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Bildhauer Robert Schad zum Anfassen

19.07.2012 | von Katharina Stohr

Robert Schad wurde nicht müde, zig Fragen seiner kleinen Fans zu beantworten. Links von ihm die freiberufliche Kuturfrau Andrea Dreher. (Foto: Katharina Stohr)

Lange Schlange im Eingangsbereich des Sprachheilzentrums in Ravensburg: Der Bildhauer Robert Schad sitzt weit hinten an einem Tisch, gibt Autogramme und wird nicht müde, zahlreiche Fragen seiner kleinen Fans zu beantworten. Gerade noch hat er sich Draht-Skulpturen, eine Performance und Brunnen-Kunstwerke von rund 40 Schülerinnen und Schülern mit Hör-Sprachstörungen aus den Klassen eins bis fünf angesehen. »Ihr alle seid kleine Künstler«, sagt er zu den Kindern.

Lange Schlange im Eingangsbereich des Sprachheilzentrums der Zieglerschen in Ravensburg: Der Bildhauer Robert Schad sitzt weit hinten an einem Tisch, gibt Autogramme und wird nicht müde, zahlreiche Fragen seiner kleinen Fans zu beantworten. Gerade noch hat er sich Draht-Skulpturen, eine Performance und Brunnen-Kunstwerke von rund 40 Schülerinnen und Schülern mit Hör-Sprachstörungen aus den Klassen eins bis fünf angesehen. „Ihr alle seid kleine Künstler", sagt er zu den Kindern.
Andrea Dreher, freiberufliche Kulturfrau, hat möglich gemacht, was sich viele davor nicht träumen lassen hatten: Über einen Zeitraum von vier Wochen begleitete sie drei Schüler-Teams mit Lehrerinnen des Sprachheilzentrums beim Kunstprojekt „Schad", bei welchem sich alle auf „Linie, Raum und Spannung eingelassen haben", so Dreher. Themen also, die den international anerkannten Künstler selbst bewegen. „Es gibt drei Robert-Schad-Plastiken, die wir alle anfassen konnten und die ich den Kindern zeigen wollte", sagt Dreher. Und so zogen die Teams vor Ort, fassten im Stadtgarten Weingarten die „Nirme" aus Stahl an, liefen Linien nach, berührten die „Berger Winde" und begutachteten die Vierkant-Stahlfiguren im Schad-Brunnen in Ravensburg.
Durch diese Eindrücke inspiriert, schufen die kleinen Künstler im Laufe der vergangenen Wochen vielfältigste und kreativste Kunstwerke: Etwa Granitplatten mit Drahtgewinden, Schad-Tagebücher mit eigenen Skizzen, Zeichnungen und Notizen oder die abschließende Kunst-Performance mit geschiftetem Holz, bei welcher Skulpturen durch Bewegung entstanden. „Das ist mein Fantasie-Brunnen", sagt ein Junge aus der ersten Klasse und erklärt, dass der grüne Pfeifenputzer, der aus der durchsichtigen, mit Wasser gefüllten Plastikwanne herausragt, so etwas ähnliches wie eine der vielen Skulpturen im Schad-Brunnen sei. „Wie man jetzt hier sieht, haben die Kinder wunderbar begriffen, dass hinter einem Kunstwerk ganz viele Gedanken stecken", sagt Dreher mit Blick auf ihre eigene Aufgabe der Kunstvermittlung und die gesamt entstandenen Werke.
Dass Schad selbst zum Projektabschluss ins Sprachheilzentrum kommen konnte, ist einer glücklichen Fügung zu verdanken, wohnt er doch seit Jahren in Frankreich. „Das macht wahnsinnig Spaß - ich habe eigentlich selten das Gefühl, dass Menschen mit so wenig Vorurteilen herangehen und versuchen, das, was sie denken oder was sie fühlen direkt zu übertragen", antwortet Schad auf die Frage, wie er sich als Künstler fühlt, wenn er die Ergebnisse der jungen Menschen sieht, die sich mit ihm und seiner Kunst beschäftigt haben.
Für Lehrerin Gabi Löffler, die den Kontakt zu Andrea Dreher hergestellt hat, war der Sinn des Projektes, „dass man Kunst auch einmal ganz anders näher bringt". Außerdem findet sie wichtig, „dass sich unsere Kinder durch diese Darstellung ausdrücken können, ohne dass etwas Sprachliches im Vordergrund steht". „Ich glaube, dass die Kreativität eben auch zur Überwindung manch innerer Blockaden notwendig ist", sagt Schad. „Und wenn das in der Art und Weise praktiziert wird, wie das hier praktiziert worden ist, trägt es mit Sicherheit dazu bei, dass verschiedene Verkrampfungen, die auch mit Sprachstörungen zu tun haben, aufgelöst werden oder zumindest vermindert werden können."

Skulpturen durch Bewegung: Mit geschiftetem Holz schufen die Schülerinnen und Schüler des Hör-Sprachzentrums Kunstwerke während einer Performance.  
Bilderstrecke: Kleine und große Künstler treffen sich im Sprachheilzentrum (8 Bilder).