Die Vesperkirche 2017: Ein Ort gegen Einsamkeit

Trotz Baustelle und eisiger Temperaturen besuchten fast 12.000 Gäste die Ravensburger Vesperkirche 2017. Fast genau 120.000 Euro wurden gespendet – und machten dieses unglaubliche Erlebnis erst möglich.
Nach genau zwanzig Tagen ist nun auch sie Geschichte. Am 12. Februar 2017 ging die neunte Vesperkirche in Ravensburg zu Ende. Am letzten Tag kamen nochmals 618 Menschen in die evangelische Stadtkirche. Somit zählten die Verantwortlichen Harald Dubyk, Gerd Gunßer und Friedemann Manz insgesamt 11.748 Gäste! Dass die Ravensburger Vesperkirche im Schussental nicht mehr wegzudenken ist, zeigt auch eine weitere bemerkenswerte Zahl: Am letzten Tag kaufte der 100.000. Gast seit dem Start im Jahr 2009 eine Essensmarke in einer Vesperkirche in Ravensburg oder Weingarten.

Der zweite Tag der Vesperkirche Ravensburg 2017 stellte Organisatoren, Ehrenamtliche und Gäste auf die Probe. In der Nacht zuvor war die Heizung in der Stadtkirche ausgefallen. Zudem waren die Toiletten eingefroren. Eisige Temperaturen – nicht nur außen, auch in der Kirche wollte und konnte sich kaum einer ohne Mantel oder Jacke aufhalten. Es dauerte über einen Tag, bis die Kirche wieder einigermaßen warm war, auch Dank unbürokratischer und direkter Hilfe der Stadtverwaltung, des Deutschen Roten Kreuzes und der Ravensburger Feuerwehr. »Es war einfach richtig Klasse, wie die Hilfe hier anlief. Das hat mir richtig imponiert«, sagt Mitorganisator Gerd Gunßer vom Diakonischen Werk Ravensburg.

11.748 Besucher haben die Vesperkirche 2017 in Ravensburg besucht. Im Tagesschnitt waren das 587 Gäste. Vor allem die dritte Woche sorgte mit 662 Besuchern täglich für eine stets gefüllte Kirche. Höhepunkt am letzten Tag war sicher der 100.000. Besucher in der Vesperkirche seit ihrem Start 2009. Ute Valentin aus Ravensburg war die Glückliche, sie war gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten gekommen. Die Organisatoren überreichten ihr einen Geschenkkorb.

Am letzten Tag schien der holprige Start dann vollends vergessen. Zu viele schöne, interessante wie bemerkenswerte Erlebnisse und Begegnungen hatten zwischenzeitlich die Vesperkirche 2017 geprägt. »Jedes Jahr ist einfach anders«, sagte Harald Dubyk von den Zieglerschen. Man plane zwar mit den Erfahrungen der Vorjahre, aber »dann schreibt jede Vesperkirche doch ihre eigenen Gesetze«. Dieses Jahr war geprägt durch die Baustelle in der Stadtkirche und um sie herum. An vielen Dingen mussten die Organisatoren während der Vorbereitung, aber auch während der Vesperkirche improvisieren. »Wichtig war uns aber, dass die Gäste eine schöne Vesperkirche vorfinden und erleben«, sagt Mitorganisator Friedemann Manz. Die Vesperkirche ist für viele Menschen ein besonderer Ort. Ravensburgs Oberbürgermeister Daniel Rapp nannte sie zum Beispiel einen »Ort gegen Einsamkeit und Rückzug«.

Mit rund 2.200 Besuchern waren auch die acht Kulturveranstaltungen gut besucht, die für die Besucher keinen Eintritt kosteten. Die meisten Menschen – knapp 600 – kamen zum Auftritt des Kabarettisten Uli Boettcher. Sie spendeten an diesem Abend über 3.500 Euro. Alle Kulturveranstaltungen brachten knapp 10.000 Euro an Spenden ein. Damit trugen die Künstler, die auf ihre Gage verzichteten, erheblich zum finanziellen Erfolg der Ravensburger Vesperkirche bei. Für das reine Spendenprojekt Vesperkirche gaben die Organisatoren 120.000 Euro als Spendenziel vor. Herausfordernd aber machbar, wie sie jetzt wissen: eine erste Abrechnung kurz nach Ende der Vesperkirche ergab einen Spendenbetrag von 119.762 Euro. »Und es laufen noch einige Buchungen ein«, sagt Harald Dubyk. So wird es wohl eine Punktlandung. Geld, das die Organisatoren für das Essen, die Heizkosten, für Handwerker und viele Dienstleistungen rund um die Vesperkirche dringend benötigen.

HD