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Die Arbeit in einer Außenklasse – ein Blick hinter die Kulissen

31.07.2014 | von Eva Huchler

Karin Leibold und Sylvia Kaiser berichten aus ihrem Berufsalltag in den Außenklassen der Sprachheilschule Friedrichshafen an der Sommertalschule.

Karin Leibold und Sylvia Kaiser sind Sprachheilpädagoginnen der Sprachheilschule Friedrichshafen und arbeiten jeweils in einer Außenklasse an der Sommertalschule in Meersburg. Solche inklusiven Beschulungsformen sind zwischenzeitlich nichts Exotisches mehr. Streitbar bleibt das Thema, ob inklusive Beschulung für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf immer das Beste ist. Aber was bedeutet das für die Lehrerinnen, in einer Außenklasse an einer anderen Grundschule zu unterrichten? – Ein Blick hinter die Kulissen mit Karin Leibold und Sylvia Kaiser.

„Für mich liegt in der inklusiven Beschulung von Kindern mit Hör-Sprachbehinderung die Zukunft.", erklärt Karin Leibold, die mittlerweile seit drei Jahren als Lehrerin der Sprachheilschule Friedrichshafen an der Sommertalschule in Meersburg arbeitet. Gemeinsam mit ihrem Kollegen aus der Grundschule betreut sie eine Eingangsklasse von 21 Kindern, davon haben sechs eine Sprachbehinderung. „Es war schon eine Veränderung im Vergleich zum Unterricht an der Sprachheilschule, als ich die Außenklasse in der Sommertalschule übernommen habe. Zunächst sind da ganz banale Dinge, wie die größere Klassenstärke. In einer Klasse der Sprachheilschule sind etwa 12 Kinder, hier sind es fast doppelt so viele. Und das Leistungsspektrum in einer Grundschulklasse ist viel größer." In den Inklusionsklassen des Hör-Sprachzentrums der Zieglerschen wird nach dem Konzept des Teamteachings gearbeitet. Das Konzept sieht vor, dass beide Lehrkräfte die Klasse zusammen unterrichten und gemeinsam die Verantwortung für alle Kinder – mit und ohne Behinderung – tragen. Das gemeinsame Unterrichten zusammen mit einem anderen Lehrer war für Karin Leibold nicht neu, das war sie aus der Sprachheilschule gewohnt. Wohl war es aber neu für ihren Kollegen aus der Grundschule, mit den Vor- und Nachteilen, die das Teamteaching mit sich bringt: Für Absprachen wird zusätzliche Vorbereitungszeit benötigt, dafür kann man sich die Aufgaben aber auch aufteilen. „Hier ist Sensibilität gefragt.", erklärt Sylvia Kaiser, die seit Januar diesen Jahres Drittklässler in einer Außenklasse an der Sommertalschule betreut. „Für eine gelingende Inklusion der Schülerinnen und Schüler mit Sprachauffälligkeiten brauchen wir gewisse Rahmenbedingungen. Dazu gehören zum Beispiel ein zusätzlicher Raum, den ich für Therapieeinheiten mit den hör-sprachbehinderten Kindern nutzen kann und eine Anbindung an die Sprachheilschule. Mindestens genauso wichtig ist aber die Offenheit des Kollegiums an der Grundschule. Voraussetzung für eine solche Offenheit und ein gutes Miteinander mit dem Teampartner ist, dass ich für Fragen der Grundschullehrer, was sprachheilpädagogisches Knowhow betrifft, ansprechbar bin. Voraussetzung ist aber auch, dass ich hier nicht als Spezialkraft auftrete. In erster Linie sehe ich mich als Lehrerin – für alle Kinder."

Beide Sprachheilpädagoginnen verstehen es als eine Bereicherung für sich selbst, an der Sommertalschule in Meersburg in einem inklusiven Setting arbeiten zu können. Dadurch haben sich auch ihre Aufgaben ein bißchen erweitert: „Heute habe ich neben der Lehrtätigkeit einen größeren organisatorischen Schwerpunkt als an der Sprachheilschule und ich muss insgesamt mehr Verantwortung tragen.", so Karin Leibold. Aber das macht ihr Spaß.

Gleichzeitig gibt es auch Aspekte, unter welchen die Sprachheilschule bessere Bedingungen bieten kann. Es macht natürlich einen Unterschied, ob Kinder mit Sprachbehinderung in einem Klassenverbund von 12 oder von 21 Kindern unterrichtet werden. Auch die Akustik ist in der Sprachheilschule – speziell für die Kinder mit Förderbedarf eingerichtet – viel besser. „Aus meiner Sicht muss bei der Entscheidung, ob ein Kind in einer Außenklasse oder in der Sprachheilschule unterrichtet werden soll, das einzelne Kind in den Blick genommen werden. Wenn es Einschränkungen im auditiven Bereich hat, ist die übliche Klassenstärke einer Grundschule zu groß und die Raumakustik in der Sprachheilschule viel hilfreicher. Auch das Selbstwertgefühl der Kinder in einer inklusiven Beschulungsform sollte ein gesundes sein – denn natürlich merken sie im Schulalltag manchmal, dass sie sprachlich an ihre Grenzen kommen und andere Schülerinnen und Schüler in diesem Bereich stärker sind. Wenn die Kinder damit umgehen können, ist die inklusive Beschulung eine tolle Option", reflektiert Sylvia Kaiser.

Karin Leibold und Sylvia Kaiser können in ihren Außenklassen in Meersburg jedenfalls das Beste aus beiden Schulformen vereinen. Sie gehören einfach dazu – zur Meersburger Sommertalschule und zur Sprachheilschule Friedrichshafen.