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Altenpflege - das kann nicht jeder

23.01.2012 | von Nicola Philipp

"Altenpflegerin kann nicht jeder werden", davon ist Sabine Serwo überzeugt. „Das kann nur jemand, der seine Mitte gefunden hat." Und dass die Bundesregierung sagt, die Altenhilfe sei genau das Richtige für Hartz IV- Empfänger und Langzeitarbeitslose hält sie für eine „Bankrotterklärung der Politik". Sabine Serwo ist 49 Jahre alt, hat zwei erwachsene Kinder und ist Altenpflegehelferin aus vollem Herzen. „Ich habe schon in vielen Branchen gearbeitet, aber in der Altenpflege bin ich da angekommen, wo ich immer hinwollte", erzählt sie.

Die gebürtige Tuttlingerin arbeitet seit Eröffnung des Hauses im Jahr 2007 im Seniorenzentrum „Im Dorf" in Bempflingen. Sie hat eine Vollzeitstelle und ist vor allem im Demenzbereich eingesetzt. Dazu gehört es, sich gut in die Welt der demenziell erkrankten Bewohner hineinversetzen zu können. Sich einzulassen auf die Momente der Bewohner und dabei auf Augenhöhe zu bleiben. Einmal rief eine 96-jährige Bewohnerin sie zu sich und erklärte ihr verzweifelt, dass die Hebamme einfach nicht komme, obwohl sie doch gleich ihr Baby zur Welt bringe. Sabine Serwo unterstützte die Dame also in aller Ruhe dabei, ihr imaginäres Kind auf die Welt zu bringen und legte es ihr schließlich in den Arm. Dann war dieser für die Bewohnerin bewegende Moment wieder vorbei und vergessen.

Um über solche Situationen nachzudenken und schließlich abzuschalten, nutzt Sabine Serwo die schöne Natur rund um ihren Arbeits- und Wohnort Bempflingen zum Spazierengehen. Überhaupt lebt sie gerne in Bempflingen: „Es ist klein, aber hier gibt es alles." Viele Einkaufsmöglichkeiten vom Bäcker über den Supermarkt und Drogeriemarkt, Ärzte, Friseur und Blumenladen. Und zu Hause wartet ihr Kater auf sie, der ihr mit seiner ruhigen Art auch sehr gut tut. Den hat sie übrigens von ihrem Arbeitsteam geschenkt bekommen.

Die Arbeit der 49-jährigen ist sehr abwechslungsreich. Sie kann viele kleine Geschichten darüber erzählen. Mittwochs zum Beispiel kommt Norbert Kaiser ins Seniorenzentrum Bempflingen. Er ist Professor an der Musikhochschule in Stuttgart. Er spielt Lieder am Klavier und singt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Das bedeutet für Sabine Serwo, dass sie morgens erst einige Bewohner beim Aufstehen unterstützt und fachgerecht pflegt, wobei es ihr sehr wichtig ist, auf deren individuelle Wünsche einzugehen. Eine halbe Stunde bevor Norbert Kaiser kommt, sorgt sie dann dafür, dass möglichst viele Bewohner auf dem oberen Stockwerk zum Singen zusammenkommen. Sie teilt Liederbücher aus, hilft beim Finden der richtigen Seite, singt mit und schenkt dort Zuneigung und Nähe, wo es heute nötig ist.