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Ein Praktikum als Einstieg in die Berufswelt

14.12.2011 | von Kristina Bachofer-Zeiser

Jedes Jahr im Herbst tauchen neue Gesichter in den Pflegeteams des Marienstiftes auf: das Freiwillige Soziale Jahr und, dieses Jahr ganz neu, der Bundesfreiwilligendienst haben begonnen. Interessierte, motivierte junge Menschen machen ein einjähriges Sozialpraktikum und beleben den Alltag unserer Bewohner und der Pflegeteams.

Das Freiwillige Soziale Jahr findet statt in Kooperation mit dem Diakonischen Werk Württemberg, das begleitende Seminare und Ansprechpartner bietet. Der Schwerpunkt liegt aber in der sozialen Tätigkeit im Betrieb: dem Erlernen von pflegerischen Grundbegriffen, der Unterstützung unserer Bewohner in Alltäglichem, der Begleitung bei Spaziergängen oder zu Veranstaltungen.
Um diesem Einstieg in die Berufwelt eine solide Basis zu geben, veranstaltet das Marienstift jedes Jahr zu Beginn ein 4-tägiges Einführungsseminar.
Wir beginnen mit ganz grundlegenden Fragen, wie: „Was bedeutet „alt sein"?", „Welche Kommunikationsmöglichkeiten stehen uns zur Verfügung?" oder „Wie kommuniziert man angemessen mit einem alten Menschen?". Natürlich sind auch Themen wie Hygiene, Infektionsschutz und rechtliche Rahmenbedingungen unerlässlich. Der Schwerpunkt liegt aber in der Vermittlung von grundlegenden Techniken ...und die werden praxisnah erklärt und geübt. Immer wieder ist es ein Erlebnis für die Jugendlichen, selbst einmal mit einem Hilfsmittel bewegt zu werden. Sie erspüren die Begrenztheit, wenn sie selbst in einem Rollstuhl sitzen oder die tiefe Abhängigkeit bei einem Transfer mit einer Aufstehhilfe.

Manche Jugendliche haben bereits auf den Stationen erste Erfahrungen gemacht und die gemeinsame Zeit im Seminar ist dann immer wieder ein Forum zur Beantwortung von Fragen. Die motivierten Jugendlichen brachten sich auch dieses Jahr wieder engagiert ein und ein manches Mal wurde der Themenplan gekippt, weil Bewegendes zu diskutieren, Fragen zu beantworten oder praktische Wiederholungen gefordert wurden. Der Hausleitung des Marienstiftes ist es ungemein wichtig, den Jugendlichen Ansprechpartner zu sein oder solche zu vermitteln. Häufig sind hier ältere Schüler, erfahrene Pflegekräfte oder die Mentorin gefordert.

Wir denken, dass die solide Begleitung der jugendlichen Praktikanten mittlerweile auch für das Marienstift ihre Früchte trägt. 2011 hat eine große Zahl von Bewerbern Interesse für ein Sozialpraktikum gezeigt und bei den Einführungstagen nahmen allein aus dem Marienstift 14 Jugendliche teil.
Die Motivationen sind unterschiedlich: Auf Nachfrage der Mentorin sagt eine Teilnehmerin: „Ich möchte Erfahrungen sammeln und schauen, ob eine Ausbildung in der Altenpflege für mich das Richtige wäre. Außerdem kann ich hier neue, nette Leute kennen lernen und mich persönlich weiterentwickeln." Und ein anderer hat bereits für sich beschlossen: „Ich möchte das Jahr als Vorbereitungspraktikum nutzen, um dann die 3-jährige Altenpflege-Ausbildung zu beginnen!"
So können beide Seiten von einem gelungenen Praktikum profitieren: die Jugendlichen, indem sie Erfahrungen sammeln und Antworten bezüglich ihrer Berufswahl finden - und das Marienstift, das jedes Jahr Jugendliche in die anschließende Ausbildung übernimmt.

Es ist Überzeugung und Konzept der Heimleitung des Marienstiftes, dass eine gute Einführung und Begleitung der Jugendlichen eine Basis für die Zukunft einer sicheren Pflege ist. Diese Jugendlichen, die wohl überlegt dann eine Altenpflege-Ausbildung anstreben, sind unser Fachkräftepotential von morgen.