Sortierung: Alle Meldungen

Gut informiert zur Landtagswahl

04.03.2016 | Von Sarah Benkißer | Behindertenhilfe

Newsbild

Politik in Leichter Sprache: Die Kandidaten stellten sich und ihre Programme vor. Hier zum Beispiel im Schwörsaal in Ravensburg. / Foto: Sarah Benkißer

STOP - Leichte Sprache! Die Zieglerschen haben zur Landtagswahl in Baden-Württemberg fünf Veranstaltungen zur Politik in Leichter Sprache angeboten. Diesen Artikel können Sie in einfacher oder in schwerer Sprache lesen.

Artikel in einfacher Sprache:

Alle Menschen sollen Politiker verstehen können.
Dann können sie entscheiden, wen sie wählen wollen.
Menschen mit Behinderung verstehen Politiker oft nicht.
Auch Menschen, die nicht gut Deutsch sprechen, verstehen Politiker oft nicht.

Darum haben Die Zieglerschen Gespräche mit Politikern in Leichter Sprache gemacht.
Die Politiker haben sich vorgestellt.
Sie haben erzählt, was sie nach der Landtags-Wahl vorhaben.
Sie haben gesagt, warum man sie wählen soll.

Es gab drei Termine: in Bad Saulgau, in Wilhelmsdorf und in Ravensburg.
In Wilhelmsdorf und in Ravensburg waren sehr viele Besucher.
In Bad Saulgau kamen nur Menschen ohne Behinderung.
Das war schade.
Denn das Gespräch war für Menschen mit Behinderung gedacht.
Leider gab es in Bad Saulgau keinen Bus zu der Veranstaltung.

Auch andere Träger haben Politik in Leichter Sprache angeboten.
So konnten viele Menschen mitmachen.
Uwe Fischer ist der Chef von der Behindertenhilfe bei den Zieglerschen.
Er möchte, dass ganz viele Menschen mit Behinderung wissen, was Politiker machen.
Uwe Fischer ist zufrieden mit den Gesprächen mit Politikern in Leichter Sprache.
Er sagt, dass jetzt mehr Menschen bei Wahlen mitmachen können als früher.

Die Zieglerschen haben auch Workshops in Leichter Sprache gemacht.
Viele Menschen mit Behinderung haben teilgenommen.
Sie haben gelernt: Was ist Demokratie? Warum sind Wahlen wichtig? Wie wähle ich?

Die Besucher von den Veranstaltungen waren zufrieden.
Ein Besucher sagte: Die Veranstaltung war zu lang.
Aber die meisten würden nächstes Mal wieder hingehen.

 

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Artikel in schwerer Sprache:

Parteiprogramme sind meist schwer verständlich. Vor allem Menschen mit geringen Deutschkenntnissen oder einer Lernbehinderung können sich vor Wahlen selten richtig informieren. Darum haben sich die Zieglerschen gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung auch vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg wieder für Politik in „Leichter Sprache“ stark gemacht. Bei insgesamt drei Podiumsdiskussionen und zwei Workshops konnten sich vor allem Menschen mit Behinderung über die Kandidaten und deren Programme sowie über die Hintergründe und den Ablauf der Wahl informieren und selbst mitdiskutieren. Mit dem von der Aktion Mensch und der Johannes-Ziegler-Stiftung finanzierten Projekt wird die Teilhabe von Menschen mit Behinderung an politischer Bildung gefördert.

„Stop! Leichte Sprache!“ – diese Schilder lagen auf den Stühlen bei den drei Podiumsdiskussionen in Bad Saulgau, Wilhelmsdorf und Ravensburg. Die Landtagskandidaten der Grünen, der CDU, der SPD und der FDP aus den Wahlkreisen Sigmaringen bzw. Ravensburg hatten sich der Herausforderung gestellt, ihre Parteiprogramme in Leichter Sprache vorzustellen. Einfache Sätze, keine Fremdwörter, langsam sprechen! Diese und weitere Regeln der „Leichten Sprache“, einer speziellen Ausdrucksweise für Menschen mit Lerneinschränkungen oder geringen Deutschkenntnissen, hatten die Politiker in einem Vorbereitungskurs fleißig gepaukt – mit unterschiedlichem Erfolg. Während manche Kandidaten  bestens mit den ungewohnten Regeln zurecht kamen, taten andere sich schwer, aus ihrem üblichen „Politik-Jargon“ auszubrechen und komplexe Inhalte in einfachen Worten darzustellen.

