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Spielsucht – Suchtkranke haben online leichteren Zugang

18.12.2014 | von Sarah Benkißer
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Dr. Ursula Fennen von den Zieglerschen (links) erläuterte im Interview mit RegioTV-Moderatorin Annalena Hieber die Hintergründe von Spielsucht. / Bild: RegioTV

Dr. Ursula Fennen, Geschäftsführerin der Zieglerschen Suchthilfe, erläuterte im Interview mit regioTV die Hintergründe von Spielsucht.

Das Schicksal von Simon F. bewegt: In 20 Jahren hat er mehrere hunderttausend Euro verzockt, Beruf und Familie damit auf’s Spiel gesetzt. Heute lebt er abstinent und gibt seine Erfahrungen in Selbsthilfegruppen für Spielsüchtige weiter. Seine Geschichte hat er RegioTV für eine Fernsehreportage erzählt, um anderen Betroffenen Mut zu machen: „Wenn man den Willen hat, mit dem Spielen aufzuhören, kann das Leben wieder schön werden“, sagt er.

Im anschließenden Interview mit der Suchtexpertin Dr. Ursula Fennen, Geschäftsführerin der Zieglerschen Suchthilfe, ging Moderatorin Annalena Hieber dem Phänomen (Spiel-)Sucht fachlich auf den Grund: „Eine Suchtpersönlichkeit gibt es nicht“, stellte Dr. Fennen gleich zu Beginn klar. Eine Suchterkrankung lasse sich weder genetisch noch aus der Herkunft eines Menschen erklären. Vielmehr entstehe sie aus Verletzungen in der Persönlichkeitsentwicklung in den ersten sechs Lebensjahren, so die psychoanalytische Sichtweise. Die Suchterkrankung sei dann eine Überlebensstrategie der Betroffenen, die ihr Suchtverhalten folglich lange Zeit als normal betrachteten. Meist führten erst äußerlich sichtbare, negative Auswirkungen auf das eigene Leben zur Einsicht, etwas ändern zu müssen, so Dr. Ursula Fennen weiter.

Für viele Spielsüchtige wird dieser Weg durch die zahlreichen Online-Glücksspiel-Angebote erschwert. Zwar seien die absoluten Zahlen der Suchtkranken seit Jahrzehnten konstant, erklärte die Suchtexpertin. Online-Glücksspiel führt also nicht dazu, dass mehr Menschen suchtkrank werden. Allerdings haben diejenigen, die schon spielsüchtig sind, durch die Online-Angebote einen leichteren Zugang zu ihrem Suchtmittel. Ein fortgesetzter Konsum liege daher nahe, so Dr. Ursula Fennen.

Doch auch wenn ein Suchtkranker den Weg in die Abstinenz einmal gefunden hat, mit einem einmaligen „Entzug“ ist es dann nicht getan: Bestimmte Vorgänge  im Gehirn werden durch ein längeres Suchtverhalten nämlich dauerhaft „umprogrammiert“. Dieses sogenannte „Suchtgedächtnis“ führt dann dazu, dass jeder erneute Konsum des Suchtmittels das Suchtverhalten wieder anfacht. „Ein Suchtkranker kann aufgrund des Suchtgedächtnisses auch nicht ‚kontrolliert‘ konsumieren“, warnte Dr. Ursula Fennen.

Das kann Simon F. aus Erfahrung bestätigen: „Ich muss ein Leben lang Selbsthilfegruppen besuchen“, sagt er. Doch er weiß, dass es sich lohnt – seit zweieinhalb Jahren ist er „spielfrei“.

Die komplette Reportage über Simon F. und das Interview mit Dr. Ursula Fennen finden Sie hier.