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Landrat Sievers informiert sich über die Suchthilfe der Zieglerschen

02.05.2016 | Von Sarah Benkißer | Suchthilfe

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Ravensburger Landrat Harald Sievers informiert sich über die Fachklinik Ringgenhof der Zieglerschen

Im Rahmen seines Besuches bei den Zieglerschen in Wilhelmsdorf hat sich der Ravensburger Landrat Harald Sievers in der Fachklinik Ringgenhof mit Patienten, Klinikleitung, Geschäftsführung und Vorstand über die Suchthilfe der Zieglerschen informiert. Im Gespräch mit den Patienten zeigte Sievers großes Interesse und Anteilnahme.

„Was treibt jemanden, der neu hier ankommt denn am meisten um?“, möchte Landrat Harald Sievers gleich zu Beginn von Klaus Zimmer und Peter Hecht wissen. Die beiden sind aktuell Patienten auf dem Ringgenhof und haben dort das sogenannte „Patenamt“ übernommen, wodurch sie unter anderem Ansprechpartner für neu aufgenommene Patienten sind. „Wissen Sie, da kommen erstmal nicht so viele Fragen. Die sind erst mal wie auf einem anderen Planeten“, berichten die beiden dem seit knapp einem Jahr amtierenden Landrat des Landkreises Ravensburg.

Harald Sievers war nach eigenen Worten nach Wilhelmsdorf gekommen, „um zu sehen, wie sich die Einrichtungen der Zieglerschen hier in das Gemeinwesen einfügen“. Ein Besuch in der Fachklinik Ringgenhof, eine der ältesten Suchtkliniken in Süddeutschland, durfte da nicht fehlen – auch wenn die Suchtrehabilitation selbst nicht in das Aufgabengebiet der Landkreise gehört. „Das ist eine spannende Erfahrung für mich, denn ich habe mich noch nie so grundsätzlich mit Menschen mit so einer Problemlage unterhalten“, so Sievers. Entsprechend hohes Interesse zeigte Harald Sievers im Austausch mit den Patienten, beispielsweise an den Gründen für eine Suchterkrankung. „Den einen Hauptauslöser für Sucht gibt es nicht“, erläuterte Dr. Stefan Schaffitzel, ärztlicher Leiter des Ringgenhofs. „Aber was uns häufig begegnet, sind instabile familiäre Verhältnisse in der frühen Kindheit unserer Patienten. Dabei geht es nicht nur um finanziell prekäre Bedingungen, sondern häufig um emotionale Verarmung“, so Dr. Schaffitzel.

Auch die beiden größten Herausforderungen für die Suchthilfe der Zieglerschen kamen in der Diskussion mit dem Landrat zur Sprache: der allgemeine Nachfragerückgang für Rehabilitationsbehandlungen nach der Entgiftung sowie die seit Jahren knappe Finanzierung im Rahmen des bundesweit gedeckelten Reha-Budgets. Kontrolliertes Trinken statt Abstinenz? Unter anderem auf diesen fachlichen Disput führten Geschäftsführer Eberhard Gröh und Klinikleiter Dr. Stefan Schaffitzel den zur Zeit zu beobachtenden Nachfragerückgang für die klassischen Angebote des Ringgenhofs und vergleichbarer Sucht-Rehaeinrichtungen zurück. Die Nachfrage nach Rehabilitation für Menschen mit Drogenabhängigkeit und für Menschen mit Drogenabhängigkeit in Verbindung mit einer Psychose steige dagegen erheblich. Für die Klinik sei diese Änderung wirtschaftlich folgenreich, handele es sich bei diesen Behandlungen wegen des höheren Personaleinsatzes doch um teuere und damit unwirtschaftliche Behandlungen. Zum Thema Abstinenz berichtete Eberhard Gröh: „Viele Patienten gehen lieber in die Substitution oder wünschen sich einen ´kontrollierten Konsum´, weil es der vermeintlich einfachere Weg ist. Uns geht es aber darum, dass die, die zu uns kommen, die bestmögliche Reha kriegen. Wir stehen für die Abstinenzorientierung.“ In dieser Haltung fand Gröh die volle Unterstützung der anwesenden Patienten. Die entsprechende Nachfrage von Landrat Harald Sievers beantwortete Patient Klaus Zimmer prompt und eindeutig: „Nein, kontrolliertes Trinken kommt für mich nicht in Frage!“

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