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15.04.2011

Jugendcafe öffnet im Martinshaus

Macher sind die Kids selbst


Jugendcafe im Martinshaus Kleintobel: "Eine andere Welt inmitten der Einrichtung", sagt Yüksel Tunc, der die Kids betreut und begleitet. Foto: Katharina Stohr.

Das Martinshaus Kleintobel darf sich seit kurzem stolzer Inhaber  eines Jugendcafes nennen. Von der Staatsanwaltschaft Bochum mitfinanziert, stehen den Jugendlichen der Jugendhilfeeinrichtung der Zieglerschen nun zwei neu eingerichtete Freizeit-Räume zur Verfügung. Fernab des Schul- und Wohngruppenalltags ist hier Chillen, Spielen, Musik hören, Filme sehen, Disco und Tischkickern angesagt. Vor allem aber steht eines im Mittelpunkt: die „JuCa-Regeln“.

Kids verlangten das Jugendcafe

Yüksel Tunc als Alleinunterhalter zu bezeichnen, wäre falsch. Seit wenigen Wochen betreut und begleitet er junge Menschen im Jugendcafe des Martinshauses Kleintobel. „JuCa“, sagen die Kids und er in seiner Funktion als betreuende Fachkraft liebevoll zu den beiden neu gestalteten Räumen im Untergeschoss des Mittelbaus. Von Beginn an waren die Jungs und Mädels des Martinshauses selbst die treibende Kraft, um nach dreijähriger Pause wieder ein „JuCa“ in Kleintobel aufzubauen. Zu Nutzen machten sie sich dabei die Delegiertenkonferenz der Jugendhilfeeinrichtung – jenes Organ, durch welches sie ihr Leben in Kleintobel in vielen Bereichen mitbestimmen können.

Heute, im schon laufenden Betrieb, heißt es für die Jugendlichen, das Cafe weitgehend selbst zu organisieren. Zu tun gibt’s genug dabei: „Bar-Teams bilden, Getränke einkaufen, Disco vorbereiten, Kasse führen, putzen, Öffnungszeiten festlegen und Öffentlichkeitsarbeit planen“, sagt Yüksel Tunc. Die Bereiche, in welchen sie Verantwortung übernehmen können, sind zahlreich. Darum geht’s auch, im Cafe, um Verantwortung. Denn hier, im geschützten Raum, können die jungen Menschen einfach mal ausprobieren, wie das „draußen“ so läuft. Und sie dürfen Fehler machen, ohne dass gleich etwas passiert, wie vergleichsweise im richtigen Berufs- oder Alltagsleben.  „Es geht aber auch darum, selbständig zu sein und untereinander angemessen zu kommunizieren“, sagt Yüksel Tunc.

Klare Regeln sorgen für gutes Miteinander


Er zeigt auf eine Tafel im Tischkicker-Raum, dort steht handgeschrieben wie’s funktioniert: „Kein Alkohol, keine Drogen, Nicht Rauchen, Respektiert euch, Keine Beleidigung, Kein Mobbing, Keine Gewalt.“ JuCa-Regeln sind das, von den Kids selbst aufgestellt. „Die Regeln bringen viel“, sagt Yüksel Tunc und erklärt, dass die Alltags-Belastungen für die jungen Menschen herausfordernd und anstrengend sind. Denn die Ursachen aufzuarbeiten, wegen derer sie nach Kleintobel gekommen sind, ist nur eine Aufgabe. Gleichzeitig den Stoff der Schule für Erziehungshilfe mit Bildungsgang Realschule zu pauken, die andere. Dazwischen liegt ein Spannungsfeld, dem die Schülerinnen und Schüler oft mit aggressivem und auffälligem Verhalten ausweichen wollen.

„Das JuCa hingegen ist eine andere Welt inmitten der Einrichtung“, sagt Yüksel Tunc . In den neuen Räumen können die Kids relaxen, entspannen und zu sich kommen. „Da sieht man dann plötzlich andere Ebenen der jungen Menschen - im JuCa können sie mehr Gefühl zulassen“, fügt Tunc hinzu. Er erzählt von zwei Jugendlichen, die im Alltag miteinander herumstressen und im JuCa gute Freundschaft pflegen. Oder jene junge Menschen, die in der Schulklasse einsam oder Einzelgänger sind und im JuCa Freunde finden.

Action und Chillen, beides ist möglich

Zweimal die Woche öffnet das JuCa die Türen. Dienstags für die Jüngeren bis 13 Jahre und donnerstags für die Älteren. Die Kinder und Jugendlichen verteilen sich dann über die beiden Räume. „Es ist wichtig, dass wir einen Raum zum Krach machen haben und den anderen zum Relaxen“, sagt Yüksel Tunc. Letzterer lädt mit Wohnzimmercharakter zum Chillen ein: sei es am selbst geschreinerten Tresen, im gemütlichen Sessel oder auf dem gespendeten Sitzsack einer Mitarbeiterin der Altenhilfe. Viele Menschen haben dazu beigetragen, dass das JuCa in Kleintobel wieder mit Leben erfüllt ist.

Wer einen Blick in die Räumlichkeiten werfen mag, ist am 7. Mai 2011 zwischen 11 und 16 Uhr anlässlich des Tags der offenen Tür im Seilgarten herzlich dazu eingeladen.

Katharina Stohr

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Jeden Dienstag und Donnerstag öffnet das JuCa für die Martinshaus-Kids. Yüksel Tunc freut sich über den regen Zulauf.  Ohne Regeln geht hier gar nichts. Die  Jugendlichen selbst haben sie aufgestellt und sorgen dafür, dass sie eingehalten werden.  Fernab des Alltags können die Kids im JuCa Chillen, ....
Bilderstrecke: Jugendcafe im Martinshaus Kleintobel (6 Bilder).