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20.12.2010

Regierungspräsidium fördert Martinshaus Kleintobel als Kooperationspartner

Schule für Erziehungshilfe der Jugendhilfe der Zieglerschen verstärkt Beratung für Regelschulen und wird als Kompetenzzentrum auch für Asperger-Autisten bestätigt


Tauschten sich mit Schülern des Martinshauses Kleintobel aus: (v.l.) Jonathan Hörster, Geschäftsführer der Jugendhilfe der Zieglerschen, Petra Blust, Referentin Beratung und Aufsicht Realschulen - Staatl. Schulamt Markdorf, Klaus Moosmann - Leiter Staatl. Schulamt Markdorf, Dr. Susanne Pacher - Abteilungsdirektorin Schule und Bildung Regierungspräsidium Tübingen, Heinz Schlumpberger - Leitender Regierungsschuldirektor Regierungspräsidium Tübingen, Thomas Frick, Schulleiter Martinshaus Kleintobel. Foto: Katharina Stohr

Nicht alltäglichen Besuch durften die Schüler des Martinshaus' Kleintobel und dessen Geschäftsführung und Mitarbeiter am 15. Dezember 2010 empfangen. Dr. Susanne Pacher, Abteilungsdirektorin der Abteilung 7 - Schule und Bildung des Regierungspräsidiums Tübingen und leitender Regierungsschuldirektor Heinz Schlumpberger waren zusammen mit dem Leiter des Staatlichen Schulamtes Markdorf, Klaus Moosmann und seiner Kollegin Petra Blust nach Kleintobel angereist. Am Ende des mehrstündigen Aufenthalts stand fest: Die in Württemberg einmalige Schule für Erziehungshilfe mit integriertem Realschulgang wird sich zum Beratungszentrum für Realschulen der Region weiter entwickeln und ihre Kompetenzen für Schüler mit dem Asperger-Syndrom ausbauen.

Schüler erzählten aus ihrem Leben

Die Schüler der siebten Klasse der Jugendhilfeeinrichtung der Zieglerschen am Standort Kleintobel zögerten nicht lange, als die Besucher der Behörden während eines Rundgangs durch die Schule in deren Klassenzimmer Zwischenstopp einlegten und etwas aus ihrem Leben erfahren wollten. „Ich bin in meiner früheren Schule immer auf dem Tisch herum gehüpft und hab ziemlich viel Quatsch gemacht", sagte ein Junge. Sein Nebensitzer berichtete, dass er in der vorigen Schule Mitschüler gemobbt und geschlagen habe. Ein Mädchen schräg hinter ihm sagte mit leiser Stimme, dass sie in ihrer Zeit vor dem Martinshaus selbst gemobbt worden sei, außerdem habe es zuhause Stress mit den Eltern gegeben.

Durchschnittlich mehr als 90 Prozent der Schüler des Martinshauses erreichen den Realschulabschluss in Kleintobel. „Keine Selbstverständlichkeit", sagte Schulleiter Thomas Frick, „denn das emotionale Erleben und soziale Handeln der jungen Menschen ist bei deren Ankunft im Martinshaus stark belastet." Die dadurch beeinträchtigte Entwicklung der Kinder und Jugendlichen äußere sich in Verhaltensauffälligkeiten. „Ziel unserer Schule ist, die jungen Menschen in ihrem Prozess der Problembewältigung so zu begleiten, dass sie Bildungsinhalte aufnehmen können und die Mittlere Reife im Martinshaus erlangen oder wieder an eine Regelschule zurückkehren können", sagte Geschäftsführer Jonathan Hörster. Das Martinshaus Kleintobel setzt dazu seit Jahren mittels eigener Schulentwicklung verstärkt auf Erlebnispädagogik, musisch-künstlerische Angebote, Einzelbegleitungen der Schüler und Kooperationen mit außerschulischen Partnern wie Fußball-, Box- oder Tennisvereinen, wie der stellvertretende Schulleiter Daniel Murr betonte.

Regierungspräsidium fördert Kooperationen

In zunehmendem Maß reicht die Jugendhilfeeinrichtung ihre dabei gewonnenen Erfahrungen an Realschulen des Landkreises Ravensburg und des Bodenseekreises weiter. „Der Gesprächsbedarf von Regelschulen wegen Störverhaltens und Verhaltensauffälligkeiten von Schülern ist groß", sagte Thomas Frick, „die betroffenen Lehrkräfte wollen wissen, wie sie mit solchen Verhaltensformen umgehen sollen". Auch spiele der Inklusionsgedanke dabei eine große Rolle. „Es geht bei Kooperationsgesprächen oft darum, wie man Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten möglichst lange an der Regelschule halten kann", sagte Thomas Frick.

Der weitere Ausbau dieser bereits vorhandenen Kooperationsformen liegt auch den Vertretern des Regierungspräsidiums und Schulamtes Markdorf am Herzen. Sie sicherten während ihres Besuchs die ihnen hierzu mögliche Unterstützung zu. Ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art hielt ferner Regierungsschuldirektor Schlumpberger bereit. Er bestätigte den weiteren Bestand von vier Außenklassen für Schüler mit dem Asperger-Syndrom bis zum Schuljahr 2013/2014. Derzeit sind es 24 der insgesamt 90 Schüler des Martinshauses, die wegen Asperger-Autismus separat beschult werden. „Einfach formuliert stehen bei diesen betroffenen Schülern Kommunikationsprobleme aller Art im Vordergrund, weshalb sie automatisch zu Mobbing-Opfern anderer Schüler werden und einen gesonderten Schutzraum für den Unterricht benötigen", sagte Thomas Frick. „Durch die Unterstützung des Regierungspräsidiums wird sich die Jugendhilfeeinrichtung der Zieglerschen am Standort Kleintobel weiter zum Kompetenzzentrum für Asperger-Autisten entwickeln", sagte Jonathan Hörster.

Katharina Stohr

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