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02.06.2011

Gemischter Salat für Schweine

Schüler des Ev. Kinder- und Jugenddorfes Siloah helfen auf dem Argenhof


Viele Hände schnippeln den Salat: Schüler des Ev. Kinder- und Jugenddorfes Siloah unterstützen misshandelte und bedrohte Tiere des Argenhofes in Amtzell. Jährlich finden Projekttage dieser Art statt – in diesem Jahr ging es um Verantwortungsübernahme, die die Schüler auch im Altersheim, im Seilgarten oder in Aufführungen für Kindergartenkinder erlernen konnten.

Bela schmatzt und schlürft vor lauter Wonne. Der Rüssel des 13jährigen Wollschwein-Ebers steckt tief in einer roten Futterwanne, zwischendurch hebt Bela den Kopf und grunzt durch den Schweinestall des Argenhofs bei Amtzell, der sogenannten „Arche an der Argen“. Soeben hat Karl ihm das tägliche Festmahl aus Obst, Gemüse und trockenem Brot serviert. Nur Karl vom Argenhof darf zu Bela in die Box, ohne dass was passiert. Vor der Box stehen sieben Schüler des Ev. Kinder- und Jugenddorfes Siloah und sehen dem Schauspiel zu.

Verantwortung übernehmen


„Den Schweinen geht’s voll gut hier“, kommentiert der 14jährige Peter (Name geändert), als er zuvor mit Karl und den anderen Gemüse und Obst für das Schweine-Menü schnippelt und Erdbeeren auf faule Stellen untersucht. Statt in der Schule für Erziehungshilfe zu büffeln, steht er heute am Futterwagen unterm Stallvordach und hilft auf dem Hof mit. Grund ist der jährlich stattfindende Projekttag des Isnyer Standortes der Jugendhilfe der Zieglerschen. In diesem Jahr geht es darum, Verantwortung zu übernehmen – für sich und für andere. Vor zwei Wochen waren Peter und seine Schulkameraden schon einmal hier und haben den Argenhof bei einer Führung kennen gelernt.

„Seid bitte vorsichtig im Umgang mit den Tieren“, sagt Hausmeister Jakob zu den Schülern, „wir sind kein Streichelzoo und es ist nicht lustig, wenn die Tiere beißen.“ Über 170 kleine und große Tiere tummeln sich auf dem sieben Hektar großen Gelände, von Katze und Hund über Schafe und Lama bis zu Schwein und Esel ist alles zu finden. Nur Tiere, die akut vom Tod bedroht sind und sonst nirgends eine Chance haben, dürfen auf den Argenhof kommen – vorausgesetzt, dieser hat Platz.

Andrea, die stellvertretende Betriebsleiterin, erklärt die Ziele des Hofs: „Wir wollen misshandelten Tieren ein würdiges Zuhause geben.“ Das gilt auch für Tiere, die aus schlechter Haltung kommen, die am Rande der Gesellschaft leben und die keiner möchte. „Und wir wollen mit den Tieren arbeiten, so dass sie im Endeffekt vielleicht wieder eine Vermittlungschance haben.“

Jugendliche und Tiere profitieren voneinander

Dass Jugendliche, wie die Schüler aus Siloah, sich auf dem Hof einbringen, findet sie toll. Willkommen sei jeder und von der Begegnung profitierten Mensch und Tier: „Es können Freundschaften entstehen und der Jugendliche kann erfahren, dass das Tier auch nicht arg viel anders ist als er selbst.“ Tiere erlernen hier das Vertrauen zu Menschen völlig neu, erklärt Andrea weiter,  „wir überlegen, wo beispielsweise die Probleme des Hundes liegen oder warum der Hund oder das Pferd bestimmte Verhaltensweisen hat“. 

Jede Woche unterstützen Schulklassen oder ehrenamtliche Helfer das Team des Hofs auf tatkräftige Art und Weise. Bis der Futterwagen für die insgesamt elf Schweine des Argenhofs  gefüllt ist, müssen die Isnyer Schüler Ausdauer zeigen und achtsam sein. Peter etwa halbiert mit einem scharfen Messer die von Wangener Firmen gesponserten Salatköpfe. Mittlerweile vermischen sich Erdbeeren, Rosenkohl, Salatblätter, Champignons, Bananen und Petersilie zu einer bunten Vitaminbombe. Und von weitem ist schon ein freudiges Grunzen zu hören, das von Bela, versteht sich.

Katharina Stohr

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