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Wenn die Chemie stimmt, profitieren alle

21.03.2014 | von Eva Huchler

Zur Unterschrift des Kooperationsvertrags drücken auch die Lehrerinnen und Schulleiterinnen die Schulbank.
Was sich seit September 2013 etabliert hat, erhält nun den formalen Segen der beiden Schulleiterinnen. Die Erstklässler ließen es sich gemeinsam mit ihren Lehrerinnen nicht nehmen, die Schulleiterin der Kißlegger Grund- und Werkrealschule, Doris Kurzhagen und die Leiterin der Sprachheilschule Arnach, Heidi Doubek, bei Kaiserwetter mit einem Frühlingslied zu begrüßen, bevor ein Kooperationsvertrag für die neue Außenklasse unterschrieben wurde.

Tatsächlich begann die Kooperation aber schon früher: Zu Schuljahresbeginn taten sich die beiden Schulen zusammen, um ein neues Angebot für die Schulanfänger ins Leben zu rufen. Mehrere Kinder mit erhöhtem Förderbedarf im Bereich Sprache sollten in Form einer Außenklasse gemeinsam mit den Kindern der Regelschule in einer Klasse lernen. Ausgangspunkt für die Entwicklung dieses Angebots waren Anfragen von Eltern von Kindern mit Sprachproblemen aus der Raumschaft Kißlegg, die ihre Kinder gern wohnortnah in einer Außenklasse beschulen lassen wollten.

„Solche gruppenbezogenen Inklusionsmodelle bieten für alle Schülerinnen und Schüler tolle Möglichkeiten. Die Lehrkraft der Grundschule und die Lehrkraft der Sonderschule arbeiten gemeinsam in der Klasse. So können alle Kinder gemeinsam lernen und gleichzeitig erhalten die Kinder mit Hör-Sprachbehinderung die intensive sprachheilpädagogische Förderung, die sie benötigen.", erklären Doris Kurzhagen und Heidi Doubek. In der neuen Kooperationsklasse der Grundschule Kißlegg heißt das, dass die Klasse an drei Vormittagen in der Woche von zwei Lehrerinnen, einer Sprachheilpädagogin der Sprachheilschule der Zieglerschen und einer Grundschullehrerin der Kißlegger Grundschule, unterrichtet werden. Die Sprachheillehrerin Dr. Maria Keller gewährt Einblicke in die Praxis dieses besonderen Unterrichtsalltags: „Manchmal gestalten Frau Killat und ich den Unterricht gemeinsam und manchmal nutze ich den uns zusätzlich zur Verfügung stehenden Therapieraum zur Schwerpunktarbeit mit Kleingruppen." Nachmittags erhalten die Kinder mit Sprachförderbedarf zusätzliche Angebote wie Psychomotorik und Einzelförderung.

Eine solch eng verzahnte Zusammenarbeit zweier Lehrkräfte mit unterschiedlichen Schwerpunkten gelingt aber nicht automatisch. Die gemeinsame Arbeit in einer solchen Kooperationsklasse bedarf viel Abstimmung untereinander und ein neues Rollenverständnis. Beide Lehrkräfte müssen Verantwortung für die ganze Klasse übernehmen. In Kißlegg ist das kein Thema: „Wenn die Chemie stimmt, profitieren alle. Die Lehrkräfte, vor allem aber die Schülerinnen und Schüler. Dadurch, dass mehrere Kinder mit Förderbedarf im Bereich Sprache in die Klasse integriert sind, können viele Stunden sprachheilpädagogischen Unterrichts stattfinden. Eine Unterscheidung zwischen Kindern mit und ohne Sprachproblemen gibt es dabei nicht. Viele der Kinder wissen gar nicht, dass manche von ihnen besonderen Förderbedarf haben und manche nicht.", erklärt Ulrike Killat, Klassenlehrerin und Grundschulpädagogin.

Die 25 Erstklässler der Kooperationsklasse der Grundschule Kißlegg wissen nur, dass sie zwei Lehrerinnen haben, die sie beim Lernen begleiten, die ihnen helfen und sie unterstützen - ob die Kinder selbst das jetzt gut finden oder nicht, das haben sie beim Besuch der beiden Schulleiterinnen nicht verraten.