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Bundestagsabgeordnete besuchen den Ringgenhof

24.06.2015 | Von Sarah Benkißer | Suchthilfe

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Informierten sich über die fachlichen und gesundheitspolitischen Herausforderungen der Suchthilfe: die Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen (2.v.r.) und Waldemar Westermayer (Mitte). / Bild: Die Zieglerschen

Die CDU-Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen (Bodenseekreis) und Waldemar Westermayer (Ravensburg) haben sich in der Suchtfachklinik Ringgenhof der Zieglerschen über die aktuellen Herausforderungen in der Suchthilfe informiert. Vor allem Fehlanreize in der Belegungssteuerung und der Trend zum gefährlichen „Kontrollierten Trinken“ führten häufig dazu, dass Patienten keine nachhaltig wirksame Sucht-Rehamaßnahme bekämen, mahnte Geschäftsführerin Dr. Ursula Fennen. „Da werden ‚Drehtür-Patienten‘ produziert, die nie wirklich von ihrer Sucht loskommen und darin irgendwann verelenden,“ bemängelte sie im Gespräch mit den beiden Politikern.

„Das Bild des schnellen Erfolgs ist eine Verharmlosung des Problems“, diese klaren Worte wählte Dr. Ursula Fennen, Geschäftsführerin in der Suchthilfe der Zieglerschen, als sie das Thema „Kontrolliertes Trinken“ zur Sprache brachte. Im Gespräch mit Lothar Riebsamen, CDU-Vertreter im Gesundheitsausschuss des deutschen Bundestags, und Waldemar Westermayer, Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Ravensburg, erklärte die Ärztin, die Hoffnung, einfach nur weniger vom Suchtmittel reiche aus, um langfristig im Alltag klar zu kommen, sei trügerisch. „Wenn wir uns vollständig von der Abstinenzorientierung verabschieden, wird das auch zu volkswirtschaftlichem Schaden führen,“ warnte Fennen. Das Problem: Die Patienten ändern ihr süchtiges Verhalten nicht dauerhaft. Rückfälle sind quasi vorprogrammiert. Eine Abwärtsspirale setzt ein, früher oder später folgt die komplette Leistungsunfähigkeit. „Dabei haben Patienten mit einer abstinenzorientierten Sucht-Reha-Behandlung eine realistische Chance, langfristig auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bleiben“, so Dr. Ursula Fennen weiter. „Doch leider kommen die meisten Patienten gar nicht erst in der Reha-Maßnahme an.“

„Die Versäulung des Systems ist ein Problem“, analysierte Lothar Riebsamen die Situation in der Suchthilfelandschaft. Während die Akutbehandlung von Suchtkranken in den Zuständigkeitsbereich der Krankenkassen fällt, werden die Kosten der Sucht-Rehabilitation von der Deutschen Rentenversicherung getragen. Die Weitervermittlung der Patienten von der Akut-Behandlung in die nachhaltig wirksame Reha wird dadurch erschwert. „Die Frage ist doch: Warum gibt es beispielsweise keine integrierten Versorgungsverträge für die Suchtrehabilitation?“, fragte Riebsamen und sicherte zu: „Die Thematik werde ich gerne in die entsprechenden Gremien einbringen.“ Dr. Ursula Fennen bestätigte: „Die Reha wird im Suchtbereich oft nicht mitgedacht.“ Dabei spricht der Erfolg ganz klar für die Suchttherapie: „Im stationären Bereich haben wir eine Abstinenzquote von 60%, in den ganztägig ambulanten Tagesrehabilitationen sogar von 90%. Volkswirtschafltich gesehen kommen für jeden Euro, der in die Suchtrehabilitation investiert wird, 5 Euro zurück,“ so Fennen.

Dass dies auch ein Argument gegen die grundsätzliche Deckelung des Reha-Budets sei, hob Rolf Baumann, kaufmännischer Vorstand der Zieglerschen, hervor. Lothar Riebsamen verwies hierbei auf die aktuellen Erhöhungen der Reha-Budgets im Rahmen des letztes Jahr verabschiedeten Rentenpakets. Baumann bekräftigte jedoch die Forderung: „In der Suchtreha ist durch die Deckelung seit den neunziger Jahren extrem gespart worden. Statt nur über das Gesamtbudget zu steuern, wäre es uns lieber, es gäbe insgesamt weniger, aber dafür auskömmlich finanzierte Plätze. Anders lässt sich die stationäre und teilstationäre Rehabilitation langfristig nicht wirtschaftlich betreiben.“

Die Suchthilfe der Zieglerschen ist der größte Anbieter stationärer Suchttherapie in Baden-Württemberg. Mehr als 240 stationäre Plätze gibt es in den beiden Fachkliniken „Ringgenhof“ in Wilhelmsdorf und „Höchsten“ in Bad Saulgau. Die ganztägig ambulanten Tagesrehabilitationen in Ulm und Ravensburg bieten insgesamt weitere 40 Plätze an. Über 1.000 Patientinnen und Patienten werden pro Jahr in der Suchthilfe der Zieglerschen behandelt. Voraussetzung für die Therapie ist die Bewilligung eines entsprechenden Reha-Antrags durch die Deutsche Rentenversicherung. Suchtberatungsstellen vor Ort unterstützen Patienten bei der Antragstellung.

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