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Autismus in der Schule? Ein Fachtag für Lehrerinnen und Lehrer von Regelschulen

03.12.2012 | von Sonja Friedel
Das Regierungspräsidium Tübingen veranstaltet am 06.12.2012 gemeinsam mit dem Martinshaus Kleintobel, Jugendhilfe der Zieglerschen, einen Fachtag zu den Themen Autismus bzw. Asperger-Syndrom, zu gelingenden Bedingungen für den Unterricht und zu sozialem Kompetenztraining.
Eine autistische Störung ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die mit einer Problematik im sozialen Umgang mit Mitmenschen, in der Kommunikation und in sich stets wiederholenden Handlungen einhergeht. Ebenso sind Auffälligkeiten in der psychomotorischen Entwicklung und der Wahrnehmung festzustellen. Im Jahr 1943 wurde die autistische Störung durch Leo Kanner in den USA und Hans Asperger in Österreich noch konkretisiert und in der Autistischen-Spektrums-Störung zusammengefasst. Während der frühkindliche Autismus nach Leo Kanner mit einer Verzögerung in der kognitiven Entwicklung und Sprache einhergeht, können Menschen mit dem Asperger Syndrom nach Hans Asperger ein relativ normales Leben führen. Sie gehen zur Schule, machen eine Ausbildung oder studieren und promovieren.
Betroffene Kinder und Jugendliche haben aufgrund einer veränderten Wahrnehmung und einem mangelndem Einfühlungsvermögen Schwierigkeiten, Gesten, Mimik oder Sprache ihres Gegenübers richtig zu verstehen. Sie wissen teilweise nicht, wie man sich in einer Gruppe verhält, denn die Werte und Normen des sozialen Zusammenlebens sind für sie einfach unlogisch. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf das Zusammenleben mit anderen Menschen und die Interaktion in der Schule. Eine Kontakt- und Kommunikationsstörung, sowie sonderbare Verhaltensweisen erschweren die Situation für Menschen mit einer Autistischen-Spektrums-Störung zusätzlich.

Auch Hannes erlebt diese Situationen täglich. Er spricht gerne über Züge und verliert sich im Detail. Nur noch selten kann er mit seinem Wissen bei den Kameraden punkten. Seine starke Konzentration und leichte Auffassungsgabe haben ihm den Titel Streber eingebracht und öfter ist er Zielscheibe von Hohn und Spott der Mitschüler. Die Schule steht bei ihm und anderen jungen Menschen mit einer Autistischen-Spektrums-Störung vor der Herausforderung, mit einer Kombination aus hoher Intelligenz, sonderbaren Verhaltensweisen, Lernproblemen, großen Klassen und den Reaktionen der Mitschüler umzugehen.

Der Fachtag „Autismus in der Schule und jetzt?" will Lehrerinnen und Lehrer von Regelschulen über Autistischen-Spektrums-Störung informieren und Erfahrungen von Schülerinnen und Schülern und deren Eltern weitergeben. Für eine gelingende Integration dieser Schüler in der Regelschule ist es wichtig, ihre Probleme und Bewältigungsstrategien, zu verstehen und zu erfahren, welche Hilfen angeboten werden können. Zur Handlungskompetenz im Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit einer Autistischen-Spektrums-Störung werden Aufgaben und praktische Übungen durchgeführt. Dazu gehören praxisnahe Vorschläge bis hin zu Übungen im Bereich des Sozialkompetenztrainings.

Das Martinshaus Kleintobel ist im Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit einer Autistischen-Spektrums-Störung sehr erfahren. Seit über 30 Jahren werden junge Menschen unterrichtet, deren Förderung in einer allgemeinen Schule nicht mehr ausreichend gewährleistet werden konnte. Seit 2005 sind zusätzlich fünf Intensivklassen eingerichtet, in denen der Unterricht explizit auf die jeweiligen Bedürfnisse des einzelnen Kindes oder Jugendlichen abgestimmt ist.