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Kunst am Bau? Ab jetzt!

02.08.2016 | Von Dorothee Dick | Hör-Sprachzentrum

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Kunst am Bau? Ab jetzt!
So lautete die Einladung zur Einweihung eines besonderen Kunstwerks am 6. Juli 2016 am Hör-Sprachzentrum in Wilhelmsdorf

Was eben noch ein als Fluchttreppe dienendes gewöhnliches Baugerüst an der Rückseite des Schulhauptgebäudes war, ist nicht mehr nur Fluchttreppe, sondern auch Kunstinstallation.

Eine Komposition von zehn übergroßen, ausdrucksstarken Kunstwerken und Zitaten schmückt von nun an das Metallgerüst. Zwischen 8 und 11 Jahre alt sind die Künstlerinnen und Künstler. Sie sind den Werken des Künstlers Friedensreich Hundertwasser begegnet und wünschen ihm nun eine „gute Reise". Ejder und Sinan haben mit Zauberkreide Schiffe und Häuser für ihn erfunden und der Nachwuchskünstler Noah ermöglicht Hundertwasser sogar, Miró zu begegnen: „Hundertwasser und Miró zusammengebracht" nennt er sein mit schwarzem Fineliner gezeichnetes Werk. „Planetenstraßen", diesen Titel gab der 7-jährige Lukas seiner Malerei, nachdem er die Kunst des spanischen Künstlers Joan Miró kennengelernt hatte. „Bonjour Monsieur Kritzel, Bonjour Madame Klecks!", auf diese Weise grüßt Hocine die beiden Hauptfiguren seines selbst gestalteten Kunstbilderbuchs, Herr Kritzel und Frau Klecks. Er erinnerte sich dabei an das Tanzstück „Bonjour Camille", in dem er ein Jahr zuvor mitgetanzt hatte. Kritzel- und Klecks-Techniken waren Sena und Frieder in ihren Arbeiten auf der Spur. „Marie mag rot!" und Louis hat „noch ein paar Ideen!" - neben Malerei wurden auch Zitate der Kunstkinder für die Installation grafisch in Szene gesetzt.

Blitzende Augen und begeisterte Gesichter der zahlreichen Vernissage-Besucherinnen und -Besucher machten deutlich, hier sind noch jede Menge Ideen am Start! Die kleinen Künstlerinnen und Künstler der gesamten Grundschule ganz groß: Ihr Kunstschaffen wurde mit Applaus und Limonade gefeiert. Und es gab Tanz! Gemeinsam mit Tänzerinnen und Tänzern aus allen Grundschulklassen hatte Dorothee Dick (Lehrerin für Bildende Kunst und Tanz am Hör-Sprachzentrum) eine kleine Choreografie entwickelt. Viele Blumen kamen in ihr tänzerisch zum Blühen. Eine poetische Hommage an die große Tänzerin und Choreografin Pina Bausch. Eine Kunstbegegnung der verschiedenen Sparten.

Als bekannt wurde, dass die Fluchttreppe bis auf weiteres nur als reines Gerüst bleiben wird, gab der Schulleiter Herr Hallanzy Anfang des Jahres seine Idee, diese „künstlerisch zu gestalten", an Dorothee Dick weiter. Zusammen mit ihren Kunstkindern nahm sie diesen besonderen Kunstauftrag gerne an. Immer wieder neue Räume mit der bildnerischen und tänzerischen Kunst der Kinder zu bespielen, ist Schwerpunkt ihrer kunstpädagogischen Arbeit am Hör-Sprachzentrum. Dank der intensiven Auseinandersetzung der Fotografin Anja Köhler aus Ravensburg mit der Kunst der Kinder und der detailgenauen Herausarbeitung der besonderen Werke, kam es in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für textile Kommunikation in Vorarlberg (Typico) zu brillanten Drucken, wie sie zum Beispiel auch für die Bregenzer Festspiele und das Kunsthaus Bregenz produziert werden. Trotz kleinem Budget setzten sich beide über die Maße für das Projekt ein.
Um die Betrachterinnen und Betrachter zu einem weiteren Seherlebnis einzuladen, entschieden sich die Beteiligten für ein durchlässiges, mit Licht, Schatten und Wind spielendes Meshgewebe.

Auf dem Weg von einem Lernort zum anderen, bepackt mit Büchern, Turnbeuteln, schweren Schulmappen oder feinem Pausenbrot - die Kinder haben die Kunsttreppe ohne Umschweife in ihr Schulleben mit aufgenommen. Sie stärkt einmal mehr ihr Selbstverständnis, an dieser Schule auch Kunstschaffende zu sein. "Mein Traum ist, dass unsere Schule wie eine kleine Stadt ist, und dass es einen großen Raum gibt, in dem alle Kunst, die von uns Kindern erfunden wird, zu sehen ist. So etwas wie ein Kunstmuseum." Es ist noch nicht lange her, dass der 11-jährige Pino diesen Wunsch formuliert hatte. Nun haben wir eine Art „Kunstmuseum" am Hör-Sprachzentrum in Wilhelmsdorf. Eines unter freiem Himmel! Wer weiß, welch' kunstmuseale Flächen an unserer Schule noch frei werden. Wir werden sie im Namen der Kunst willkommen heißen!

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