Titelbild


Vesperkirche lebt vom ehrenamtlichen Engagement

03.12.2013 | von Sibylle Emmrich, Schwäbische Zeitung Ravensburg
Vesperkirche 2014
Die Organisatoren laden herzlich zur Vesperkirche in der Evangelischen Stadtkirche ein (von links): Diakon Gerd Gunßer, Leiter der Diakonischen Bezirksstelle Ravensburg, Harald Dubyk, Projektleiter der Vesperkirche bei den Zieglerschen, Pfarrer Friedemann Manz, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Ravensburg. Foto: Katharina Stohr

Diakonie und Zieglersche sind für das Projekt der tätigen Nächstenliebe auf Spenden angewiesen

Am 28. Januar 2014 ist es so weit. Dann öffnet die Vesperkirche wieder vier Wochen lang, bis 16. Februar, einladend ihre Türen. In der beheizten evangelischen Stadtkirche gibt es dann jeden Tag ein warmes Mittagessen für 1,50 Euro und kostenlos dazu: ärztliche und seelsorgerische Betreuung, Kultur, Friseur, Beratung. Wichtig ist dem Organisatoren-Trio vor allem „ein Zeichen der Wertschätzung, der Zuwendung, der Gemeinschaft für Menschen in unserer Nachbarschaft."

Zur letzten Vesperkirche, vor einem Jahr ebenfalls in der Ravensburger Stadtkirche, kamen über 10 000 Gäste. Zuvor war die Vesperkirche zweimal in Weingarten und zweimal in Ravensburg zu Gast. Jetzt, im sechsten Anlauf, kann dieses Projekt der tätigen Nächstenliebe schon auf viele gute Erfahrungen zurückgreifen. Die Hauptarbeit in der Kooperation zwischen dem Diakonischen Werk des Evangelischen Kirchenbezirks Ravensburg und den Zieglerschen aus Wilhelmsdorf ruht auf den Schultern von Pfarrer Friedemann Manz, Diakon Gerd Gunßer und Harald Dubyk, dem Projektleiter von den Zieglerschen.
Ihnen ist es schon jetzt gelungen, über 200 Ehrenamtliche für die vierwöchige Vesperkirche zu gewinnen. „250 sollten es schon sein", sagt Gerd Gunßer und ist zuversichtlich, dass auch so viele zusammenkommen. Denn jeden Tag sind rund 60 Ehrenamtliche in zwei Schichten im Einsatz. Ihre Mitarbeit ist gefragt bei der Ausgabe des Essens, das übrigens wieder aus der Küche des Körperbehindertenzentrums (KBZO) in Weingarten kommt, beim Vesperpakete richten oder beim Kaffee kochen, für die Betreuung der Gäste oder die Kinderbetreuung.
Gerade die mitmenschliche Zuwendung ist den Organisatoren der Vesperkirche wichtig. „Hier wird die Kirche zum Lebensraum, ein Ort, um Kraft aufzutanken und innezuhalten", sagt Friedemann Manz, der als Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Ravensburg - in den Fußstapfen von Pfarrerin Andrea Holm zum ersten Mal die Verantwortung trägt. Gerade auch das begleitende Kulturprogramm setzt hier an. Es kostet keinen Eintritt. Jeder gibt, was er kann, und die Künstler treten kostenlos auf. Damit können sich auch Leute, die sonst jeden Cent umdrehen müssen, mal einen Konzertbesuch, einen unterhaltsamen Abend leisten. „Im Warenkorb für einen Hartz-IV-Empfänger ist gerade mal der Gegenwert einer halben Kinokarte im Monat als Ausgabe für Kulturelles vorgesehen", verdeutlicht Gerd Gunßer.
Die Vesperkirche ist als Ort der Begegnung aber für alle offen. Die Organisatoren ermuntern ausdrücklich alle Menschen, dieses Angebot anzunehmen. Wer es sich leisten kann, mehr als 1,50 Euro für ein warmes Mittagessen und ein Getränk auszugeben, der kann (und soll) gerne mehr bezahlen. Und das sei auch so üblich, weiß Diakon Gunßer aus Erfahrung. Pfarrer Manz ergänzt: „Davon lebt ja auch die Vesperkirche, dass es ein gemischtes Publikum ist." Da mischt sich dann an den langen Tischen, was sonst kaum zusammenfindet: arm und reich, jung und alt, oben und unten. Und manche einsamen Menschen erleben in der Vesperkirche Gemeinschaft, vier Wochen Wärme für Leib und Seele.
Die Vesperkirche wird hauptsächlich mit Spenden finanziert. Zwar leisten das Diakonische Werk Ravensburg und die Zieglerschen Wilhelmsdorf ihren Part, und die Stadt Ravensburg stellt alle Leistungen des Baubetriebshofes kostenlos bereit. Aber ohne die vielen Ehrenamtlichen, darunter auch Arzt, Frisör, Seelsorger, Künstler, wäre das Projekt nicht machbar. Und ohne Spenden geht es gar nicht. 80 000 Euro kostet die Vesperkirche. Das Spendenkonto für die Vesperkirche: Stichwort „Vesperkirche" Spendenkonto 77 95 600, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 601 205 00. Wer mitmachen möchte kann sich an die Diakonische Bezirksstelle Ravensburg wenden, Tel. 0751/29590410, E-Mail: vesperkirche@diakonie-rv.de.
Sibylle Emmrich
Schwäbische Zeitung, Ausgabe Ravensburg