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22.10.2010

Landrat und Sozialdezernentin besuchen Siloah

Jugendliche führt Besucher durch Jugendhilfeeinrichtung der Zieglerschen


Ein etwas anderer Vormittag im Klassenzimmer: (v.l.) Landrat Kurt Widmaier, Rolf Baumann, Kaufmännischer Vorstand der Zieglerschen, Professor Dr. Harald Rau, Vorstandsvorsitzender der Zieglerschen mit Schülern des Kinder- und Jugenddorfes Siloah im Gespräch. Foto: Katharina Stohr

Landrat Kurt Widmaier und die Sozialdezernentin Diana E. Raedler des Landkreises Ravensburg haben einen „etwas anderen Vormittag“ in Isny verbracht. So lautete zumindest das Resümee des Landrates nach dem zweistündigen Rundgang durch das Evangelische Kinder- und Jugenddorf Siloah, einem der beiden Standorte der Jugendhilfe der Zieglerschen.


53 junge Menschen wohnen auf dem Siloah-Gelände

Sandra, 14, wohnt seit drei Jahren in einem der sechs Wohngruppenhäuser von Siloah. Derzeit besucht sie die achte Klasse der Schule für Erziehungshilfe im Kinder- und Jugenddorf, doch an diesem Vormittag darf sie offiziell genehmigt Mathe schwänzen. Stattdessen führt sie die Besucher des Landratsamtes und der Zieglerschen souverän über das Schul- und Parkgelände und erklärt.

Weshalb sie denn hier sei, möchte Kurt Widmaier wissen. „Stress in der Pflegefamilie", es habe einfach nicht geklappt, antwortet die Jugendliche, deren Namen für diesen Beitrag geändert wurde. Und ihre leiblichen Eltern? „Die kenne ich nicht". So wie Sandra geht es einigen Kindern und Jugendlichen, die in Siloah leben. Derzeit sind es 53 junge Menschen, die auf dem Gelände wohnen und die staatlich anerkannte Sonderschule mit den Bildungsgängen Grund-, Haupt- und Förderschule besuchen, manche davon auch Regelschulen in Isny. Probleme daheim, mehrmaliger Schulwechsel, verunsichert sein oder nie erfahren haben, was eine tragfähige Beziehung ist: die Liste, weshalb sie nach Siloah gekommen sind, ist lang.

Hohe Erfolgsquote

„Wir erleben in Siloah eine zunehmende Psychiatrisierung", sagt Christian Glage, Fachlicher Geschäftsführer der Jugendhilfe. Schwierige Biografien, Gewalterfahrungen, Bindungsstörungen und das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom AD(H)S nähmen stetig zu. „Dadurch steigt der Bedarf an individuellen Zusatzleistungen in der Schule und in der Wohngruppe, Kinder und Jugendliche müssen intensiver durch die Mitarbeiter betreut werden." Für Professor Dr. Harald Rau, Vorstandsvorsitzender der Zieglerschen, stellt sich hier die Suche nach intelligenten Lösungen in den Vordergrund, denn: „Die Jugend ist das, was morgen unser Land prägt", sagt er.

Schulklassen im Kinder- und Jugenddorf bestehen aus durchschnittlich sechs bis acht Schülern. Die Erfolgsquote der Schule liegt hoch, „in den letzten 20 Jahren haben bis auf einen Schüler alle Neuntklässler unserer Hauptschule die Hauptschulabschlussprüfung angetreten und bestanden", sagt Schulleiter Johannes Mast. Ganz schön arbeiten müsse man hier für die Schule, sagt ein Schüler, aber er erfahre auch viel Unterstützung und Hilfe. „Ich finde den Unterricht hier irgendwie chillig", sagt ein vespernder Neuntklässler, als sich der Landrat zu ihm und seinen Kumpels an den Pausentisch im Klassenzimmer setzt und mit den Jungs über deren Herkunft plaudert. „Neben Kindern aus Baden-Württemberg wird der Standort Siloah stark aus dem bayerischen Raum belegt", sagt Jonathan Hörster, Kaufmännischer Geschäftsführer der Jugendhilfe der Zieglerschen.

Landrat ermutigt

In einem der Wohngruppenhäuser angekommen, hakt der Landrat weiter bei Sandra nach: „Was hast Du denn nach dem Schulabschluss vor?" Diese überlegt nicht lange: „Ich will entweder Kinderpflegerin werden oder weiter die Schule besuchen und den Realschulabschluss machen". „Super", sagt Diana E. Raedler und ermutigt die Jugendliche, auf ihrem Weg zu bleiben. Das tut auch der Landrat, als er den Geschäftsführern der Jugendhilfe und den Vorständen der Zieglerschen am Ende die Hand reicht: „Bitte gehen Sie auf dem Weg so weiter, und zwar in jeder Sparte."


Katharina Stohr

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