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Ursula Sedelmayr neu im Redaktionsteam des „Ringboten“

14.01.2014 | von Frau Metzler-Mikuteit

Als Vertreterin des Förderkreises und Nachfolgerin von Karin Friedle-Unger hat das Ringboten-Redaktionsteam im Rahmen der letzten Sitzung Ursula Sedelmayr herzlich willkommen geheißen. Redaktionsleiterin Anita Metzler-Mikuteit hat ihr nach dem ersten gemeinsamen Zusammentreffen Fragen gestellt.

Frage: Fast fünf Jahre ist es her, dass Sie Ihre Therapie an der Tagesrehabilitation Bodensee-Oberschwaben in Ravensburg abgeschlossen haben. Seither hat sich in Ihrem Leben vermutlich Vieles verändert....

Ursula Sedelmayr: Ja, ich bin ein freier selbstbestimmter Mensch!

Frage: Was hat Sie dazu bewogen, eine ambulante Therapie anzustreben?

Ursula Sedelmayr: Mein soziales Umfeld war in Ordnung. So ziemlich das Einzige, was noch in Ordnung war. Ich habe zehn Tage vor meinem Entzug meinen Lebensgefährten kennen gelernt und wollte einfach hier in Ravensburg sein, die stationäre Therapie war für mich im bayrischen Allgäu angedacht, da wollte ich einfach nicht hin.

Frage: Gibt es rückblickend eine Situation, die Sie in besonderem Maße dazu bewegt hat, aus der Suchtspirale auszubrechen?

Ursula Sedelmayr: Ja. Das war der Moment, als ich meinen absoluten Tiefpunkt erlebt habe. Mir wurde klar, dass ich so nicht weitermachen kann. Mir ging es körperlich sehr schlecht. Ich konnte nichts mehr essen. Wenn ich aß, musste ich mich übergeben. Ich hatte Einiges an Gewicht abgenommen, hatte Krämpfe, weil mein Elektrolythaushalt nicht stimmte. Mein Haushalt war total aus dem Ruder, ich lebte fast wie ein Messi. Aber ich wusste nicht mehr, wo ich anfangen sollte aufzuräumen. Ich hatte grade noch die Kraft, täglich zum Arbeiten zu gehen. Danach konnte ich nichts mehr tun, außer zu trinken. Und einkaufen, sodass ich was zu trinken hatte.

Frage: Als Krankenschwester haben Sie einen kräftezehrenden Beruf. Auf welche Weise tanken Sie heute in Ihrer Freizeit neue Energien?

Ursula Sedelmayr: Manchmal einfach durch „Nichtstun", das ist gar nicht so einfach! Ich lese gerne, mache Handarbeiten wie Stricken oder Nähen. Im Sommer gehe ich so oft es geht zum Schwimmen. Mit meinem Lebenspartner spiele ich gerne Karten. Auch während unserer Urlaube am Meer kann ich gut auftanken.

Frage: Einfach zu genießen, ist manchmal gar nicht so einfach, oder?

Ursula Sedelmayr: Oh doch! Ich genieße zum Beispiel gutes Essen oder die Natur, die Zweisamkeit mit meinem Partner, oder auch, wenn meine beiden Söhne da sind, die Turbulenz im Haus!

Frage: Mit dem Thema Alkoholismus wird in unserer Gesellschaft - so scheint es - inzwischen etwas offener umgegangen. Welche Erfahren haben Sie dazu gemacht? Wie offen gehen Sie mit Ihrer Krankheit um?

Ursula Sedelmayr: Ich habe natürlich kein Schild um den Hals hängen, dass ich trockene Alkoholikerin bin. Aber gehe trotzdem sehr offen damit um. Sei es am Arbeitsplatz oder im Privaten. Dabei erlebe ich sehr viel Respekt! Und zwar nicht nur dafür, dass ich aufgehört habe, sondern auch, weil ich durchgehalten habe.

Frage: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ursula Sedelmayr: Gesundheit für mich und meine Familie, und dass ich meine Abstinenz beibehalten kann. Ich denke, alles andere kommt von selbst.