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Vision für das neue Bonhoefferhaus

24.05.2012 | von Sarah Kanzen
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Pfarrer Edzard Albers (r.), Bonhoefferkirche Biberach, diskutiert mit Vertretern des Werkstattrats der Behindertenhilfe der Zieglerschen über das neue Bonhoefferhaus. - Bild: Sarah Kanzen

Biberach – Auf dem Gelände der heutigen Bonhoefferkirche Biberach wird das „neue Bonhoefferhaus“ entstehen - ein wegweisendes Kooperationsprojekt der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Biberach und der Zieglerschen, das Kirche und Diakonie verbinden soll. Mit der Eröffnung ist wegen umfänglicher Baumaßnahmen erst 2015 zu rechnen, die Projektbeteiligten machten sich aber jetzt schon auf den Weg, eine »Vision« für das Projekt zu entwickeln - gemeinsam mit Vertretern des Landkreises, der Gesamtkirchengemeinde, Angehörigen und Menschen mit Behinderung.

»Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen«, mit diesen Worten aus Jesaja 65, Vers 17, eröffnete Pfarrer Edzard Albers am vergangenen Wochenende den »Visionstag Bonhoefferhaus«. Knapp 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich in der »Wohnzimmerkirche« auf dem Biberacher Mittelberg eingefunden, unter ihnen Hermann Kienle, Sozialamtsleiter des Landkreises Biberach, Pfarrer Peter Schmogro und weitere Vertreter des Evangelischen Gesamtkirchengemeinderats, Vertreter der Bonhoefferkirchengemeinde sowie der Zieglerschen. Gemeinsam tauschten sie sich zu einem wegweisenden Leuchtturmprojekt aus, das Kirche und Diakonie verbinden und die Inklusion von Menschen mit Behinderung befördern soll: das Projekt »Bonhoefferhaus«.

Kirchengemeindearbeit, Wohn- und Tagesstrukturangebote für Menschen mit Behinderung und die Diakoniesozialstation der Altenhilfe der Zieglerschen - sie alle sollen ab dem Jahr 2015 unter einem Dach zu finden sein. Auf dem Gelände der Bonhoefferkirche wird dann das neue »Bonhoefferhaus« stehen, eine Verbindung aus saniertem Altbau der bestehenden Kirchenräume und einem Neubau, der Wohnraum für 24 Menschen mit Behinderung (14 im stationären und 10 im ambulant betreuten Wohnen) sowie einen Tagesstrukturbereich bietet.

Welche Erwartungen und Wünsche haben die verschiedenen Gruppen an dieses neue Bonhoefferhaus? Und welche Sorgen und Ängste verbinden sie damit? Vertreterinnen und Vertreter des Heimbeirats bzw. Werkstattrats der Behindertenhilfe der Zieglerschen brachten die Sichtweise der Menschen mit Behinderung ein. Gisela Eberl vom Heimbeirat formulierte es so: »Ich wünsche mir, dass das Bonhoefferhaus ein echtes Zuhause für die künftigen Bewohner wird. Und das heißt, dass sie Freiheit haben und selbstständig leben können.« Auch Angehörigenvertreter meldeten sich zu Wort, so z.B. die Selbsthilfegruppe »Leben mit Autisten«, die sich eine kompetente Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige wünschten. Heike Liebe, Mitglied der Bonhoeffergemeinde, zeigte die Herausforderungen und Chancen für die Kirchengemeinde auf, die nun gemeinsam mit den Zieglerschen neue Formen der Gemeindearbeit und des Gottesdienstfeierns entwickeln müsse.
Einig waren sich die Teilnehmer, dass das neue Bonhoefferhaus ein Ort der Begegnung sein soll, an dem ein offenes Gemeindeleben und echte Teilhabe möglich sind.

Zum Abschluss des Tages beteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer - so ist es in der Bonhoefferkirche Sitte - das Vaterunser. Doch dieses Mal untermalten sie das Gebet mit den Gebärden, mit denen Menschen mit Hör-Sprach- und zusätzlicher geistiger Behinderung in den Zieglerschen kommunizieren - als Zeichen für den Aufbruch zu einem neuen Miteinander von Kirche und Diakonie.