Titelbild


Beratungsstellentag 2014

13.08.2014 | von Michael Klaiber, Praktikant im Stab der Geschäftsführung der Suchthilfe

Am Donnerstag, den 22. Mai 2014, fanden sich wieder zahlreiche Kooperationspartner der Zieglerschen Suchthilfe zum alljährlichen Informations- und Beratungsstellentag auf dem Ringgenhof ein. Bei ihrer Ankunft wurden die Gäste von einem blauen Himmel und einer strahlenden Sonne begrüßt, die die schweren Beine nach der teilweise sehr langen Anfahrt sofort in Vergessenheit geraten ließen. Beim gemeinsamen „Brezelfrühstück" konnte dann nicht nur Energie für den Tag gesammelt werden. Man kam auch in den Genuss, viele bekannte Gesichter begrüßen zu dürfen und sich am Smalltalk unter Kollegen zu erfreuen. Gut gelaunt wurden die Besucher dann in die anliegende Kirche geführt und dort offiziell vom therapeutischen Leiter der Fachklinik Ringgenhof, Thomas Greitzke, willkommen geheißen. Dieses Jahr drehte sich das Thema des Beratungsstellentags um die ganzheitliche Therapie. Dabei soll den Besuchern vorgestellt werden, wie die Mitarbeiter der Zieglerschen Suchthilfe ihre Diagnosemethoden und deren Behandlungsansätze verstehen und ausüben. Nach einer kurzen Einführung in die Thematik wurde das Wort an die fachliche Geschäftsführerin Frau Dr. Ursula Fennen übergeben, deren Vortrag die Besucher mit Spannung erwarteten. Hierzu nun ein Auszug:

Der Trend der letzten Jahre zeigt auf, dass die Patienten mit immer mehr psychiatrischen Diagnosen in der Suchthilfe ankommen und meist auch zu jeder einzelnen Diagnose ein eigenes Psychopharmaka zur Behandlung einnehmen. Die Suchthilfe hält jedoch nach wie vor an einem analytischen Krankheitskonzept fest. Man geht davon aus, dass Patienten mit einer Suchterkrankung ein Defizit in der Persönlichkeitsentwicklung haben. Dementsprechend führt eine Behandlung mit dem Schwerpunkt auf Nachreifung, Etablierung von Ich-Funktionen und dem Erleben einer ganzheitlichen Objekterfahrung zu einer inneren Ordnung, die den Suchtmittelgebrauch unnötig machen. Um die Persönlichkeitsstörung zu behandeln, bedarf es zuvor jedoch einer genauen Diagnose. Die operationalisierte psychodynamische Diagnostik (OPD) hilft uns dabei. Diese schaut zum einen auf die Beziehungsgestaltung der Patienten (Objekterfahrungen) und zum anderen trifft sie Aussagen über deren Integrationsniveau (Ich-Funktionen). Weiß man nun welche Ich-Funktionsdefizite und Defizite in der Beziehungsregulation vorliegen, kann man den Patienten dementsprechend auch behandeln. In der Suchthilfe wird hierfür die psychoanalytisch interaktionelle Methode (PIM) angewendet. Denn wenn man die Sucht als Kompensation verlorener Beziehungsfähigkeit ansieht, ist dementsprechend eine Therapie mit dem Fokus der Beziehungsgestaltung erforderlich. Wir sind der Meinung, dass abhängige und strukturell gestörte Patienten mit mangelnden inneren Beziehungsmustern, stabile Beziehungsangebote für die positive Behandlung benötigen. Hierzu nimmt der Therapeut beispielsweise eine aktive Haltung ein, indem er dem Patienten gegenüber eigene Gefühle ausdrückt, soweit er meint, dass dies für die Therapie förderlich ist. Oder er übernimmt zeitweise Hilfs-Ich-Funktionen, indem er darauf hinweist, wie er sich in bestimmten Situationen verhalten würde. Je mehr solcher positiven Begegnungen der Patient in der Therapie macht, desto größer wird auch seine Lust darauf sein weitere positive Beziehungserfahrungen zu machen. Und desto positiver ändert sich seine Wahrnehmung und Sicht auf die Menschen und der Welt.

Begleitend mit amüsanten Bildern der Reihe „Kunst aufräumen" und mit auflockernden Sprüchen, seitens der referierenden Frau Dr. Fennen, wurde das sehr aufmerksame Publikum gelegentlich aus der Konzentration gerissen, ohne jedoch den Sinn für die Fachlichkeit zu verlieren. Dies unterstreicht auch nochmal die rege Beteiligung der Zuhörerschaft beim gemeinsamen Gedankenaustausch am Ende des Vortrags von sowohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Suchthilfe, als auch der Gäste. Bevor dann zum gemeinsamen Mittagessen geladen wurde, hatten die Besucher etwas Zeit sich die Beine zu vertreten und gleichzeitig die Gelegenheit, sich die Fachklinik etwas genauer anzuschauen. Gesättigt und voller Elan ging es weiter im Programm. Aus drei unterschiedlichen Arbeitsgruppen, alle jedoch an das Thema des Tages angelehnt, konnten die Besucher aussuchen, an welcher sie teilnehmen mochten. Zur Auswahl standen Ethische Kritik an Behandlungsmanualen (geleitet von Dipl.-Psychologen Thomas Greitzke), Das OPD-Modul für Abhängigkeitserkrankungen (Dipl.-Psychologe Dietmar Huland) und Das Phänomen der Doppeldiagnose aus tiefenpsychologischer Sicht (Dr. med. Stefan Schaffitzel). In dieser offenen, kollegialen Stunde des Austausches entwickelten sich in den einzelnen Gruppen mitunter lebhafte Diskussionen. Doch gleichgültig ob Laie oder Vertrauter dieser Thematik – es war informativ und hat Spaß gemacht. So wie es an einem Beratungsstellentag auch sein sollte. Am Nachmittag klang dieser dann gemütlich bei Kaffee und Kuchen aus. Insgesamt war der diesjährige Beratungsstellentag wieder ein großer Erfolg mit einem himmlischen Wetter und einer großartigen Atmosphäre, bei der sich die Besucher allesamt wohlfühlten. Mit einer guten Organisation und der fachlichen Kompetenz ist es gelungen, den anwesenden Besuchern aufzuzeigen, wie man bei der Suchthilfe arbeitet. So freut man sich die Beratungsstellen auch nächstes Jahr wieder zum Informations- und Beratungsstellentag einladen zu dürfen.