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31.01.2011

"Wir stehen nicht hinterm Busch und kontrollieren"

Raucherprävention der Jugendhilfe fördert rauchfreie Zone und Vertrauensbildung


Kippe aus im Martinshaus: Das Nichtraucherprogramm der Jugendhilfe soll Schülerinnen und Schüler dazu anspornen, weniger oder gar nicht zu rauchen. Foto: Katharina Stohr

Weniger Qualm im Martinshaus Kleintobel – und das seit März 2010. Zufrieden denkt Daniel Murr, stellvertretender Schulleiter der Schule für Erziehungshilfe mit Bildungsgang Realschule an die vergangenen Monate zurück. Am Hauptstandort der Jugendhilfe der Zieglerschen verzichten viele Schülerinnen und Schüler dank des von der Johannes-Ziegler-Stiftung mit finanzierten Nichtraucherprogramms auf die Zigarette. Durchschnittlich 49 Jugendliche haben pro Monat bislang an dem präventiven Projekt teilgenommen.

Junge Menschen motivieren

„Wir als Einrichtung haben für rauchende Kinder und Jugendliche eine Verantwortung zu tragen“, sagt Daniel Murr. Im Martinshaus Kleintobel greifen relativ viele Schülerinnen und Schüler zur „Kippe“, oft massiv. „Wenn jemand rauchen will oder süchtig ist, dann ist es schwierig, ihn davon abzubringen“, sagt Daniel Murr. Machtlos stehen er und seine Kolleginnen und Kollegen deswegen aber nicht vor den qualmenden Jugendlichen. Denn das Belohnungskonzept des Nichtraucherprogramms motiviert junge Menschen dazu, weniger oder gar nicht zu rauchen.

Mit Gutscheinen für Sport und Kino, einem Taschengeldzuschlag oder einem Ausflug ins Dornier-Museum nach Friedrichshafen wird die rauchfreie Zone der einzelnen Schüler belohnt. „Positive Verstärkung“, fasst Daniel Murr das Training zusammen, „außerdem sensibilisiert dieses Konzept die Jugendlichen automatisch für das Thema Nichtrauchen und Gesundheit“. Doch spiegelt sich damit nur eine Seite des Programms, das die Teilnehmer gewinnen lässt. Daneben steht die in der Jugendhilfe erforderliche Vertrauensbildung. „Wenn ich zu einem Schüler sage: ‚hei, meld dich an, ich traue es dir zu, dass du es schaffen kannst’, dann ist das ein Vertrauensbeweis in die Schüler und ein Vertrauensvorschuss der Einrichtung“, sagt Daniel Murr. Das tut gut und das lässt wachsen – sowohl an Selbstvertrauen der Jugendlichen als auch an deren Vertrauen in andere Menschen.

Kontrolle beruht auf Vertrauen

Jeden Monatsbeginn können sich Schülerinnen und Schüler neu entscheiden, am Nichtraucherprogramm teilzunehmen. Im Januar 2011 etwa haben sich 57 Jugendliche angemeldet, zwei Drittel davon durften ihre Belohnung fürs Nichtrauchen am Monatsende entgegen nehmen. Die anderen haben entweder nicht durchgehalten oder wurden beim Rauchen erwischt. „Wir stehen allerdings nicht hinterm Busch und kontrollieren“, sagt Daniel Murr, „die Kontrolle beruht weitgehend auf Vertrauensbasis“.

Die Freude über den Erfolg der Nichtraucherprävention ist groß, vor allem bei jenen Mitarbeitenden, die das Projekt ins Leben gerufen haben. „Wir prüfen derzeit, ob die gewonnenen Erfahrungen aus diesem Programm auf andere Themen übertragen werden können, um Kinder weiter für sich und ihre Umwelt zu sensibilisieren“, sagt Daniel Murr, „da beginnen zarte Pflänzchen gerade kräftig zu wachsen.“

Katharina Stohr

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