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Spektakuläre Bilder, dramatische Erzählungen

16.09.2013 | von Harald Dubyk
Thomas Lämmle
Dramatische Rettungsaktion am Broad Peak: Thomas Lämmle im Austausch mit Rettungskräften.

4x8000 - Traum und Wirklichkeit: So lautet der Titel des Vortrags von Thomas Lämmle, den er beim Jubiläumsfest der Alpenvereinssektion Ravensburg am kommenden Freitag, 20. September, hält. Der Waldburger Extrembergsteiger hat ein Sabbatjahr dazu genutzt, die höchsten Berge dieser Erde zu besteigen. Davon will der 48-Jährige seinen Zuhörern erzählen, garniert mit spektakulären Bildern. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Festzelt beim neuen DAV-Vereinszentrum in der Brühlstraße (hinter dem Bowlingcenter). Der Eintritt an der Abendkasse beträgt 5 Euro.

Am Anfang stand die Sehnsucht, den höchsten Berg der Welt zu besteigen. Bereits 2000 war Thomas Lämmle am Mount Everest dran. Für eine wissenschaftliche Expedition der Universität Innsbruck stand er 200 Meter unterhalb des Gipfels - dann hinderten ihn die Elemente daran, die letzten Meter zum Gipfel zu schaffen. 13 Jahre später sollte es klappen. „Ich wollte unbedingt auf diesen Berg", unterstreicht Thomas Lämmle seine Gipfelsehnsucht nochmals. Expeditionen zu den höchsten Bergen der Erde kosten viel Zeit und noch mehr Geld. Thomas Lämmle, der als Lehrer im Hör-Sprachzentrum der Zieglerschen an der Leopoldschule in Altshausen arbeitet, nutzte ein Sabbatjahr, um diesen Traum endlich zu verwirklichen. Jahre lang hatte er sich seine Arbeitszeit angespart, der Mount Everest schien für den 48-Jährigen Waldburger näher zu rücken. Am Ende vergeblich.

Geplant hatte Thomas Lämmle die Besteigung der vier 8000er Shisha Pangma, Mount Everest, Gasherbrum II und Hidden Peak. Sieben Mal stand er in seinem Bergsteigerleben bis dahin auf über 8000 Meter Höhe. Ende März standen die Vorzeichen gut. Als Bergführer einer Gruppe von Alpinisten für AMICAL alpin, einer Bergschule aus Oberstdorf, bestieg er den Zentralgipfel der Shisha Pangma. Zehn Tage zuvor war er mit drei anderen Bergsteigern mit Skiern auf den 8027 Meter hohen Hauptgipfel der Shisha Pangma gestiegen und ist von dort wieder abgefahren.

Beim Abstieg vom Zentralgipfel kam es zur Tragödie. Einer der Expeditionsteilnehmer hatte Anzeichen eines Lungenödems. „Ich gab ihm sofort Medikamente", erzählt Thomas Lämmle. Während die Gruppe abstieg, seilte er allein den erkrankten Bergsteiger über Nacht in einer Höhe von 8000 Metern auf rund 7500 Metern ab. Im Lager 3 dann verstarb der Bergsteiger am nächsten Morgen an einem Hirnödem. Thomas Lämmle selbst zog sich bei dieser Rettungsaktion Erfrierungen an seinen Zehen zu und erkrankte selbst an einem Lungenödem. Der nächste geplante Gipfel, der 8848 Meter hohe Mount Everest, rückte in unerreichbare Ferne. Thomas Lämmle kehrte nach Deutschland zurück und erholte sich von den Strapazen.

Zwei Wochen später war er wieder unterwegs. Im Karakorum führte er wiederum für AMICAL Alpin, eine Gruppe auf den Gasherbrum II, 8034 Meter hoch. Nachdem er 2,6 Kilometer Fixseile selbst verlegt hatte, stand die Gruppe erschöpft aber glücklich auf dem Gipfel. Für die geplante Gipfelbesteigung des Hidden Peak (8080 Meter) war die Zeit, es war inzwischen August, zu knapp. Auf dem Rückweg aus dem Karakorum erreichte Thomas Lämmle ein Notruf. Drei iranische Bergsteiger waren am 8051-Meter hohen Broad Peak als vermisst gemeldet. Die iranische Regierung bat um Hilfe bei der Suche. Der Waldburger erklärte sich bereit, zu helfen und Menschenleben zu retten.

Für diese Aktion wurde er mit einem Helikopter an den Gipfel geflogen, für Thomas Lämmle die bis dahin ungewöhnlichste und nicht weniger gefährliche Besteigung auf über 8000 Meter „Der Flug war brutal", erzählt er. Eigentlich dachte er, dass dies technisch nicht möglich sei. Immer wieder sackte der Helikopter wegen der dünnen Luft ab. Nach zwei Tagen Suche war klar, dass die drei iranischen Bergsteiger nicht mehr lebten. Thomas Lämmle hat diese Rettungsaktion selbst mit vielen Fotos dokumentiert.

Thomas Lämmle wird in seinem Vortrag die dramatischen wie auch spektakulären Besteigungen dieser vier 8000er in seinem Vortrag vorstellen. „Beschönigen will ich dabei nichts", sagt er. Er wird auch über sein Vorbereitungstraining in Tansania sprechen, das ihn zwischen Januar und März zehn Mal auf den 5895 Meter hohen Gipfel des Kilimandscharo führte. Einen Berg behielt Thomas Lämmle bei aller Dramatik im Himalaja und im Karakorum stets im Blick - der Mount Everest. „Der Everest", sagt er etwas nachdenklich wie kämpferisch, „da will ich noch hoch."