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19.11.2010

"Sprechen Sie mit Ihrem Kind"

Fachvortrag "Brutal Digital" in Isny klärt Eltern auf


Klärten mit dem Fachvortrag „Brutal Digital“ über die Medienwelten junger Menschen auf: (v.l.) Peter Schmitz, Leiter Flexible Hilfen der Jugendhilfe der Zieglerschen, Gerhard Messer, Präventionsbeauftragter der Polizeidirektion Ravensburg, Jonathan Hörster, Geschäftsführer der Jugendhilfe der Zieglerschen. Foto: Katharina Stohr

Handy, Internet, Social Networks & Co: Über Chancen und Risiken digitaler Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen haben sich rund 60 Besucher beim Fachvortrag „Brutal Digital" am 16. November 2010 im Kurhaus in Isny informiert. Veranstalter waren die Jugendhilfe der Zieglerschen mit ihrem Standort in Isny in Kooperation mit der Polizeidirektion Ravensburg.

Eltern aufklären

Gerhard Messer, zuständig für präventive Arbeit bei der Polizei Ravensburg, lenkte beim Vortrag den Blick auf gängige neue Medien in Kinderhänden. Ob Gewalt und Mobbing im Internet und auf dem Handy, diskriminierende Pornos, Gewaltvideos, Würgespiele, Kontakt mit unbekannten Partnern in Chatrooms oder Chatroulette: Oft wüssten Eltern gar nicht, mit was sich ihre Kinder beschäftigten, sagte er, „Aufklärung tut Not, gerade bei Eltern." 
 
Seit vielen Jahren informiert Messer in Veranstaltungen über mediale Welten von Kindern und Jugendlichen und die damit verbundenen rechtlichen Seiten. Er wolle vor allem das Verantwortungsbewusstsein von Eltern stärken und Vertrauen schaffen, damit sich Eltern mit neuen Medien auseinandersetzten, denn „neue Medien sollten nicht verteufelt werden."

Social Networks sind ungeschützte Räume

 „Man kann viel machen, es liegt hauptsächlich in der Hand der Eltern", sagte Peter Schmitz, Leiter der Flexiblen Hilfen der Jugendhilfe der Zieglerschen, der während des Abends die Chancen neuer Medien und den richtigen Umgang der Eltern damit erläuterte. „Chatrooms zum Beispiel sind grundsätzlich gut geeignet, um Netzwerke herzustellen" . Doch gebe es einige Regeln zu beachten, um das Kind zu schützen. Messer verwies auf den Irrglauben vieler Kinder und Jugendlichen, dass sie sich in Social Networks wie SchülerVZ in einem geschützten und geschlossenen Raum befänden. „In Wahrheit sind die persönlichen Angaben, die Ihre Kinder in Profile eintragen, jedermann zugänglich." Manche Eltern wüssten nicht, wie ihre Kinder sich dort präsentieren. „Da stehen dann Fotos kleiner Lolitas drin. Für Pädophile ist das eine tolle Sache."

Kontakt zum Kind halten

Schmitz betonte mehrmals die Wichtigkeit des offenen Kontaktes zu den Kindern. Egal ob die Kinder selbst gemobbt würden oder Umgang mit gewaltverherrlichenden Filmen im Internet oder auf dem Handy hätten: „Wichtig ist, dass Ihre Kinder keine Angst haben, mit Ihnen darüber zu reden." Aus seiner Sicht sei das Betrachten der immer perverser werdenden Pornos, die Kinder im Internet und übers Handy tauschten, weitaus folgenreicher als der Umgang mit Gewaltvideos. „Hier werden Bilder im Gehirn der Kinder und Jugendlichen abgespeichert, die keinen Bezug zu ihrer eigenen sexuellen Entwicklung haben, diese Entwicklung aber sehr wohl beeinträchtigen und das in einem Bereich, der naturgemäß sehr kraftvoll und tief gehend ist", sagte Schmitz. Das Thema Sexualität solle um so mehr offensiv mit Kindern behandelt werden. „Stellen Sie in Ihren Gesprächen eine gesunde Verbindung zwischen Liebe und Sexualität her, weil das in Pornos kein Thema ist."

Kinder fit machen

Mehrere Eltern stellten während des Vortrags fest, dass es ihnen schwer falle, mit dem digitalen Wissen ihrer Kinder Schritt zu halten und sich einen Überblick über die medialen Nutzungen ihrer Kinder zu verschaffen. „Lassen Sie sich mal zeigen, was auf dem Handy ist" riet Messer, „vermitteln Sie Werte und Normen und legen Sie frühzeitig Regeln fest." Schmitz empfahl den Eltern: „Fragen Sie Ihre Kinder, was sie im Internet machen, setzen Sie sich mit ihnen vor den Computer und lassen Sie sich erklären, was sie dort tun. Bauen Sie ein gutes Klima für Gespräche und Vertrauen auf, es ist der einzige Weg, um unsere Kinder für diese Herausforderungen fit zu machen."

Katharina Stohr

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