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Zeitstrahl 175 Jahre Hör-Sprachzentrum

  • In Wilhelmsdorf gründet der Taubstummenlehrer August Friedrich Oßwald auf Veranlassung des Vorstandes der Brüdergemeinde Korntal, Notar Hoffmann, die Taubstummenanstalt.
    Seine Bildungsziele formulierte August Oßwald damals: „...der Zweck, welchen man sich vorgesetzt hat, ist der, die Zöglinge innerhalb der Zeit von 6 Jahren so weit zu bringen, dass sie sich in ihrer Muttersprache deutlich und verständlich, sowohl mündlich, als schriftlich ausdrücken können... "

    Am 7. Januar 1838 nimmt Oßwald den ersten taubstummen Schüler auf.
  • Am 11.4.1857 gründet Oßwald innerhalb der Taubstummenanstalt das „Knabeninstitut". Er schreibt in seinem Diarium: „Heute kam in die Anstalt Josef Ernst Sperle von Neufchatel, vollsinnig, Kostgeld 200 Frc."
    Es werden zunächst Schüler aus protestantischen Familien aus der französischsprachigen Schweiz aufgenommen, die die deutsche Sprache erlernen sollten.
    Das Knabeninstitut - kurz KI genannt - besteht bis Ender der 90iger Jahre des letzten Jahrhunderts.

    Zimmer des Direktors Taubstummenanstalt - Küche Taubstummenanstalt - Speisesaal
    Bilderstrecke:  (6 Bilder).

  • 1873: Oßwald übergibt die Doppelanstalt an seinen Schwiegersohn Johannes Ziegler, dem späteren Namensgeber der Zieglerschen Anstalten. Die Taubstummenanstalt wird damals von 26 Schüler, das Knabeninstitut von 30 Schülern besucht.

    1882: Johannes Ziegler setzt seinen Bruder Matthäus Ziegler als Verwalter der Taubstummenanstalt ein. Er selbst widmet sich schwerpunktmäßig dem Knabeninstitut. In diesem Jahr wird im 15. Bericht Rechenschaft über die Taubstummenanstalten für normalbegabte und schwachsinnige Zöglinge gegeben. Die folgenden Berichte sprechen von zwei Taubstummenanstalten.

    1905: Johannes Ziegler gründet die Trinkerheilstätte Haslachmühle bei Hasenweiler. In den Gebäuden wird 1966 eine Schule für Kinder mit Hör- und Sprachbehinderung und zusätzlicher geistiger Behinderung aufgebaut - die heutige Heimsonderschule Haslachmühle.

    1916: Am 20.11. wird der Verein der Zieglerschen Anstalten gegründet.
    Dieser Verein verwaltet das Vermögen der Taubstummenanstalt und des Knabeninstituts. (Die von Johannes Ziegler 1905 gegründete Trinkerheilstätte Haslachmühle wird als selbständige Stiftung geführt.)
  • Taubstummenlehrer Wilhelm Stempfle wird Schulleiter, Hausvater Heinrich Herrmann übernimmt die Verantwortung für die Taubstummenanstalten, in denen neben der Schule auch viele erwachsene Pfleglinge betreut werden.
    Während des dritten Reiches ist es dem mutigen Eintreten von Hausvater Hermann zu verdanken, dass gehörlose Erwachsene aus Wilhelmsdorf vor dem Abtransport gerettet werden konnten.
    Diese schwere Zeit innerhalb des 3. Reiches und des 2. Weltkrieges beeinflusst auch die Arbeit der Taubstummenschule. Im Laufe des Krieges werden zunehmend hörende Kinder mit Verhaltensstörungen aufgenommen.
    In der Taubstummenanstalt entwickeln sich wieder zwei Schularten: eine Schule für gehörlose und eine Hilfsschule für hörende Kinder. Die Schule heißt Ende der 40er Jahre: „Gehörlosenschule mit Hilfsschulheim".
    Inspektor Herrmann übergibt Anfang der 50er Jahre sein Amt an Herrn Reinhold Ziegler.
  • 1953: Herr Stempfle übernimmt die Leitung der Berufsschule für Gehörlose in Winnenden. Sein Amt in Wilhelmsdorf übernimmt Otmar Stöckle am 16.10.53.

    1957:
    In Wilhelmsdorf wird die neu erbaute Gehörlosenschule mit Internat auf dem Wolfsbühl eingeweiht, dem Schulgelände des heutigen Hör-Sprachzentrums Wilhelmsdorf. Die Schüler werden nicht mehr als taubstumm, sondern als gehörlos bezeichnet.
    Gehörlosenschule 1975 (Foto: Malessa)
  • 1972: Aufgrund der großen Nachfrage nach Förderangeboten für Kinder mit einer Sprachbehinderung wird in der Weststadt Ravensburg ein Schulgebäude für das Sprachheilzentrum gebaut, in das neben der Schule auch der Kindergarten und die Beratungsstelle einziehen.
    Im März 1972 besuchen 60 Schüler sowie 32 Schulkindergartenkinder das Sprachheilzentrum.

    1974: Lehrkräfte am Sprachheilzentrum entwickeln Diagnose- und Therapiematerialien für Kinder mit einer Sprachbehinderung organisieren den Vertrieb. 2000 wird der »Verlag am Sprachheilzentrum« gegründet. Bis heute werden diese Materialien und Spiele mit den charakteristischen Zeichnungen von German Frank in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland verkauft.