Der Publikumszuspruch der Veranstaltungen war sehr unterschiedlich. In Wilhelmsdorf, wo die Podiumsdiskussionen in Leichter Sprache bereits seit 2006 etabliert ist, war der Bürgersaal ebenso gut besucht wie der Schwörsaal in Ravensburg, wohin die Zieglerschen erstmals gemeinsam mit anderen Trägern der Eingliederungshilfe im Landkreis Ravensburg eingeladen hatten. Im Landkreis Sigmaringen hingegen, wo die Veranstaltung dieses Jahr zum ersten Mal angeboten wurde, konnte die Zielgruppe zum Bedauern der Organisatoren nicht erreicht werden. Lediglich eine kleine Gruppe von Mitarbeitern und Angehörigen aus dem Umfeld der Behindertenhilfe hatte sich in der Fachklinik in Bad Saulgau eingefunden. „Ein Grund war sicherlich, dass der Veranstaltungsort auch fünf Jahre nach Eröffnung der Fachklinik noch immer nicht gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen ist“, erklärt Behindertenhilfe-Geschäftsführer Uwe Fischer. „Natürlich werden wir für künftige Veranstaltungen daraus lernen. Der große Zuspruch in Wilhelmsdorf und Ravensburg hat uns gezeigt, dass das Format an sich sehr gut angenommen wird.“

Der Erfolg des bereits 2006 begonnenen Projekts „Politik in Leichter Sprache“ zeigt sich für Uwe Fischer zudem darin, dass in diesem Jahr auch andere Träger in der Region ähnliche Veranstaltungen für Ihre Klienten angeboten haben. „Es ist ein schöner Erfolg, dass das Thema „politische Teilhabe für Menschen mit Behinderung“ sich in dieser Form etabliert. Als wir vor zehn Jahren damit angefangen haben, standen wir noch ziemlich allein da, jetzt profitieren ganz viele Menschen davon. Genau das war unser Ziel,“ so Fischer.
Die Zieglerschen entwickeln derweil die Angebote zur „Politik in Leichter Sprache“ eifrig weiter. So gab es dieses Jahr zum ersten Mal zwei Workshops in Wilhelmsdorf und Ravensburg für Menschen mit Behinderung. Jürgen Lutz, der das Projekt – gefördert von Aktion Mensch – auch wissenschaftlich begleitet, erarbeitete gemeinsam mit den Teilnehmern das Thema „Politik“: Was ist Demokratie? Warum sind Wahlen wichtig? Wie wähle ich?

Und was sagen die Teilnehmer? Die waren insgesamt hoch zufrieden mit den Veranstaltungen: 25 Feedbackkarten gingen bei den Organisatoren ein. Mehr als 75% bewerteten die Veranstaltungen positiv. 87% gaben an, sie würden wieder zu einer solchen Veranstaltung gehen. Verbesserungsvorschläge für die Zukunft gab es aber auch. Ein Teilnehmer in Ravensburg sagte: „Ha woisch, i hör scho zu und i blick’s au. Ab‘r es war halt doch a weng z’lang.“

Politik in Leichter Sprache 2016 (2)

Die Workshops in Leichter Sprache - hier in Wilhelmsdorf - waren gut besucht. / Foto: Andrea Rudolph

das könnte sie auch interessieren: visavie – das magazin der zieglerschen



visAvie 02-2016
PDF (3,4 MB)
» Download

titelthema

Bauen in Zeiten der Inklusion

Wie gesellschaftliche Entwicklungen neue Lösungen erfordern
» weiter lesen

porträt

»Ich kann bis heute kein Schwäbisch« – Inge Jens im Porträt
» weiter lesen

hinter den kulissen

Leonie Maier ist Referendarin am Hör-Sprachzentrum Wilhelmsdorf...
» weiter lesen