten in Bad Saulgau, die seit dem vergangenen Jahr an ihrem neuen Wirkungsort von der Suchthilfe der Zieglerschen betrieben und in deren unmittelbarer Nachbarschaft die Kapelle am Siebenkreuzerweg errichtet wird, war und ist vieles in Unordnung geraten. In der Kapelle sollen die Patientinnen zur Ruhe kommen, zu sich finden und wieder Ordnung in ihr durch die Sucht außer Kontrolle geratenes Leben bringen.

Warum liest er nun für die Kapelle und die Frauen, die diesen Ort aufsuchen? „Ich habe alleweil mit den Leut’ zu tun“, sagt Arnold Stadler. Als Schriftsteller beschäftige er sich häufig mit Randgruppen und deren „Unglücksgeschichten“. In Wilhelmsdorf habe er schon vor vielen Jahren einmal gelesen, insofern seien ihm auch die Zieglerschen und deren Arbeit ein Begriff. Arnold Stadlers Werke sind häufig autobiografisch geprägt und thematisieren das Leben seiner südschwäbischen Heimat. Eine Heimat, die er keineswegs als Provinz versteht. „Für mich“, sagt er, „ist Welt überall.“ Auch in Rast bei Meßkirch und auch am Abend des 24. September in der Kirche am Weg in Wilhelmsdorf.

Info: Arnold Stadler liest zu Gunsten der Kapelle am Siebenkreuzerweg am 24. September in der Kirche am Weg in Wilhelmsdorf (Fachklinik Ringgenhof). Beginn ist um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Um Spenden für die Kapelle wird gebeten.

Harald Dubyk

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