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Spielerschutz durch Zertifizierung

09.04.2015 | von Annette Scherer

Um die Qualität des Spielerschutzes in Spielhallen zu sichern und weiterzuentwickeln, hat die Suchthilfe der Zieglerschen gemeinsam mit weiteren Suchthilfeträgern die Fachgesellschaft „Qualität zur Sicherung der Verantwortung im Spielerschutz" (QSVS) gegründet.

Als unabhängige Stelle bietet sie eine Zertifizierung von Spielhallen an. Das bedeutet: In einem unabhängigen Verfahren werden die jeweiligen Spielerschutz-Maßnahmen eines Unternehmens anhand von fachlichen Standards überprüft und bewertet.

In Deutschland gelten laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung etwa 438.000 Menschen zwischen 16 und 65 als krankhafte Glücksspieler (Stand: 2013). Tendenz steigend. Sie alle hoffen auf den großen Gewinn und schaffen es irgendwann nicht mehr, sich gegen das Glücksspiel zu entscheiden. Sie spielen unkontrolliert und unterschätzen die Risiken.

Für viele Betreiber von Spielhallen gehört das Thema Spielerschutz mittlerweile fest zu ihrem Angebot. Sie verstehen es als Teil ihrer unternehmerischen Verantwortung, ein möglichst sicheres Spielumfeld zu gewährleisten und riskant spielende Gäste bestmöglich zu schützen.

Ein wichtiger Schritt zum Schutz der Spieler war das baden-württembergische Landesglücksspielgesetz (LGlüG) von 2012, das Spielothek Betreiber zur Erstellung eines Sozialkonzepts und zur Schulung der Servicemitarbeiter verpflichtete. Neben Infobroschüren zum Gefährdungspotenzial mit Adressen von Beratungsstellen und Gesprächsangeboten gibt es für die Spieler auch die Möglichkeit, sich für Spielotheken sperren zu lassen.

„Leider ist derzeit eine Sperre aus datenschutzrechtlichen Gründen immer nur für eine Spielothek und nicht übergreifend möglich, wie das ursprünglich geplant war. Das bedeutet, dass ein für eine Spielothek gesperrter Spieler problemlos die nächste Spielothek aufsuchen und dort seinem Spieldrang nachgehen kann“, erklärt Thomas Kölli von der Suchthilfe der Zieglerschen. Über die gesetzliche Verpflichtung hinaus gibt es für Betreiber von Spielotheken jetzt auch die Möglichkeit, ihr Sozialkonzept und ihre Spielothek zertifizieren zu lassen.

Hauptziel des Zertifizierungssystems ist die externe und unabhängige Qualitätssicherung und –verbesserung des Spielerschutzes aufgrund von fachlichen Kriterien.. Träger und Initiatoren ist neben der Suchthilfe der Zieglerschen, dem Baden-Württembergischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation (bwlv) in Renchen auch die Evangelische Gesellschaft (eva) in Stuttgart. Die Pilotphase zur Zertifizierung von Spielotheken startete bereits Ende März. Ansprechpartner für Interessenten ist die Firma ClarCert, ein internationales Zertifizierungsinstitut für Management und Personal mit Sitz in Neu-Ulm. „Manche Spielotheken sind sehr engagiert und interessiert daran, dass es in ihren Häusern bezüglich des Spielerschutzes geordnet zugeht“, freut sich Kölli.