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Martinshaus Kleintobel führt Beschulung auf gymnasialem Niveau ein

08.07.2014 | von Sonja Friedel

Das Kultusministerium Baden-Württemberg sagt im Einvernehmen mit dem Sozialministerium die Genehmigung für den Bildungsgang „bildungsunabhängige Beschulung" Sekundarstufe I zu.

Gymnasialklassen an einer Schule für Erziehungshilfe – das gibt es bisher nicht und im Martinshaus Kleintobel gab es sie bisher nur probeweise. Nun darf die Schule für Erziehungshilfe Martinshaus Kleintobel im Rahmen des Bildungsgangs „bildungsgangunabhängige Beschulung" Sekundarstufe I im Schulversuch Gymnasialklassen für die Stufen 5 - 8 anbieten.

Durchschnittlich mehr als 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler des Martinshauses erreichen in Kleintobel den Realschulabschluss. „Keine Selbstverständlichkeit", sagt Schulleiter Thomas Frick, „denn das emotionale Erleben und soziale Handeln der jungen Menschen ist bei deren Ankunft im Martinshaus stark belastet." Die beeinträchtigte Entwicklung der Kinder und Jugendlichen äußere sich häufig in Verhaltensauffälligkeiten.

In den vergangenen Jahren waren immer mehr junge Menschen unter den Schülerinnen und Schülern, die durch ihr hohes Begabungsniveau auffielen. Viele von ihnen wurden im Vorfeld der stationären Aufnahme im Martinshaus wegen starker Verhaltensauffälligkeiten von einem Gymnasium auf eine Realschule zurückgestuft. Da die Schule am Martinshaus bis vergangenen September lediglich auf Realschulniveau unterrichtete, bedeutete das für diese Schülerinnen und Schüler den Abbruch der ursprünglich eingeschlagenen Schullaufbahn.

„Ziel unserer Schule ist, die jungen Menschen so zu begleiten, dass sie entweder wieder an eine Regelschule zurückkehren oder ihren Abschluss im Martinshaus machen können", verdeutlicht Geschäftsführer Jonathan Hörster das Thema Anschlussfähigkeit an die Regelschule. Das war vor der probeweisen Einrichtung der Gymnasialklassen aber nur für Realschüler möglich. Vor diesem Hintergrund war es den Verantwortlichen im Martinshaus wichtig, dass auch Schülerinnen und Schüler, die von ihrer Begabung her auf ein Gymnasium gehören, die Möglichkeit bekommen, aus der Schule für Erziehungshilfe heraus wieder an ein Regelgymnasium zu wechseln.

So geht das Martinshaus nun im Schulversuch neue Wege, um jungen Menschen mit höherem Begabungsniveau eine adäquate Beschulung und somit die Fortführung der eingeschlagenen Schullaufbahn zu ermöglichen. Zur Stabilisierung des emotionalen Erlebens und des sozialen Handelns gilt auch in den Gymnasialklassen der seit Jahren bewährte Ansatz der Erlebnispädagogik, musisch-künstlerische Angebote, Einzelbegleitungen der Schüler, tiergestützter Unterricht und Kooperationen mit außerschulischen Partnern wie Fußball-, Box- oder Tennisvereinen, wie der stellvertretende Schulleiter Daniel Murr betont.