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Vorstandsvorsitzender verabschiedet Schulleiter

11.08.2014 | von Sarah Benkißer
Rau-Niermann und Rau-Sindermann
Prof. Dr. Harald Rau verabschiedet die Schulleiter Pit Niermann (links) und Joachim Sindermann.(rechts) / Fotos: Sarah Benkißer

Sie haben die Zieglerschen geprägt, jeder mit seinem ganz persönlichen Stil: Pit Niermann, Direktor der Heimsonderschule Haslachmühle (Behindertenhilfe), und Joachim Sindermann, Leiter des Hör-Sprachzentrums Altshausen, sind zum 31. Juli in den Ruhestand gegangen. Zuvor traf der Vorstandsvorsitzende der Zieglerschen, Prof. Dr. Harald Rau, sie an ihrem jeweiligen Wirkungsort noch einmal zum Gespräch.

 

Impulse für die Inklusionsdebatte
„Sie haben mir geholfen, meinen Blick auf Inklusion zu entwickeln“, sagte Prof. Dr. Harald Rau dankend zu Pit Niermann, der neun Jahre lang die Heimsonderschule Haslachmühle für Kinder mit geistiger und zusätzlicher Hör-Sprachbehinderung geleitet hat. Niermann habe ihm, so Rau weiter, immer wieder entscheidende Denkimpulse gegeben, wenn es um Inklusion gegangen sei. Er habe stets aufgezeigt, dass man in der Diskussion um die Teilhabe behinderter Menschen das gesamte Spektrum sehen müsse. Wer das Wahlrecht für Menschen mit Behinderung ernst nehme, dürfe auch das Angebot der Spezialeinrichtung nicht einfach infrage stellen, bestätigte Niermann im Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden.

Die Haslachmühle nahe Horgenzell  genießt als Einrichtung für Menschen mit geistiger und zusätzlicher Hör-Sprachbehinderung – auch dank Pit Niermann – einen hervorragenden Ruf. Dies sei nicht nur der hohen fachlichen Qualität zu verdanken, sondern auch der guten Zusammenarbeit der einzelnen Bereiche vor Ort, betonte Prof. Dr. Rau. „Ich sehe in der Haslachmühle das ideale Miteinander von Schule und Heimbereich“, konstatierte er anerkennend. Das liege auch an der herzlichen Art Pit Niermanns im Umgang mit Mitarbeitern, Kollegen und vor allem mit den Bewohnern und Schülern der Haslachmühle. Pit Niermann zeigte sich angesichts seiner Verabschiedung aus dem aktiven Schuldienst sichtlich bewegt: „Ich fühle mich mit der Haslachmühle verwoben, vor allem mit den Schülern. Hier erlebe ich Menschen in ihrer ganzen Vielfalt, Menschen, die sehr direkt und unglaublich ehrlich sind. Das ist so einzigartig.“

 

Eine Vision macht Schule
„Sie sind ein Visions-Ermöglicher. Sie haben etwas geschaffen, durch das die Menschen im positiven Sinne auf uns schauen“, zu diesen anerkennenden Worten griff Prof. Dr. Harald Rau bei seinem Besuch bei Joachim Sindermann im Hör-Sprachzentrum Altshausen. Sindermann hat mit der Leopoldschule tatsächlich Außergewöhnliches geleistet: Seit dem Schuljahr 2012/13 lernen Schülerinnen und Schüler im Hör-Sprachzentrum Altshausen – einer evangelischen Ganztagesschule für Schüler mit einer Hörbehinderung oder zentral-auditiven Sprachstörungen – jahrgangs- und bildungsgangsübergreifend selbstorganisiert. Die Einführung dieses Lernzonen-Konzepts bedeutete nicht nur eine tiefgreifende Veränderung der pädagogischen Arbeit, sondern spiegelt sich auch in der Architektur der neu gebauten Schule wider.

Bis das Konzept umgesetzt werden konnte, war es ein weiter Weg, erinnerte sich Joachim Sindermann im Gespräch mit Prof. Dr. Rau: „Seit 1999 habe ich die Pläne in der Schublade gehabt. Und am Anfang habe ich hier 49 Feinde gehabt.“ Letztlich war das Projekt doch von Erfolg gekrönt – auch dank der Unterstützung von Vorstand und Geschäftsführung. „Es ging nur über das Vertrauen, das Sie als Vorstand darein gesetzt haben“, bekräftigte Sindermann gegenüber Prof. Dr. Rau. Dass ihm nun im Ruhestand etwas fehlen könnte, davor hat Joachim Sindermann keine Angst: „ Wissen Sie, so eine gepflegte Langeweile kann man ja auch genießen.“ Rückblickend auf sein Berufsleben sagte er: „Das, was ich machen wollte, habe ich gemacht.“