Titelbild

16.12.2011

Alternative Rückfallbehandlung

Drogenabteilung der Fachklinik Ringgenhof ging neue Wege


Dies ist eine der Skulpturen, die bei der Rückfallbehandlung von Patienten geschaffen wurde.

Rückfälle gehören zu einer Suchterkrankung und kommen während einer medizinischen Rehabilitation als System der Erkrankung immer wieder vor. Die Drogenabteilung der Fachklinik Ringgenhof in Wilhelmsdorf hat einen Rückfall mehrerer Patienten zum Anlass genommen, diesen in einem zweiwöchigen gruppentherapeutischen Prozess aufzuarbeiten. „Wir sind dabei einmal neue Wege gegangen", sagt Teamleiter Uli Nollenberger. Am Anfang stand ein Rückfall mit Spice. Mehrere Patienten der Drogenabteilung Riedweiler in der Fachklinik Ringgenhof konsumierten diese aus synthetischen Cannabinoiden und getrockneten Pflanzenteilen bestehende Droge. Andere Patienten, die nicht mitmachten, deckten den Rückfall. Bis auf wenige waren die meisten Patienten in den Rückfall verwickelt, das therapeutische Klima war angespannt. Für Uli Nollenberger und sein Team stellte sich rasch die Frage: „Was gewinnt? Die guten Kräfte oder die Delinquenz?"

In den Kliniken der Suchthilfe der Zieglerschen wird ausschließlich abstinenzorientiert gearbeitet, ein Rückfall kann je nach Schwere zum Ausschluss von der Rehabilitation führen. Das normale Rückfallprogramm der Klinik schien in diesem umfangreichen Fall nicht geeignet; und so ging das Team alternative Wege. Alle 26 Patienten kamen in eine Rückfallbehandlung, das reguläre Rückfallprogramm wurde für dieses Mal ausgesetzt.

In sechs themenzentrierten Großgruppensitzungen wurden die Rückfälle und deren Verschweigen in der Gruppe aufgearbeitet. „Wir haben die Patienten aufgefordert, in verschiedene Rollen zu schlüpfen", berichtet Uli Nollenberger - in die eines Therapeuten, eines Patienten und in die eines Beobachters. Die Sitzungen wurden von den Therapeuten der Abteilung supervidiert. „Dieses Vorgehen hat das Bewusstsein für die jeweils andere Seite erweitert und Verständnis geweckt", sagt Nollenberger.

Am Ende dieses zweiwöchigen Prozesses mussten sich die Patienten selbst bewerten. Die Therapeuten unterstützen sie dabei. Patienten zu entlassen, besonders wenn diese eine richterliche Auflage haben, fällt immer schwer. Dies konnte so vermieden werden, Rückfälligkeit und Co-Abhängigkeit wurden Bestandteil der therapeutischen Auseinandersetzung. Das Erlebte stellten sie in drei Kleingruppen unter therapeutischer Begleitung an einem Aktionsvormittag jeweils mittels einer selbst geschaffenen Skulptur dar. Themen wie Spaltung, Entscheidung, Unterstützung, Kommunikation und Vernetzung präsentierten sich mit Hilfe verschiedener Materialien in den drei Skulpturen. Diese wurden im Garten der Drogenabteilung aufgestellt.

Ein Ergebnis ist, dass nun immer montags eine Großgruppe stattfindet, in der die Patienten wichtige, ihre Gruppe betreffende Themen besprechen können. „Dies könnte ein Modell für die Zukunft sein", betont Uli Nollenberger. Im Frühjahr 2012 zieht die Drogenabteilung innerhalb des Klinikgeländes in einen Neubau. Einige therapeutische Prozesse müssen dann neu gestaltet werden. Die hier positiven Erfahrungen können auf jeden Fall in die zukünftige Rückfallbehandlung im Einzelfall einfließen.

Harald Dubyk

Zurück