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Zieglersche vor großen Investitionen - Politik muss stärker unterstützen

23.10.2012 | von Christof Schrade

In den Zieglerschen zeichnet sich für die kommenden Jahre eine schwierige wirtschaftliche Situation ab. Die Umsetzung von behördlichen Auflagen und unverzichtbare Sanierungs- und Neubauvorhaben machen Investitionen von rund 90 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren notwendig. Der Vorstand der Zieglerschen appelliert dabei eindringlich an die Landespolitik, die Träger der freien Wohlfahrt bei der sozialpolitisch gewollten und notwendigen Neuausrichtung finanziell angemessen auszustatten. Die Zieglerschen haben jetzt ein erstes Maßnahmenpaket geschnürt, um die wichtigen Investitionen der nächsten Jahre möglich zu machen.

Erste Entscheidungen sind bereits gefallen. Das gemeinsame Projekt Bonhoefferhaus mit der Kirchengemeinde Biberach, in dem Menschen mit Be-hinderung wohnen und arbeiten sollten, haben die Zieglerschen bereits Anfang des Monats abgesagt. Unter den aktuellen, ungenügenden Refinanzierungsbedingungen hätten die Zieglerschen Jahr für Jahr ein Defizit von deutlich über 100.000 Euro zu bewältigen gehabt. Eine zweite Maßnahme: Das weit über Wilhelmsdorf hinaus bekannte Jugenddiakoniefestival am zweiten Juli-Wochenende wird erstmals seit acht Jahren nicht stattfinden. Ab 2014 soll es wieder ein Jugenddiakoniefestival geben, allerdings gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Württemberg, so dass die organisatorischen und finanziellen Lasten auf mehrere Schultern verteilt werden. Und schließlich wird die Planung für eine neue Zentralküche der Zieglerschen, die gleich mehrere Produktionsküchen der Region ersetzen sollte, erst einmal ausgesetzt. Die Zieglerschen nehmen sich ein Jahr Zeit, um Alternativen durchzurechnen. Jetzt wird geprüft, ob es günstiger geht, beispielsweise, indem die Zieglerschen ihre Häuser durch einen Caterer beliefern lassen. Daneben erheben wir erneut, wie viele Menschen in den Zieglerschen zukünftig mit Essen versorgt werden müssen. Das kann Auswirkungen auf die Größe der Küche haben. Für die Küche in der derzeit geplanten Größe haben die Zieglerschen ein Investitionsvolumen von etwa 5,7 Millionen Euro errechnet.
Mit diesen und weiteren Maßnahmen möchten die Zieglerschen die notwendige Verbesserung ihres wirtschaftlichen Ergebnisses erreichen, um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.

Wie Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Harald Rau betont, steigen die Vorgaben und Standards durch die Landesheimbauverordnung und Brandschutzauflagen immer stärker an und verteuern dadurch das Bauen oder erfordern aufwändige Sanierungs- und Anpassungsmaßnahmen. Auch die Baupreise selbst sind in der jüngsten Zeit sehr schnell gestiegen. Doch diesen Preissteigerungen hinkt die übliche und unverzichtbare öffentliche Förderung weit hinterher. „Damit sind unsere Projekte nicht mehr ausreichend refinanziert", so Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Harald Rau.

Auch im Licht dieser Herausforderungen sehen die Zieglerschen ihre in die Zukunft gerichtete Strategie für richtig an. „Wir wollen unsere Angebote, die heute sehr gut nachgefragt werden, so gestalten, dass sie auch künftig attraktiv sind. Dazu müssen wir Geld in die Hand nehmen", erklärt Rau. Den Anstrengungen, die die Zieglerschen wie auch andere Träger unternehmen müssen, um auch künftig die Standards zu erfüllen, müsse aber auch die öffentliche Hand etwas hinzufügen. „Zeitgemäße Projekte im Sinne der Inklusion wie das Bonhoefferhaus in Biberach oder andere unserer Projekte sind zwar politisch gewollt. Aber sie werden noch nicht hinreichend gefördert. Die Umwandlung von Komplexeinrichtungen in kleinere, wohnortnahe und dezentrale Angebote können die Träger finanziell nicht alleine schultern", appelliert Rau an die Landespolitik, zügig zu handeln.