Titelbild


Sicher unterwegs dank starker Schüler

29.04.2014 | von Eva Huchler

Mit den Busbegleitern sicher unterwegs nach Hause.
Provozieren, schubsen oder beleidigen: Wenn Schülerinnen und Schüler nach der Schule mit dem Bus nach Hause fahren, gibt es immer wieder Anlässe für Streit. Insbesondere jüngere Kinder leiden darunter, wenn ältere SchülerInnen unachtsam mit ihnen umgehen oder Ärger an ihnen auslassen. Dann finden sie keinen Sitzplatz, werden weggeschubst oder ausgelacht. Das Problem ist, dass die Kinder beim Busfahren keinen Ansprechpartner haben - ihre Lehrer fahren nicht im Bus mit und der Busfahrer muss sich auf den Straßenverkehr konzentrieren.
Damit die Busfahrt zur Schule für Kinder nicht zum Spießrutenlauf wird, haben der Landkreis Ravensburg, die Polizei, regionale Busunternehmen und Schulen des Landkreises das Projekt der Busbegleiter auf den Weg gebracht. Dabei übernehmen Schülerinnen und Schüler Verantwortung füreinander: Sie werden als Busbegleiter professionell geschult und dienen anderen Kindern im Bus als Ansprechpartner. Ihre Aufgabe ist es, sich einzumischen, wenn es Streit gibt und anderen Kindern zu helfen, wenn sie Unterstützung brauchen.

Doch das klappt nicht von allein. Immerhin müssen die Busbegleiter unter Umständen ihre eigenen Klassenkameraden in die Schranken weisen. Das funktioniert weder mit Befehlston noch mit zaghaftem Bitten. Der richtige Ton will gelernt sein, um von den Gleichaltrigen im Bus akzeptiert zu werden. Deshalb erhielten die Fünft- und Sechstklässler des Sprachheilzentrums Ravensburg, die sich als Busbegleiter engagieren, eine professionelle Schulung durch die Polizei. An zwei Vormittagen übten sie in praktischen Rollenspielen in einem extra zur Verfügung gestellten Schulbus der Firma Omnibus Müller gemeinsam mit zwei Polizeibeamten, wie sie mit schwierigen Situationen im Bus umgehen können.
„Dabei nehmen die Schülerinnen und Schüler eine verantwortungsvolle Rolle ein und das Ergebnis spricht für sich: Seit das Projekt im Jahr 2004 begonnen wurde, melden die Busunternehmen einen deutlichen Rückgang an Vandalismus in ihren Bussen und weniger Streitsituationen während der Fahrten.", erklärt Polizeibeamtin der Kriminal- und Verkehrsprävention Sabine Berger während des Coachings der Busbegleiter am Sprachheilzentrum der Zieglerschen. „Es ist toll, zu sehen, wie sich die Schülerinnen und Schüler auf die Schulung einlassen, mit wie viel Elan sie ihre Aufgabe wahrnehmen und wie viel Spaß sie daran haben."


Antje Fricker-Dahlke, Schulsozialarbeiterin der Jugendhilfe der Zieglerschen, ist am Sprachheilzentrum Ansprechpartnerin für die Busbegleiter. „Die intensive Begleitung ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. Die Schülerinnen und Schüler brauchen Austausch, Beratung und Rückendeckung, damit sie sich ihrer Aufgabe gewachsen fühlen können.", erklärt sie. „Dann ist die Busbegleitung für die Kinder und Jugendlichen keine lästige oder unangenehme, sondern eine ehrenvolle Aufgabe." Jessica drückte das am Ende des zweiten Schulungstags so aus: „Meine Arbeit als Busbegleiterin ist quasi wie ein Nebenjob - zwar ein unbezahlter, aber ein toller Nebenjob!"

Das Engagement als Busbegleiter im Sprachheilzentrum zahlt sich für die Schülerinnen und Schüler anders aus: Der Eintrag im Endjahreszeugnis kann später bei einer Praktikums- oder Ausbildungssuche helfen - daran kann jeder Arbeitgeber gleich bei der Bewerbung erkennen, dass ihm hier eine couragierte junge Persönlichkeit gegenübersteht.