19.10.2009 - Wilhelmsdorf
„Ich will es pur haben...“
Kunstprojekt verschiedener Sonderschulen

Die Teilnehmer der Kunstwoche der Sonderschulen in Aktion - Bild: Rainer Kössl
Ein Wort geistert in diesen Tagen in der Sonderschulwelt herum und erzeugt bei den einen Begeisterung, bei den anderen Entsetzen: Inklusion, inklusive Erziehung. Gemeint ist die gemeinsame Beschulung von behinderten und nichtbehinderten Kindern und damit die weitgehende Aufhebung des Sonderschulwesens. Was das KBZO in Weingarten, die Förderschule St.Christina in Ravensburg, die Wilhelm-Busch-Schule in Ulm, das Hör-Sprachzentrum in Altshausen und die Sonderschule St.Christoph in Zußdorf mit ihrem Kunstprojekt gemacht haben ist eine Inklusion ganz anderer Art. Sie haben ausprobiert, was das Kind mit der zentralen Sprachbehinderung dem Spastiker, und dieser wiederum dem lernbehinderten Kind zu geben imstande ist. Viel offensichtlich. Behinderte können Behinderte fördern, im kreativen Bereich, aber sicher auch sonst.
Der normal intelligente Peter aus dem Hör-Sprachzentrum Altshausen macht eine besondere Erfahrung. Die Arbeitsanweisung gab vor, verschiedene Wörter auf Papierstreifen zu hinterlassen, also Spuren von sich zu erzeugen. „Wie, Du kannst nicht schreiben“, fragte er etwas irritiert ein Mädchen von St.Christoph in Zußdorf. Das Mädchen schämt sich. „Aber das Bild, das du gemalt hast, das finde ich richtig toll“, fügt Peter hinzu. Das Zussdorfer geistig-behinderte Mädchen strahlt. Sie findet Peter süß.
70 Kinder mit Handicaps erlebten eine tolle Woche: malend, trommelnd, musizierend, Theater spielend. David kann die linke Hand kaum bewegen, dennoch führt er begeistert den Stock beim Stockkampf. Michael, Rollstuhlfahrer, spielt Theater, mit roter Clownnase, herzerfrischend und ganz ohne Angst. „Hab ich´s nicht gut gemacht?“ fragte er die Theaterpädagogin Renate Adler aus Altshausen. Die kann nicht anders als ihn in den Arm zu nehmen.
Rainer Kössl

Hör-Sprachzentrum