    1975:
    In Altshausen wird im ehemaligen Martinshaus die Schule mit Internat für Schwerhörige eröffnet, das heutige Hör-Sprachzentrum Altshausen. Die Schwerhörigenschule beginnt mit 50 Schülern in fünf Klassen im Mannbau, Elsenhansbau und im Wohnheim I. 1990 erhält die Schule eine Realschulabteilung, um Schülern mit einer Hör-Sprachbehinderung ein Angebot zum Erwerb der Mittleren Reife bereit zu stellen.
  • 1982: Der erste Stotter-Intensivtherapie-Kurs wird im Sprachheilzentrum Ravensburg angeboten. Dieses spezielle Angebot wird als Halb- und Jahreskurs für Kinder und Jugendliche aus dem süddeutschen Raum angeboten.

    1988:
    In Friedrichshafen wird eine Kindergartengruppe für sprachbehinderte Kinder eingerichtet. 1996 werden die ersten Klassen für Sprachbehinderte in Friedrichshafen installiert, die seit 2004 als eigenständige Sprachheilschule geführt werden.

    Der Schulkindergarten Friedrichshafen im Goethekindergarten (1988-2006) Außenklasse an der Schreinesch-Hauptschule Die Anfänge in Friedrichshafen
    Bilderstrecke: 1988 bis heute (5 Bilder).

    1989: Dietmar Otmar Stöckle wird in den Ruhestand verabschiedet und Karl Wollmann wird Direktor des Hör-Sprachzentrums.
  • 1991: Eine Kindergartengruppe für sprachbehinderte Kinder wird in Biberach eingerichtet. 1997 wird die erste Außenklasse für Sprachbehinderte eingerichtet, die 1999 die Genehmigung als Sprachheilschule erhalten.

    1997: Das Hör-Sprachzentrum und das Körperbehindertenzentrum Oberschwaben übernehmen in einer gemeinsamen Trägerschaft die interdisziplinäre Frühförderstelle »Mobile« in Ravensburg und einer Außenstelle in Kißlegg.

    1998: In Otterswang, Landkreis Sigmaringen, wird eine Kindergartengruppe für Sprachbehinderte eingerichtet.
  • Im Zuge der Umstrukturierung der Zieglerschen Anstalten werden die Hör- und Sprachbehindertenschulen in einer eigenen Gesellschaft zusammengefasst und fungieren zukünftig als Hör-Sprachzentrum gemeinnützige GmbH.

    Der in den 90iger Jahren begonnene Prozess der Dezentralisierung wird fortgeführt. Um Kinder wohnortnah beschulen zu können werden Internatsplätze in Ravensburg, Wilhelmsdorf und Altshausen abgebaut und Bildungsangebote in die Fläche verlagert.

    In Sigmaringen werden Schulklassen für Sprachbehinderte in provisorischen Räumlichkeiten eingerichtet. 2004 wird der Schulneubau der Lassbergschule in Sigmaringen als Kooperationsprojekt mit dem KBZO fertig gestellt.

    In Leutkirch wird in Kooperation mit dem KBZO ein Schulkindergartens für sprachbehinderte Kinder eingerichtet.
  • 2002: Am Sprachheilzentrum in Ravensburg entsteht das Fortbildungsinstitut PfiF, das rund um das Thema »Kommunikation« Fortbildungen und Schulungen sowohl für die eigene Mitarbeiterschaft als auch für externe Interessenten aus dem vorschulischen und schulischen Bereich anbietet.

    2003: In Leutkirch werden Außenklassen eingerichtet. 2009 ziehen diese in die Räumlichkeiten der ehemaligen Hauptschule in Arnach um. Die örtliche Grundschule und die Sprachheilschule arbeiten seitdem »unter einem Dach«.
    Die mobile Sprachberatung des Hör-Sprachzentrums startet in Kindertagesstätten in der Region mit einem Qualifizierungs- und Coachingprogramm für Erzieherinnen in Regelkindergärten im Bereich Sprachförderung - dem »Ravensburger Modell«.

    2005: In Owingen (Bodenseekreis) wird eine Kindergartengruppe für sprachbehinderte Kinder eingerichtet.
    Eine Kindergartengruppe zieht von Leutkirch nach Kißlegg um.

    2007:
    Direktor Karl Wollmann tritt in den Ruhestand. Ursula Belli wird Direktorin des Hör-Sprachzentrums.
  • 2011: Zum 01.01. übernimmt das Hör-Sprachzentrum gemeinsam mit der Behindertenhilfe der Zieglerschen von Vinzenz von Paul die Trägerschaft der Beratungsstelle für Hörgeschädigte mit Sitz in Ravensburg. Für Menschen mit Hörschädigung aus Oberschwaben wird ein Beratungs- und Unterstützungsangebot bereit gestellt.

    2011/2012:
    Das Hör-Sprachzentrum entwickelt sich weiter in einer sich wandelnden Schullandschaft.

    Gemeinsam lernen - unter diesem Motto werden an fünf Grundschulen in Oberschwaben Kinder mit Hör-Sprachbehinderung in neuen Beschulungsmodellen gemeinsam mit Schülern der Regelschule unterrichtet.

     

  • Blahblubb
    geblubber...
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