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Neues „Bonhoefferhaus“ wird Kirche und Diakonie verbinden

10.10.2011 | von Sarah Kanzen / Hellger Koepff

Biberach - Auf dem Gelände der heutigen Bonhoefferkirche wird etwas Neues entstehen. Das teilte Ulrike Werthmann, Vorsitzende des Gesamtkirchengemeinderates der Evangelischen Kirche in Biberach am vergangenen Sonntag in einer Gemeindeversammlung mit. „Gemeinsam wollen die Evangelische Kirche und Die Zieglerschen das neue Bonhoefferhaus gestalten." Dazu haben der Evangelische Gesamtkirchengemeinderat Biberach und der Aufsichtsrat der Zieglerschen grundsätzlich grünes Licht gegeben. Die Zieglerschen sind ein diakonischer Träger sozialer Dienstleistungen aus Wilhelmsdorf und heute schon Träger der Biberacher Diakonie-Sozialstation.

 

„Die Kirchengemeindearbeit auf dem Mittelberg wird sich verändern, aber sie kann weiter gehen", freut sich Edzard Albers, Pfarrer der Bonhoeffergemeinde. In einem innovativen Kooperationsprojekt werden die Kirchengemeinde und die Zieglerschen Hand in Hand in einem Gebäudekomplex arbeiten und Gemeindeleben gestalten.

Die Evang. Gesamtkirchengemeinde hatte Ende 2009 nach Wegen gesucht, die Anzahl an Immobilien der Kirche zu reduzieren. „Die Kosten müssen langfristig reduziert werden, dafür müssen wir heute die Weichen stellen", unterstreicht Dekan Hellger Koepff die Herausforderungen. Biberach sei dabei kein Sonderfall, wie der Blick in andere Bereiche der Landeskirche zeige. Nachdem auch die Bonhoefferkirche zur Disposition stand, habe man nach Alternativen gesucht. Koepff freut sich, dass man mit den Zieglerschen einen Partner gefunden habe, „der uns nicht einfach nur eine Immobilie „abnimmt", sondern mit dem wir zugleich ein innovatives neues Konzept entwickeln können."

Das neue „Bonhoefferhaus" soll zum einen Menschen mit Behinderung in Biberach Wohnraum und Tagesstrukturangebote bieten. Geplant sind ein stationärer Wohnbereich für 15 Menschen mit Behinderung sowie ambulant betreute Wohnungen für bis zu 10 Personen mit Assistenzbedarf. Hinzu kommen ein Förder- und Betreuungsangebot und ein Seniorenbereich für Menschen mit geistiger Behinderung. Betrieben werden diese Angebote von der Behindertenhilfe der Zieglerschen. Darüber hinaus wird die Diakonie-Sozialstation Biberach, ein ambulanter Pflegedienst in Trägerschaft der Zieglerschen, Räume im neuen „Bonhoefferhaus" beziehen.

„Das Gemeindeleben der Bonhoeffergemeinde kann weitergehen, aber es wird sich verändern", verdeutlichte Ulrike Werthmann und verwies auf die enge Kooperation der verschiedenen Partner im neuen „Bonhoefferhaus". Gottesdienst- und Gemeinderäume sowie das Pfarramt werden sich mit den Angeboten für Menschen mit Behinderung und der Diakonie-Sozialstation unter einem Dach befinden, einige Räume werden gemeinsam genutzt. „Durch diese räumliche Nähe können wir in ganz besonderer Weise die Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung erfüllen", so Prof. Dr. Harald Rau, Vorstandsvorsitzender der Zieglerschen. „Die Menschen mit Behinderung werden künftig ganz selbstverständlich zur Bonhoefferkirchengemeinde dazu gehören. Im neuen „Bonhoefferhaus" wird Inklusion lebendig gestaltet werden können." Auch Dekan Koepff ist sich sicher: „Diese Kooperation wird Strahlkraft entfalten nicht nur in den Stadtteil Mittelberg, sondern in die Gesamtkirchengemeinde hinein. Teilhabe für Menschen mit Behinderung ist auch und gerade für uns als Kirche ein wichtiges Anliegen. Dass alle Menschen selbstverständlich „dazu gehören", ist tief in unserem christlichen Menschenbild verankert."

Bevor das neue „Bonhoefferhaus" in Betrieb genommen werden kann, wird jedoch noch einige Zeit vergehen. Zunächst gehen die Bauplanungen, deren Zwischenstand dem Gesamtkirchengemeinderat vorgelegt worden war und dem auch die Aufsichtsgremien der Zieglerschen bereits zugestimmt haben, weiter. Die Partner hoffen auf einen Baubeginn Ende 2012 oder Anfang 2013. Bis dahin sind noch einige Abstimmungen mit Kostenträgern, der Stadt und dem Oberkirchenrat erforderlich. „Das Projekt ist sehr komplex. Viele Stellen müssen mit ins Boot genommen werden", erklärt Dekan Koepff. Bis zur Eröffnung des neuen „Bonhoefferhauses" werde es voraussichtlich noch drei oder vier Jahre dauern. „Diese Zeit wollen wir intensiv nutzen, um das Projekt auch inhaltlich gut vorzubereiten und die Gemeindeglieder mitzunehmen", beschreibt Pfarrer Edzard Albers die kommenden Aufgaben. „Denn sicher ist: Das Gemeindeleben geht zwar weiter, aber es wird sich verändern. Wir wollen die Chance nutzen, eine diakonische Kirchengemeinde zu werden."