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27.08.2009

Sommercamp in Altshausen

Eine Woche Ferien für Kinder umsonst


Glückliche Tage verbrachten die Kinder im Sommercamp auf dem Gelände des Hör-Sprachzentrum

Gott sei Dank, es gibt sie noch, die Welt jenseits von Geld, Gier und Boni. Viermal je eine Woche laden in diesem Sommermonat die Zieglerschen, speziell das Hör-Sprachzentrum Altshausen, Kinder ein, Ferien zu machen. Und zwar Kinder zwischen acht und dreizehn Jahren, die aus Familien stammen, die sich keinen Urlaub leisten können. Finanziert wird das Unternehmen allein durch Spenden und Sponsering. Die Betreuer, zum Teil noch in Ausbildung, arbeiten ehrenamtlich. Kinder aus einkommensschwachen Familien fürchten eine Frage ganz besonders, gestellt am ersten Schultag nach den Ferien. „Na, wo ward ihr denn in den Ferien“, fragt der Lehrer die Kinder, in der Absicht sie dort abzuholen, wo sie vermeintlich noch sind. Kinder, deren Eltern sich einen Urlaub für die Familie nicht leisten können, werden auf diese Frage entweder rot vor Scham oder sie müssen etwas daherlügen. Ihnen diese Niederlage zu ersparen ist das Ziel der Sommercamps auf dem weiten Gelände des Hör-Sprachzentrums Altshausen.
Sandra Krusch, Heilerziehungspflegerin und 22 Jahre jung war sich, als sie um Ostern die Organisation und Leitung des Camps übernommen hat, nicht im Klaren darüber, auf welches gewaltige Stück Arbeit sie sich da eingelassen hat. Aber es hat sich gelohnt. 7000 Spendenbriefe unter dem Motto „ 20 € pro Kind pro Tag“ wurden losgeschickt, 21.000 Euro Spenden kamen zusammen. Sponsoren ließen sich nicht zweimal bitten: Ein Getränkemarkt in Altshausen liefert für alle vier Wochen das nötige Nass, das Jordanbad und die Sinnwelt in Biberach, das Zeppelinmuseum in Friedrichhafen, der Alpakahof in Bad Wurzach und das Freibad in Überlingen und in Altshausen bieten Kindern freien Eintritt. Und natürlich die Zieglerschen, die die ganze Infrastruktur plus zwei Busse für die täglichen Ausflüge zur Verfügung stellen.
Zwölf Kinder erleben eine Woche lang Ferien, wie sie es nur vom Fernsehen her kennen. Ein Junge ist fast den Tränen nahe, weil er zum ersten Mal in ein richtiges Kino durfte. Reiten, Mini-Quadfahren, Klettergarten, Kindergolf sind Angebote, die ihre Eltern diesen Kindern nicht machen können. „Aber nicht einmal diese für sie außergewöhnlichen Angebote sind es, die das Altshausener Camp für die Kinder zum Paradies machen“, so Sandra Krusch. „Was sie am meisten schätzen ist die Zeit und die Aufmerksamkeit und die Nähe, die die Betreuer ihnen schenken. Von zu Hause kennen sie das oft nicht in dem Maße, weil die Eltern damit beschäftigt sind, Geld für die Familie zu verdienen.“ So gibt es während der Woche nur einen Film-bzw. Fernsehtag. Sandra Krusch: „Fernsehen ist keine Freizeitgestaltung. Da hätten wir das Gefühl, die Kinder abzuschieben und es uns leichtzumachen. Wir möchten mit den Kindern zusammen diese Tage gestalten.“ Und diese danken es ihnen auf ihre Art und Weise: „Unsere Betreuer sind echt mega-genial. Fabian ist cool und voll nett. Caros Fahrstil ist geil, vor allem in scharfen Kurven.“
Nach drei Wünschen gefragt, die ihnen eine Fee erfüllen sollte, antworten sie unisono : „Geld“. Auch über den zweiten Wunsch werden sie sich gleich einig: „Frieden“. Dann gehen die Wünsche von Mädchen und Jungen auseinander. Die Mädchen wünschen sich ein Haus. Die Jungen eine Frau: „schlank, schlau und schön.„. Auch die Antwort auf die Frage, was denn an dieser Woche so schön sei, lässt aufhorchen: „ dass wir miteinander essen.“
Nur einen Wehmutstropfen hat die Sache, einen großen sogar: 250 Kinder wurden für das Camp angemeldet, 48 konnten aufgenommen werden. Sandra Krusch musste über 150 Eltern eine Absage erteilen.

Rainer Kössl

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